Quartalsbericht Q1/26: Hohe Dynamik setzt sich fort
Der Wohnbau dürfte überdurchschnittlich zulegen dank des
Neubaugeschäfts bei den Mehrfamilienhäusern. Industrie- und Bürobau
verzeichneten erneut Erfolgsquartale. Gesamthaft legte der Hochbau beim
Wachstumstempo noch einen Zacken zu.
Quelle: Stefan Schmid
Der Bau von Mehrfamilienhäusern kommt in die Gänge. Nach dem Vorquartal sind erneut hohe Investitionen geplant. Die finanziellen Mittel dürften vor allem in Neubauten fliessen.
Das Schweizer Bauhaupt- und Ausbaugewerbe konnte das 1.
Quartal auf ähnlich schwungvolle Weise beginnen, wie es das Jahr 2025 beendet
hatte. Das Resultat ist sogar in zweifacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen
erhöhte sich die auf Basis von Gesuchen ermittelte Bausumme im Vergleich zum
entsprechenden Vorjahresquartal um 5,1 Prozent. Zum anderen wurde der bereits
hohe Wert des Schlussquartals um 2,8 Prozent übertroffen. Wie schon im
Vorquartal lag die nominale Hochbausumme über der Marke von 14 Milliarden Franken.
Einen grossen Anteil am sehr guten Ergebnis hatte die
Entwicklung des Wohnbaus. Gesamthaft knüpften die Investoren des Segments
nahtlos an die Dynamik im Vorquartal an und egalisierten die hohe Vorgabe aus
diesem. Verglichen mit dem Startquartal 2025 resultierte gar ein Plus von 10,9
Prozent, wie aus den Zahlen der Infopro Digital Schweiz GmbH hervorgeht.
Neubausumme auf alter Höhe
Im Untersegment Mehrfamilienhäuser (MFH)stiegen die
geplanten Investitionen zum Vorjahresquartal um 14,4 Prozent und dürften mit
Blick auf die Zeitreihe den Sechsjahresdurchschnitt deutlich übertreffen (+12,4 %).
Zwei Entwicklungen führten zum sehr guten Wert in diesem
Quartal. Erstens war die Zuwachsrate im Neubaugeschäft mit einem Plus von 22,4
Prozent ausserordentlich, wobei der Basiseffekt zu berücksichtigen ist. So
erreichte die für mehrgeschossige Neubauten geplante Summe nach dem Einbruch im
Vorjahr nun wieder das Niveau des Startquartals 2024. Im Vergleich zum
Vorquartal ging sie jedoch um 8,7 Prozent zurück. Zweitens gab es im
Renovierungsgeschäft verglichen mit dem Vorjahr zwar eine Einbusse zu verzeichnen.
Diese fiel aber minimal aus und bewegte sich im statistischen
Schwankungsbereich (-2,9 %).
Das Ergebnis im Schlussquartal hatte dagegen von den bereits
sehr hohen Bezugswerten des vorletzten Jahres profitiert. So verzeichnete das
Neubaugeschäft eine stattliche Zunahme bei den geplanten Investitionen (+13,3 %). Der Rückgang
des Umbaugeschäfts (-17,0 %) konnte das Ergebnis im 4. Quartal nicht allzu stark beeinträchtigen, zumal das Neubaugeschäft im
Mittel rund drei Viertel der geplanten Investitionen im MFH-Untersegment
ausmacht. Im 1. Quartal
wuchs die projektierte Bausumme für An- und
Umbauten zum Vorquartal um ein Viertel. Damit lag sie wieder bei über zwei
Milliarden Franken und somit im Bereich jenes Werts, auf den sie sich seit 2024
einzupendeln scheint.
