14:07 BAUBRANCHE

Klimawandel stellt Immobilienbranche vor einige Herausforderungen

Teaserbild-Quelle: Implenia

In der Baubranche wird zunehmend an neuen Materialien gearbeitet und an anderen Massnahmen um den Auswirkungen der globalen Erwärmung entgegenzuwirken. Die Herausforderungen für Sanierungen und Neubauten sind nach wie vor gross.

Der neue Hauptsitz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne wird eröffnet. 

Quelle: © IOC - Luca Delachaux

Im Juni 2019 wurde in Lausanne der neue Hauptsitz des IOC eröffnet. Die Form des gläsernen Baus nach Plänen des Büros 3XN und der Lausanner Architekten «Itten + Brechbühl» ist von der Bewegung eines Athleten inspiriert und hat drei nachhaltige Gebäudezertifikate erhalten.

Hinzu kommen Schäden an bestehenden Gebäuden durch Unwetter. In den letzten Wochen wurden allein durch Unwetter und Hagel Versicherern wie Axa, Allianz Suisse oder Mobiliar Schäden in Höhe von gut einer halben Milliarde Franken gemeldet. 

Swiss Re hat errechnet, dass die weltweiten wirtschaftlichen Verluste aufgrund von Naturkatastrophen im vergangenen Jahr 202 Milliarden US-Dollar betrugen, während es 2019 noch 150 Milliarden waren. 

Klimawandel als Herausforderung für Architekten

In einer aktuellen Studie betont der EPFL-Forscher Sergi Aguacil, wie wichtig die Renovierung des Schweizer Gebäudestands sei. Von den rund 4,5 Millionen Immobilien seien rund 80 Prozent vor den 1980er Jahren entstanden. Er hebt in seiner Arbeit die signifikanten Gewinne hervor, die etwa durch gebäudeintegrierte Photovoltaiksysteme (BIPV) erzielt werden könnten. Heute unter der Berücksichtigung der künftigen Folgen des Klimawandels Gebäude zu entwerfen sei eine neue Herausforderung für Architekten, betont Aguacil. Die Relevanz des BIPV-Konzepts beginnt sich erst jetzt bei Entscheidungen für Sanierungen abzuzeichnen. 

Auch die Eigentümer sind sich den Herausforderungen bewusst geworden. Ein Beispiel hierfür ist der 2019 eröffnete neue Sitz des Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne. Der IOC-Sitz wird weitgehend mit erneuerbaren Energien betrieben und nutzt unter anderem das Wasser des Genfersees mittels Wärmepumpen zur ganzjährigen Klimatisierung. Auch am Hauptsitz von Swatch wird nach diesem Prinzip gearbeitet. 

Swatch-Hauptsitz von Shigeru Ban

Quelle: Jan Bolomey, Blumer-Lehmann AG

Wie ein schuppiges Reptil zieht sich der neue Swatch-Hauptsitz in Biel der Schüss entlang. Im Oktober 2019 wurde der von einem Drachen inspirierte Holzbau aus der Feder von Shigeru Ban eröffnet.

Projekt «Green Village» von Implenia als Beispiel 

Auch die Implenia nutzt solche Verfahren bereits. So etwa im Projekt «Green Village» in Grand-Saconnex in Genf. Der Baukonzern erweitert dort im Auftrag des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) dessen Hauptsitz. Der ÖRK verfügt über ein Versammlungsgebäude mit vier Annexbauten und einer Bibliothek, die in einem kleinen Landschaftspark liegen. Im Projekt soll das denkmalgeschützte Zentralgebäude renoviert werden. Zudem entstehen darum herum sechs neue Gebäude mit Büros, Wohnungen und einem Hotelbetrieb. Die ersten beiden Neubauten sollen Ende 2022 fertiggestellt sein. 

Nach eigenen Angaben setzt Implenia bei der Umsetzung auf die «One Planet Living»-Philosophie. Diese umfasse zehn Grundsätze für nachhaltige Quartiere, die man gemeinsam mit dem WWF erarbeitet habe. In erster Linie gehe es darum, die CO2-Emissionen sowohl beim Bau als auch beim Betrieb des Gebäudes zu verringern. 

Dies etwa durch die Materialwahl oder die Nutzung von erneuerbarer Energie. Daneben sind aber auch Ansätze zu Verminderung und Recycling von Abfällen, umweltfreundliche Mobilität sowie die Förderung der biologischen Vielfalt Teil dieser Philosophie. Einen grossen Stellenwert hätten aber auch soziale Anliegen wie die Nutzung von regionalen Ressourcen oder der Einbezug der lokalen Wirtschaft.

Visualisierung Green Village in Genf von Implenia

Quelle: Implenia

Im Projekt «Green Village» erweitert Implenia den Hauptsitz des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) in Grand-Saconnex GE. Unter anderem sollen sechs Neubauten um das bestehende, denkmalgeschützte Zentralgebäude realisiert werden.

40 Prozent der Flächen nicht versiegelt

Vor diesem Hintergrund wurden auf dem Grundstück in Genf mehr als 40 Prozent der Flächen nicht versiegelt. Somit kann das Regenwasser gut versickern und wird dem Boden entsprechend wieder zugeführt. Mit Blick auf den Hochwasserschutz rät EPFL-Forscher Aguacil zusätzlich, dem natürlichen Wasserlauf so viel Raum wie möglich zu gewähren und generell nicht in Risikogebieten zu bauen. 

Zur Gestaltung des Daches erwägt Implenia, zusätzlich zu den Solarzellen für den Rest des Projekts, ein Gründach zu integrieren, das als Wasserrückhaltepuffer dienen soll. Um das Klima in den Innenräumen zu verbessern und städtische Hitzeinseln zu bekämpfen, werden die Gebäude vom «Green Village» durch Wärmepumpen gekühlt, die ans Grundwasser angeschlossen sind. 

Zudem läuft aktuell eine Simulationsstudie zum thermischen Verhalten der Gebäude auf dem Gelände. (awp/sda/pb)

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