07:12 BAUBRANCHE

Studie: Tiny House und Co haben in der Schweiz Potenzial

Teaserbild-Quelle: Aysegul Yashi, Unsplash

Das Interesse an Kleinwohnformen ist in der Schweizer Bevölkerung hoch. Dies zeigt eine Studie der Hochschule Luzern (HSLU), für die rund 1250 Personen befragt worden sind. Rund die Hälfte hat bereits Erfahrungen mit Wohnen auf kleinem Raum, Ein knappes Drittel könnte es sich grundsätzlich vorstellen.

Tiny House mit Terrasse bei Nacht (Symbolbild)

Quelle: Aysegul Yashi, Unsplash

Tiny-House-Idylle: Auf kleinem Raum Wohnen mit grossem Bezug zur Natur.

Einerseits sind die Bodenressourcen in der Schweiz knapp, andererseits prägt der Nachhaltigkeitsgedanke die persönliche Lebensgestaltung von immer mehr Menschen. Dass in diesem Zusammenhang Tiny Houses, Mikro-Appartements, Hallenwohnen oder Wohnen im Container respektive Fahrzeug für viele eine Möglichkeit sein können, liegt nahe. Doch wie gross ist die Nachfrage und das Marktpotenzial solcher Kleinwohnwohnformen in der Schweiz tatsächlich? Eine Studie der Hochschule Luzern (HSLU) liefert Antworten und zeigt auch, welche Interessen, Präferenzen und Bedürfnisse bei aktuellen und künftigen Bewohnerinnen und Bewohner bestehen. - Für die Studie befragte das HSLU-Team 1'254 Personen der Schweizer Bevölkerung mittels einer repräsentativen Online-Befragung.  

Traum vom Tiny House und der  Unterschied zwischen Wunsch und Realität

Rund die Hälfte der Befragten hat bereits Erfahrungen mit Kleinwohnformen, die als in der Studie als «Expert:innen» klassifizierten Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen machten bezeichnet 22 Prozent aus. Ein knappes Drittel respektive 30 Prozent zählen die Studienautorinnen und -autoren zu den «Interessierten», die sich für sich eine Kleinwohnform vorstellen können.  Die verbleibenden 48 Prozent sind «Nichtinteressierte», sie können sich nicht vorstellen, auf kleinstem Raum zu wohnen, tendenziell gehören diese zu den Besserverdienern und verfügen auch über ein höheres Haushalstvermögen.

Interessant sei, dass sich die Antworten zwischen «Expert:innen» und Interessierten teilweise deutlich unterschieden, sagt Projektleiterin Selina Lutz. «Ein Grund dafür dürfte insbesondere sein, dass ‘Expert:innen’ die jeweilige Frage in Bezug auf ihre tatsächliche Wohnsituation beziehungsweise Erfahrungen mit Kleinwohnformen beantworten, während sich die Interessierten auf ein hypothetisches oder Wunschszenario beziehen.»  Somit besteht eine Kluft zwischen Wunschvorstellung und Realität.

Wie die Untersuchung zeigt, bevorzugt die Mehrheit oder  43 Prozent der «Interessierten» das Wohnen in einem festen Haus, zum Beispiel in einem Mini- oder ein Kleinsthaus, während weniger als 10 Prozent der «Expert:innen» bisher in dieser Kleinwohnform lebte. Die überwiegende Mehrheit von 84 Prozent der «Expert:innen» gibt an, in einem Apartment zu leben oder gelebt zu haben. Weiter fällt auf, dass zwar für Fahrzeuge und vorgefertigte Module eine Nachfrage besteht, diese von «Expert:innen» bislang jedoch kaum als ständiger Wohnsitz genutzt werden. Über die Hälfte der Kleinwohnformen von «Expert:innen» befindet sich an einer urbanen Lage, während bei den «Interessierten» dieser Standort deutlich weniger häufig genannt wird. Lediglich rund ein Drittel der «Interessierten» favorisiert eine Stadt als Standort für die Kleinwohnform, während die anderen einem Wohnort auf dem Land oder in einer Agglomerationsgemeinde vorziehen.

«Interessierten» ist Nachhaltigkeit und Bezug zur Natur wichtig

Während für die «Interessierten» die Nachhaltigkeit deutlich im Vordergrund steht, achten die «Expert:innen» eher auf die Kosten. So legen «Interessierte» zum Beispiel bei der Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung der Kleinwohnform tendenziell mehr Wert auf lokal produzierte und erneuerbare Energien. Eine geringe Umweltbelastung steht ebenfalls im Vordergrund. 

Demgegenüber stehen oder standen bei «Expert:innen» häufiger geringe Kosten und hoher Komfort im Vordergrund. Zudem geben 43 Prozent der «Expert:innen»  an, dass eine finanzielle Notlage ein entscheidendes Motiv für den Entscheid für eine Kleinwohnform war. Bei den Interessierten ist neben der Nachhaltigkeit das wichtigste Motiv, mit mehr Freiheit und Autonomie zu leben. 

«Expert:innen» legen Wert auf Stauraum oder Rückzugsmöglichkeiten

Was die Wohnqualität betrifft ist für beiden Interessensgruppen eine natürliche Belichtung und Belüftung ihres Kleinst-Zuhauses wichtig. Darüber hinaus legen «Expert:innen» häufiger Wert auf eher praktische Eigenschaften wie Stauraum und Rückzugsmöglichkeiten, während den «Interessierten eher naturbezogene Wohnqualitäten wie Ausblick und Zugang zur Natur sowie natürliche Materialien als wichtig erachten. 

«Die Resultate der Studie deuten darauf hin, dass ein Angebot von Kleinwohnformen einen Beitrag zum nachhaltigen Wohnen bieten kann; dabei sollte allerdings der Kostenaspekt verstärkt beachtet werden, damit es in der Praxis Anwendung findet», bilanziert Selina Lanz. (mai/mgt)

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