14:16 BAUBRANCHE

Schweizer Gebäudepark: Neubauten oder Sanierungen?

Teaserbild-Quelle: Christoph Meinersmann, Pixabay-Lizenz

Die Baubranche brummt, und mit ihr auch der Rückbau von Gebäuden. Während die einen vor allem in Neubauten eine Lösung für eine klimafreundlichere Welt sehen, monieren andere, dass die Graue Energie von Rückbauten zu wenig berücksichtigt wird. Zum Beispiel der SIA und der SHS, wie die NZZ berichtete.

Bagger

Quelle: Christoph Meinersmann, Pixabay-Lizenz

Abbruch oder doch Erhalten? Gebäude rückzubauen ist laut SHS und SIA nicht immer die nachhaltigste Lösung.

Rund 1.5 Millionen Gebäude sind in der Schweiz sanierungsbedürftig. Laut dem Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) liegt die Sanierungsrate aktuell bei nicht einmal einem Prozent. Damit die Schweiz bis 2050 CO2-neutral werden kann, muss die Sanierungsrate um das Dreifache erhöht werden, heisst es auf der Website des Verbandes, der sich mit seiner vor rund einem Jahr lancierten „Modernisierungsoffensive für den Gebäudepark  für das Erreichen der Klimaziele der Schweiz engagiert.

Wie der SBV vorrechnet, verbraucht ein heute gebautes Gebäude vier- bis siebenmal weniger Energie als eines aus der Zeit vor den 1980er Jahren. „Neue Gebäude emittieren zudem kein CO₂, wie es die bereits geltenden Gesetze vorsehen. Daher ist der Neubau alter Gebäude oft energieeffizienter als eine Sanierung, obwohl energetische Renovierungen natürlich auch unterstützt werden sollten.“

Graue Energie zu wenig berücksichtigt

Der Trend zu Neubauten zeigt sich überall, der Anblick von Baugespannen hat sich in den letzten Jahren vermehrt. Dem gegenüber macht sich ein Trend zum Umdenken bemerkbar: Werden Gebäude rückgebaut braucht es auch hierfür Energie. Jedoch wird sie laut Verbänden wie dem Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverbandes (SIA) oder Schweizerischen Heimatschutz (SHS) oft zu wenig berücksichtigt.

Der Vizepräsident des SIA äussert sich dazu in einem Artikel in der aktuellen Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). „Über den ganzen Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg wird über die Hälfte der Treibhausgase bereits in der Bauphase emittiert.“ Er verweist darauf, dass der Bau von Gebäuden damit ungefähr gleich viel CO2-Emissionen verursache wie alle fossilen Heizungen in der Schweiz. Wie er weiter erklärt, genügen innovative Gebäudekonzepte mit kleinem Materialeinsatz und klimafreundliche Baustoffe wie zum Beispiel Holz nicht. Laut Rieder müssen sowohl Politik als auch Baubranche umdenken: Es dürfe nicht sein, dass Ersatzneubauten von der Politik bevorzugt werden. Zudem führt er aus, dass es heute in den meisten Fällen möglich sei, bestehenden Gebäude so zu sanieren, dass im Betrieb nicht mehr Treibhausgase emittiert werden, als bei Neubauten. Natürlich gilt dies nicht für alle bestehenden Gebäude. Wie Rieder im Artikel erklärt, müsste jeweils genau geprüft werden, ob ein Gebäude nicht erhalten werden kann.

Schutzbestimmungen fürs baukulturelle Erbe nicht lockern

Ähnlich sieht man es beim Schweizerischen Heimatschutz (SHS). Der Verband unterstützt die Ziele der nationalen Energiestrategie zwar vollumfänglich und bekennt sich auch zu einer klimaneutralen Schweiz bis 2050. Allerdings ist man beim SHS der Ansicht, dass sich das in der Energiestrategie formulierte Netto-Null-Ziel auch erreichen lässt, ohne dass dafür das baukulturelle Erbe da Schweiz beeinträchtigt und Schutzbestimmungen gelockert werden müssen.

SHS-Geschäftsführer Stefan Kunz kommt im Artikel der NZZ ebenfalls zu Wort und meint, dass der klimaschonende Weiterbau im Bestand mehr Gewicht erhalte muss. Jede Sekunde würden in  der Schweiz über 500 Kilogramm Bauabfälle durch den Abriss von Bauten produziert, rechnet Kunz vor. Damit sei die Baubranche für über 80 Prozent des Abfalls der Schweiz verantwortlich rechnet er vor.  (mai)

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