Leichte Entspannung zu erwarten
Bis die neuen Wohnungen fertiggestellt sind und das Angebot
auf dem angespannten Mietwohnungsmarkt erhöhen, dürfte noch einige Zeit
vergehen. Doch immerhin rechnen die Analystinnen und Analysten der
Raiffeisen-Gruppe gemäss ihrer neusten Immobilienstudie für 2026 im Vergleich
zum Vorjahr mit einer Zunahme des baulichen Wohnungszugangs um 12 Prozent. In
den kommenden ein bis zwei Jahren könnte es laut der Studie zu einer temporären
Ausweitung des Wohnungsangebots kommen.
Die Zahl neu gebauter Wohnungen scheine seit 2024 mit dem
Haushaltswachstum Schritt zu halten, heisst es darin weiter. Die Ursachen dafür
orten die Autoren in der tieferen Zuwanderung und der sinkenden Zahl an
Haushaltsgründungen. Dank dieses jüngsten Ausgleichs zwischen Angebotsausweitung
und zusätzlicher Nachfrage habe sich die Mietpreisdynamik in den meisten
Schweizer Regionen zuletzt abgeschwächt. Gemäss der Studie lag die
Jahresteuerung bei den Angebotsmieten im Verlauf des Jahres 2025 nur noch
zwischen 1,3 und 2,3 Prozent. Mitte 2024 waren landesweit noch
Preissteigerungen von 6 Prozent zu verzeichnen gewesen. Um die Situation am
Mietwohnungsmarkt längerfristig zu entspannen, sei jedoch eine viel grössere
Steigerung der Bautätigkeit vonnöten, betonen die Autorinnen. Denn von 2019 an
sei die Anzahl der neuerstellten Wohnung stetig gesunken, sodass sich in
Kombination mit dem starken Bevölkerungswachstum ein Wohnungsdefizit aufgestaut
habe.
Im Untersegment Einfamilienhäuser (EFH) setzte sich der
Rückgang des Umbaugeschäfts fort. 4,71 Prozent betrug das Minus zum
Vorjahresquartal. Verglichen mit dem Schlussquartal gab es indes einen Zuwachs
(+8,9 %). Die geplanten
Investitionen für Neubauten legten derweil zum
Vorjahresquartal um 3,26 Prozent zu und stagnierten im Vergleich zum
Vorquartal.
Wirtschaftsleistung gebremst
Der Krieg im Nahen Osten liess die internationalen
Energiepreise seit Ende Februar stark ansteigen. Dies trübt die
Konjunkturaussichten und lässt Experten höhere Inflationsraten erwarten. Die
weitere Entwicklung des Konflikts und damit verbunden die wirtschaftlichen
Auswirkungen sind unsicher. Deshalb erhöhte die Expertengruppe des Bundes in
ihrem Bericht vom März ihre technische Annahme für die durchschnittlichen
Erdölpreise sowohl im laufenden als auch im nächsten Jahr. Als Folge davon sei
für dieses Jahr eine leicht höhere Inflation zu erwarten (Prognose vom
Dezember: 0,2 %, neu: 0,4 %).
Trotz des höheren Inflationsrisikos entschied sich die
Schweizerische Nationalbank (SNB) fürs Abwarten und beliess im März den
Leitzins bei null Prozent. Das niedrige Zinsniveau, das als belebend für die
Bautätigkeit gilt, bleibt mindestens vorläufig erhalten.
Zusätzlich bremsen eine gedämpfte Weltnachfrage und der hoch
bewertete Schweizer Franken die Exportwirtschaft, was die Investitionstätigkeit
tendenziell trübt. Insgesamt dürfte die Wirtschaftsleistung stagnieren. Daher
korrigierte die Expertengruppe ihre Wachstumsprognose leicht nach unten. Für
das laufende Jahr erwartet sie ein unterdurchschnittliches Wachstum des
Schweizer BIP von 1,0 Prozent (Prognose vom Dezember: 1,1 %). Wie die Expertengruppe
schreibt, dürfte sich das Wachstum der Schweizer
Wirtschaft im Jahr 2027 auf 1,7 Prozent beschleunigen, bei einer
jahresdurchschnittlichen Inflation von 0,5 Prozent (Prognosen bleiben
unverändert).
