09:07 BAUBRANCHE

Schweizer Bauforum 2019: Nachhaltigkeit als weites Feld

Autoren: Stefan Gyr (stg)
Teaserbild-Quelle: Hans, Pixabay, Public Domain-ähnlich

Wie auf dem Glasi-Areal in Bülach ein nachhaltiges Stadtquartier entstehen soll, warum Energiepolitik und Denkmalschutz in keinem Widerspruch stehen müssen und wie neu gebaute Mietwohnungen und Eigenheime im ökologischen Vergleich abschneiden: Das war am Schweizer Bauforum in Luzern zu erfahren.

Eine gute Stadt ist wie eine gute Party – man bleibt viel länger als geplant, weil man sich wohl fühlt», pflegt der dänische Architekt und Stadtplaner Jan Gehl zu sagen. Ein solches Stadtquartier, in dem man sich gerne aufhält, soll auf dem Glasi-Areal in Bülach ZH entstehen. Das erklärte Projektleiter Urs Lengweiler von der Totalunternehmerin Steiner AG am Schweizer Bauforum in Luzern, einem Anlass des Instituts für Gebäudetechnik und Energie (IGE) und des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern und des Netzwerks Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS).

«Hier pulsiert das Leben – da möchte man sein», schwärmte Lengweiler, als er Visualisierungen des Projekts zeigte. Das Vorhaben auf dem brachliegenden Gelände der ehemaligen Glashütte ist eines der grössten in der Schweiz – «eine grosse Kiste», wie sich der Projektleiter ausdrückte. Das neue Stadtquartier wird mit 230 Prozent eine für Schweizer Verhältnisse sehr hohe bauliche Ausnutzung aufweisen.

Auf dem 42 000 Quadratmeter grossen Arealsollen bis in vier Jahren 460 000 Kubikmeterumbauter Raum und 100 000 Quadratmeter Geschossfläche geschaffen werden, was dem Volumen von 600 Einfamilienhäusern entspricht. Die Investitionen belaufen sich auf etwa eine halbe Milliarde Franken. Entwicklungspartner der Steiner AG sind zwei gemeinnützige Wohnbauträger: Die Logis Suisse AG und die Baugenossenschaft Glattal Zürich haben das Glasi-Areal erworben und mit der Totalunternehmerin einen Vertrag für die Projektentwicklung und -realisierung abgeschlossen.

Auf dem 42 000 Quadratmeter grossen Glasi-Areal in Bülach sollen bis in vier Jahren 600 Wohnungen und 35 000 Quadratmeter Gewerbefläche entstehen.

Quelle: Duplex Architekten AG / Gabriel Diezi / Danijela Lizatovic, www.aloha-change.ch/fotografie

Auf dem 42 000 Quadratmeter grossen Glasi-Areal in Bülach sollen bis in vier Jahren 600 Wohnungen und 35 000 Quadratmeter Gewerbefläche entstehen.

Bis zu 3000 Neuzuzüger

Rund 600 Wohnungen und 35 000 Quadratmeter Gewerbefläche sind vorgesehen. Gebaut werden rund 20 meist sechsgeschossige Häuser – neben Wohnbauten auch ein Hotel, eine Altersresidenz und ein Ärztehaus. Etwa die Hälfe der Wohnungen wird preisgünstig vermietet. Als Blickfang kommt das 60 Meter hohe Hochhaus «Jade» mit 75 Eigentumswohnungen hinzu. Bis zu 3000 Neuzuzüger wird die Grossüberbauung anlocken. In der Landgemeinde Bülach, wo schmucke Riegelhäuser die Altstadtgassen säumen, hat dieser grosse Wachstumsschub einige Ängste in der Bevölkerung hervorgerufen, berichtete Lengweiler. Man habe deshalb viele Gespräche geführt. Überhaupt komme bei Projekten dieser Grössenordnung der Kommunikation nach aussen wie nach innen eine hohe Bedeutung zu, weil gegensätzliche Interessen unter einen Hut gebracht werden müssten.

Eine weitere Herausforderung bildete laut Lengweiler der Umgang mit der ausserordentlichen baulichen Dichte. Die drei ungleichen Entwicklungspartner streben nicht nur ökonomische und technische, sondern auch soziale Nachhaltigkeit an. Das ehemalige Industriegebiet soll in einen urbanen, qualitativ hochwertigen Lebens- und Arbeitsraum mit eigener Identität verwandelt werden. Die Steiner AG lobte deshalb einen internationalen Studienauftrag aus. Elf Büros wurden eingeladen, darunter auch Stararchitekten wie Bjarke Ingels und Dominique Perrault. Als Sieger schwangen aber die jungen Duplex Architekten aus Zürich obenaus.

Im Zentrum des siegreichen Entwurfs stehen die urbanen Freiräume. Das städtebauliche Konzept beruht auf einem System aus strahlenförmigen Strassen und Gassen, die wie bei einem Linolschnitt aus der Gebäudemasse herausgeschnitten sind. An verschiedenen Kreuzungspunkten entstehen grosszügige öffentliche Plätze. Eine grosse Vielfalt an Wohnungstypen soll das Quartier für verschiedene Nutzergruppen öffnen.

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