10:11 BAUBRANCHE

Neue Publikation über römische Ziegelproduktion im Aargau

Teaserbild-Quelle: Illustration: Misha Baldachin, © Kantonsarchäologie, Kanton Aargau

In Hunzenschwil-Rupperswil im Kanton Aargau befanden sich einst römische Ziegeleibetriebe, die für das Legionslager Vindonissa Ziegel produzierten. Über den wohl ältesten Industriekomplex der Schweiz ist nun eine Publikation erschienen.

Illustration römische Ziegelproduktion Hunzenschwil-Rupperswil

Quelle: Illustration: Misha Baldachin, © Kantonsarchäologie, Kanton Aargau

Diese Illustration vermittelt einen Eindruck vom Platzbedarf und den verschiedenen Produktionsschritten bei der Ziegelherstellung.

Er ist die häufigste Fundgattung auf römischen Ausgrabungen: der Ziegel. Kaum eine Erfindung habe die Menschheit so nachhaltig geprägt, wie die des Ziegels, heisst es in einer Mitteilung der Aargauer Staatskanzlei von Montag. Der stabile, feuerfeste und universell einsetzbare Werkstoff habe in römischer Zeit eine bis anhin nie dagewesene Bedeutung erlangt.

Der Ziegel erlaubte den Bau monumentaler Gebäude, die teilweise bis heute erhalten geblieben sind. Auch im Aargau wurde der Werkstoff produziert. Rund vierzehn Kilometer südwestlich des Legionslager Vindonissa befanden sich in Hunzenschwil-Rupperswil so einst grosse römische Ziegeleibetriebe. Über diese ist nun eine wissenschaftliche Publikation erschienen. 

Betriebsanlagen archäologisch dokumentiert

Die Fundstelle des damit gewissermassen ältesten Industriekomplexes der Schweiz ist durch Oberflächenfunde schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Ausserdem hätten bereits die Flurnamen «Ziegelacker» und «Ziegelmatten» darauf hingewiesen, was sich im Boden verbirgt, heisst es in der Mitteilung. 

Anlässlich des Baus eines Gewerbegebäudes konnte die Kantonsarchäologie im Jahr 2002 eine Fläche von 900 Quadratmetern untersuchen. 2005 folgte eine weitere Ausgrabung auf einer 3000 Quadratmeter grossen Parzelle. Dabei wurden verschiedene Strukturen dokumentiert. 

Anhand dieser Befunde lassen sich die grundlegenden Arbeitsschritte bei der römischen Ziegelherstellung nachvollziehen. Fünf Schlämmbecken dienten demnach zur Einlagerung und Aufbereitung von Rohton. Grosse offene Hallenbauten nutzte man als witterungsunabhängigen Arbeitsraum zur Herstellung der Ziegelrohlinge und deren Trocknung.

Zwei solche Bauten konnten 2005 nachgewiesen werden, von denen sich nur noch die Pfosten im Erdreich abzeichneten. Der grössere Bau wies dabei beachtliche Masse von 18 mal 55 Metern auf. Dokumentiert wurden ausserdem auch fünf Brennöfen – davon dienten vier der Ziegelherstellung und einer der Gefässkeramikproduktion.

Ein breites Ziegelrepertoire

Geborgen wurde gemäss Mitteilung ausserdem eine Vielzahl Ziegelformen, die das Produktionsspektrum aufzeigen. Hauptsächlich hergestellt wurden demnach Dachziegel wie Leistenziegel, Hohlziegel und Firstziegel. Damit wurden während des Ausbaus des Legionslagers Vindonissa unter der 21. Legion, die nun steinernen Gebäude gedeckt.

Stirnziegel Fund römische Ziegelproduktion Hunzenschwil-Rupperswil

Quelle: Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Ein fundfrischer Stirnziegel. Dieser sogenannte «Antefix» ist ein figürlich verzierter Ziegel, der die vordere Seite eines ziegelgedeckten Daches abschloss.

Weiter produzierte man Rund- und Halbrundziegel für Säulen, Plattenziegel für Böden und Hohlziegel für den Heissluftabzug in geheizten Räumen. Die 11. Legion stellte später auch scheibengedrehte Gefässkeramik her, sogenannte Legionskeramik, für den Eigenbedarf der Armee. Diese Grossproduktion erforderte tagesgenaue Protokolle und Sollzahlen.

Dazu verwendete man ein System von Wischzeichen, Ritzmarken und Legionsstempeln. Dieses unterschied sich zwischen der 21. und 11. Legion und zeigt damit gemäss Mitteilung eine unterschiedliche Werkstattorganisation auf.

Publikation über Ziegelproduktion

Die Auswertung der Grabungsbefunde wurde laut Staatskanzlei im Rahmen einer Masterarbeit bei der Vindonissa-Professur an der Universität Basel von Autor Simon Jeanloz geleistet. Die Resultate sind nun als wissenschaftliche Publikation der Kantonsarchäologie in der Reihe «Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa» beim Verlag Librum Publishers & Editors erschienen.

Das reich bebilderte Buch bietet gemäss Mitteilung auch interessierten Laien einen Einblick in die römische Ziegelproduktion. Es ist kostenfrei in digitaler Form sowie gedruckt im Buchhandel erhältlich. Die öffentliche Vernissage findet am Donnerstag, 1. Dezember 2022, um 18.30 Uhr im Gemeindesaal von Hunzenschwil statt. (mgt/pb)

Zur Publikation in Buchform: librum-publishers.com

Publikation römische Ziegelproduktion Hunzenschwil-Rupperswil

Quelle: Kantonsarchäologie, © Kanton Aargau

Die soeben erschienene Publikation «Ziegel für Vindonissa» in der Reihe Veröffentlichungen der Gesellschaft Pro Vindonissa.

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