Industrie- und Bürobau im Hoch
Während die gesamtwirtschaftlichen Aussichten verhalten
bleiben, geht es in der verarbeitenden Industrie und bei den Gewerbebetrieben
dynamisch weiter. Die geplanten Investitionen erreichten im 1. Quartal Spitzenwerte: Gegenüber dem Vorjahr resultierte ein Plus von 22,6 Prozent. Dieser kräftige Anstieg dürfte die Bautätigkeit weiter beflügeln.
Quelle: Stefan Schmid
Industrie und Gewerbe planen trotz globaler Unsicherheiten und volatiler Märkte hohe Investitionen in die Erweiterung der Produktionskapazitäten. Und die Büroflächenproduktion dürfte stark zulegen, wie aus neusten Zahlen hervorgeht.
Das Handels- und Verwaltungssegment wiederum kann bereits
zum vierten Mal in Folge zulegen und die geplanten Investitionen in Bürogebäude
auf einen neuen Höchstwert ausweiten. Im Vergleich zum Vorjahresquartal betrug
das Plus 10,3 Prozent, gegenüber dem Vorquartal waren es immerhin 4,3 Prozent.
Verglichen mit dem Mehrjahresmittel ergab sich ein Plus von 22,8 Prozent.
Der Bildungsbau verzeichnete im Start-quartal indes einen
deutlichen Rückgang um über eine halbe Milliarde Franken. Zum Vorjahr
entspricht dies einem Minus von 43,2 Prozent. Allerdings folgten auf zwei
aussergewöhnlich starke Jahre mit hohen Investitionsvolumen nun tiefere Werte.
Dennoch bleibt das aktuelle Niveau klar unterdurchschnittlich und markiert den
zweittiefsten Wert der vergangenen sechs Jahre. Immerhin fiel der Rückgang
gegenüber dem Vorquartal mit -14,1 Prozent moderater aus.
Im Gesundheitssegment hingegen legte die Bausumme gegenüber
dem Vorquartal deutlich zu (+32 %).
Im Vergleich zum Vorjahresquartal ergab sich zwar ein Rückgang
von 20,1 Prozent. Doch der Wert lag nach wie vor nahe beim langjährigen Durchschnitt und damit weiterhin auf solidem Niveau.
Extraschub für die Infrastruktur
In den drei übrigen Segmenten des Hochbaus fällt die Bilanz
durchmischt aus. Gesamthaft dürften sie die künftige Hochbautätigkeit im gleich
hohen Ausmass wie im Vorjahr beleben. Doch innerhalb des Trios waren die
Anteile im 1. Quartal ganz
anders verteilt als in der Vergangenheit üblich.
So schnellte die für Infrastrukturbauten vorgesehene
Investitionssumme regelrecht in die Höhe: Sie fiel mehr als doppelt so hoch aus
wie im Vorjahresquartal und bewegte sich um 90 Prozent über dem Durchschnitt.
Erstmals in der Zeitreihe summierte sie sich auf fast eine halbe Milliarde
Franken und übertraf das Ergebnis für «Gesellschaft, Kultur und Freizeit».
Dieses im langjähri-gen Mittel bedeutendste der drei Segmente büsste zum
Vorjahr 22,6 Prozent ein und blieb damit deutlich unterdurchschnittlich. Immerhin
ging es zuletzt wieder bergauf: Im Vergleich zum Schlussquartal 2025
resultierte ein Plus von 51,3 Prozent.
Auch aus dem Hotel- und Gastgewerbe waren rückläufige Zahlen
zu verzeichnen. Gegenüber der Vorjahresperiode war angesichts des damaligen
Höchstwerts eine Korrektur auch in diesem Ausmass (-31,6 %) zu erwarten. Zum Vorquartal sank die Summe
ebenfalls um über ein Viertel (-26,1 %). Die heuer im Startquartal geplanten
Investitionen befanden sich in-des noch immer knapp über dem
Mittel des von starken Schwankungen geprägten
Segments.