16:10 BAUBRANCHE

Immobilien: Büroflächen werden mit Homeoffice nicht überflüssig

Teaser-Quelle: Tina Witherspoon, Unsplash

Auch wenn das Homeoffice seit Ausbruch der Corona-Pandemie boomt, braucht es auch weiterhin Büroflächen. Ursache ist das Bedürfnis nach Flexibilität und sozialer Interaktion. Zumindest gilt dies für moderne Büros in Stadtzentren. In der Peripherie sieht es anders aus.

Homeoffice

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Trotz coronabedingtem Homeoffice braucht es Büroflächen, zumindest in den Zentren.

Der Prime Tower mit seinen 126 Metern in Zürich-West beherbergt auf einer Fläche von 40'000 Quadratmetern zahlreiche Unternehmen aus den Bereichen Finanzen, IT und Personalwesen. Mehrere Mieter haben hier allerdings beschlossen, ihre Bürofläche aufgrund der Pandemie zu reduzieren. So hat der Vermögensverwalter GAM seine Fläche von zwei Etagen auf noch eine reduziert, um sich an „neue flexible Arbeitsmethoden“ anzupassen, wie eine Unternehmenssprecherin gegenüber der Wirtschaftsnachrichtenagentur AWP erklärte. Das Unternehmen wolle die Flexibilität fördern, nachdem es seit Monaten meist positives Feedback von seinen Home-Office-Mitarbeitern erhalten hat.

Den gleichen Schritt hat auch die benachbarte Deutsche Bank (Schweiz) getan, dies als Reaktion auf die „neuen Formen des flexiblen und kollaborativen Arbeitens“, wie eine Sprecherin sagte. Mit weniger Bürofläche könne das Finanzinstitut die Nutzung der Räumlichkeiten und auch die Emissionen optimieren.

Solche Entwicklungen scheinen die Eigentümerin des Prime Tower, die Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site, nicht zu stören. Die Abgänge bei der vermieteten Fläche würden als „normal“ betrachtet, heisst es von Seiten der Gesellschaft. Tatsächlich konnte das Unternehmen laut eigenen Angaben die Leerstandsquote in der ersten Jahreshälfte um 0,7 Prozentpunkte auf 4,7 Prozent senken.

Homeoffice gewinnt an Bedeutung

Eindeutig gewinnt die Arbeit vom heimischen Bildschirm aus auch in der Schweiz an Bedeutung, nachdem sich die Schweizer Unternehmen lange Zeit relativ resistent gegenüber dieser Form der Arbeit gezeigt hatten. In einer vor Kurzem durchgeführten Umfrage des Personalvermittlers Adecco sprachen sich 49 Prozent der Schweizer Arbeitnehmenden fürs Homeoffice aus. Jedoch erklärten 58 Prozent gleichzeitig, ihre Kollegen wieder sehen zu wollen. „Die Schweizer Arbeitnehmer schätzen die zusätzliche Flexibilität des hybriden Arbeitens“, kommentierte Adecco.

„Wir sehen immer noch ein hohes Mass an Aktivität auf dem Büroimmobilienmarkt“, bekräftigt auch David Schoch, Direktor für Forschung und Beratung bei der Immobiliengesellschaft CBRE. Die Unternehmen seien auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Allerdings gebe es nicht viele neue Mietverträge. Die Unternehmen wollten ihren künftigen Bürobedarf abschätzen, bevor sie einen Mietvertrag unterschrieben, so Schoch.

Überangebot von Büroflächen in der Peripherie

Im Zuge der Covid-Krise ist auch die Kluft zwischen den Stadtzentren und der Peripherie grösser geworden: So schätzt CBRE die Verfügbarkeitsquote für Büroflächen in der Stadt Zürich auf 2,9 Prozent, in der Flughafenregion liegt diese Rate dagegen bei 15,3 Prozent und im Limmattal bei 11,5 Prozent. Ähnlich weit auseinander klaffen die Werte für die Region Genf. Wie Schoch erklärte, sind die zentralen Gebiete sind besser durch die Krise gekommen, während die peripheren Regionen an Attraktivität verloren haben.

Die wichtigsten Akteure der Branche bleiben allerdings gelassen. So sieht der Versicherer Swiss Life, der über ein grosses Immobilienportfolio verfügt, weiterhin niedrige Leerstandsraten in den letzten Monaten. „Gerade in der Innenstadt sehen wir nach wie vor eine gute Nachfrage nach attraktiven Flächen“, so ein Sprecher des Lebensversicherers. Derweil räumt man beim Immobilienunternehmen PSP ein, dass die Nachfrage in Randgebieten unter einem Überangebot leidet. „Die Nachfrage nach modernen Qualitätsimmobilien in der Innenstadt wird bleiben“, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Aufgrund der wirtschaftlichen Erholung und der Ansiedlung ausländischer Unternehmen dürfte sich dieser positive Trend in der Schweiz fortsetzen.

„Den Unternehmen ist es bewusst, dass sie ihren Mitarbeitern die Flexibilität des Home Office, aber auch ein attraktives und gut gelegenes Büro bieten müssen“, sagt der Swiss Life-Vertreter. Die Mieter bräuchten vielleicht weniger Arbeitsplätze, aber sie bräuchten „mehr Platz für Interaktion und Zusammenarbeit“.  André Lehmann, AWP / sda

              

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