Kantonsweite Abklärung: Was schlummert in Luzerner Seen?
Mehr als 30 prähistorische Siedlungen sind in den Luzerner Seen bekannt. Wie es um sie steht, untersucht die Kantonsarchäologie bis 2028. Erste Taucharbeiten im Sempachersee zeigen: In seichteren Zonen sind die Siedlungsreste stark beeinträchtigt.
Quelle: Marcel Jost
Beim Gammainseli zeigten sich deutliche Unterschiede: In tieferen Bereichen sind zahlreiche prähistorische Pfähle noch gut erhalten. In seichteren Zonen ist das Pfahlfeld dagegen stark beeinträchtigt.
Die kantonsweite Zustandsabklärung soll wichtige Wissenslücken schliessen und damit Grundlagen für den Schutz des archäologischen Erbes sowie mehr Planungssicherheit bei Bauprojekten im Uferbereich schaffen, heisst es in einer Mitteilung der Luzerner Staatskanzlei von Mittwoch.
Den Auftakt bildete ein Pilotprojekt im Sempachersee, wo sich mehrere prähistorische Fundstellen befinden. Im Oktober 2025 untersuchte die Unterwasserarchäologie der Stadt Zürich im Auftrag der Luzerner Kantonsarchäologie während 20 Tagen das nördliche Ende des Sees. Im Zentrum stand gemäss Mitteilung das Gammainseli, das Teil des Unesco-Welterbes «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen» ist.
Weitere Untersuchungen fanden rund um die Halbinsel Triechter statt. Die Fachleute dokumentierten die Ausdehnung und den Erhaltungszustand der Strukturen unter Wasser und bargen oberflächlich liegende Funde und Pfahlproben für wissenschaftliche Untersuchungen. Gleichzeitig wurden die eingesetzten Methoden im Hinblick auf die weiteren Untersuchungen im Kanton geprüft.
Quelle: Unterwasserarchäologie der Stadt Zürich
Taucher der Unterwasserarchäologie untersucht Seeboden.
Unterschiedlicher Zustand unter Wasser
Die Taucharbeiten beim Gammainseli zeigten gemäss Mitteilung deutliche Unterschiede: In tieferen Bereichen seien zahlreiche prähistorische Pfähle noch gut erhalten. In seichteren Zonen sei das Pfahlfeld dagegen stark beeinträchtigt, viele Pfähle seien abgebrochen, herausgerissen, verkippt oder bereits vollständig verschwunden. Stellenweise lägen Kulturschichten und archäologische Funde offen am Seegrund. Mit dem Verschwinden von Pfählen und Kulturschichten gehe ein bedeutendes archäologisches Archiv für immer verloren.
Die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt fliessen in die weiteren Arbeiten ein. Bis 2028 untersucht die Kantonsarchäologie schrittweise weitere der mehr als 30 bekannten Siedlungen. Dabei werden die Fundstellen lokalisiert, ihr Erhaltungszustand dokumentiert und mögliche Gefährdungen beurteilt. Die aktuellen Taucharbeiten im Sempachersee finden gemäss Mitteilung im Oktober bis Anfang November statt.
Mehr Planungssicherheit im Uferbereich
Das Wissen aus dem Projekt schafft laut Staatskanzlei auch eine verlässlichere Grundlage für die Planung und Beurteilung bewilligungspflichtiger Bauvorhaben im ufernahen Bereich, beispielsweise bei Seewasserleitungen oder Revitalisierungsprojekten. Seien Lage, Ausdehnung und Zustand der Fundstellen bekannt, könnten sie frühzeitig in die Planung einbezogen werden. Dadurch werde die Planungssicherheit erhöht. Zudem lasse sich besser beurteilen, welche Fundstellen gefährdet seien und wo Schutzmassnahmen nötig seien. (mgt/pb)
Quelle: Unterwasserarchäologie der Stadt Zürich
Sempach Gruebmatt, bronzezeitliches Beil in Fundlage 2004.
Quelle: Unterwasserarchäologie der Stadt Zürich
Taucher mit einem bronzezeitlichem Bauelement an der Fundstelle Sempach Gruebmatt, 2004.