11:01 BAUBRANCHE

Hochbau: Der Boom flacht ab

Teaserbild-Quelle: Quelle: Bak Economics

Der Boom der letzten Jahre im Schweizer Hochbau geht seinem Ende entgegen. Gemäss der Hochbauprognose 2017-2023 von Bak Basel Economics werden gewisse Faktoren wie etwa die starke Zuwanderung, die sehr günstigen Finanzierungsbedingungen oder der Anlagenotstand künftig schwächer ausfallen. Deshalb wird nur noch ein verhaltenes Wachstum erwartet.

Entwicklung der Hochbauaufwendungen 2017 bis 2023 nach Regionen, real, Preisbasis 2016, Veränderung p.a. in Prozent. (Quelle: Bak Economics)

Quelle: Quelle: Bak Economics

Entwicklung der Hochbauaufwendungen 2017 bis 2023 nach Regionen, real, Preisbasis 2016, Veränderung p.a. in Prozent.

Im Zeitraum von 2009 bis 2015 erlebte die Schweiz eine starke Zuwanderung. Ausserdem herrschte Anlagenotstand, und die Finanzierungsbedingungen waren äusserst günstig. In bestimmten Hochbausegmenten wie etwa dem Spitalbau gab es des Weiteren einen hohen Nachholbedarf. Sonderfaktoren wie diese haben laut einer Mitteilung der Bak Basel Economics AG zu einem „veritablen Bauboom“ geführt. Doch jetzt scheint der Zenit überschritten zu sein, wie der Hochbauprognose 2017-2023 des Wirtschaftsforschungsinstituts zu entnehmen ist. Für 2017 und 2018 wird nur noch ein verhaltenes Wachstum der realen Hochbauinvestitionen erwartet. Mittelfristig sei zwar bis 2023 nicht mit einem Rückgang der Bautätigkeit zu rechnen; doch das Wachstumstempo dürfte mit durchschnittlich 0,6 Prozent pro Jahr „spürbar geringer“ ausfallen als in den letzten Jahren.

2017: 50‘000 neue Wohnungen

Konkret rechnet Bak Basel Economics im laufenden Jahr mit einem Wachstum der Hochbauausgaben um 0,7 Prozent. Vor allem im Infrastrukturbau (Sozialbauten, Bildungsbauten und sonstiger Infrastrukturbau) deute die jüngste Entwicklung der Baubewilligungen nach dem sehr hohen Wachstum der Vorjahre kurzfristig auf einen Rückgang der Bauinvestitionen hin. Anders sieht es im Betriebs- und Wohnbau aus: Hier wird mit einem soliden Anstieg respektive einer leicht steigenden Bautätigkeit gerechnet. Die Zahl der neu erstellten Wohnungen dürfte laut Mitteilung auch dieses Jahr die Schwelle von 50‘000 übersteigen.

2018: Infrastrukturbau im Sinkflug

Nächstes Jahr fällt das Wachstum mit plus 0,4 Prozent noch etwas geringer aus. Bak Basel Economics schreibt: „Für den Betriebs- und den Infrastrukturbau deutet der jüngste Abwärtstrend beim Volumen der eingereichten Baugesuche sogar auf sinkende Bauinvestitionen hin.“ Im Wohnbau soll es hingegen nochmals eine leichte Beschleunigung geben, denn der Wohnungsmarkt sei angesichts des Mangels an alternativen Anlagemöglichkeiten nach wie vor attraktiv für Investoren. „Das sollte den Wohnbau im kommenden Jahr stützen.“ Im Wohnumbausegment ist das Volumen der Baugesuche zuletzt gestiegen, was sich 2018 in einer „nochmals steigenden Wohnbautätigkeit“ widerspiegeln dürfte.

2019 bis 2023: Das Wachstum schwächelt

Mittelfristig, also von 2019 bis 2023, prognostiziert das Institut zwar eine weitere Expansion der Hochbauaufwendung, doch die Dynamik werde deutlich schwächer ausfallen als während der Boomjahre. Hierfür gebe es mehrere Gründe: Erstens dürfte die Nettozuwanderung nicht mehr ganz so hoch ausfallen, was die Nachfrage nach neuem Wohnraum sinken liesse. „Der Anstieg der Leerstandsquote in den letzten Jahren weist bereits darauf hin.“ Zweitens geht Bak Basel Economics von „allmählich steigenden“ Zinsen aus, was wiederum einen dämpfenden Effekt auf die Bautätigkeit haben werde. Ausserdem werde sich der jetzige Anlagenotstand nach und nach auflösen. Drittens habe sich durch den Bauboom in einigen Bausegmenten beziehungsweise Bauregionen „die Gefahr von Überkapazitäten“ und somit steigenden Leerständen erhöht.

Insgesamt rechnet man für den Zeitraum von 2019 bis 2023 mit einem Wachstum der Hochbauaufwendungen von durchschnittlich 0,6 Prozent pro Jahr, wobei die Aussichten für Umbauten und Renovationen (plus 1,1 Prozent) besser sind als im Neubaubereich (plus 0,3 Prozent). Ein Grund hierfür sei das hohe Durchschnittsalter des Gebäudebestands und der damit verbundene Sanierungsbedarf.

Zentralschweiz stagniert

Eine einheitliche Entwicklung in den Grossregionen ist für dieses Jahr nicht zu erwarten. „Die kurzfristigen Indikatoren zeigen, dass im Bassin Lémanique, in Zürich/Aargau und im Espace Mittelland mit steigenden Hochbauvolumina zu rechnen ist, während in der Süd- und in der Zentralschweiz eine Stagnation wahrscheinlich erscheint“, heisst es. Für die Ostschweiz und die Region Basel prognostiziert Bak gar sinkende Bauinvestitionen.

Nächstes Jahr soll es in der Region Basel, in der Südschweiz und im Bassin Lémanique „schwungvolle Wachstumsraten“ geben, während die Hochbautätigkeit im Espace Mittelland und in der Ostschweiz stagnieren. Ein Rückgang der Bauinvestitionen wird für die Regionen Zürich/Aargau sowie Zentralschweiz erwartet.

Mittelfristig können sich von der im ganzen Land verhaltenen Entwicklung nur die Regionen Bassin Lémanique und Basel abheben: Im Bassin Lémanique sei dies der überdurchschnittlichen Bevölkerungs- und Wirtschaftsdynamik zu verdanken, in Basel dem hohen Wachstumstempo der dortigen Wirtschaft und neuen geplanten Grossprojekten wie zum Beispiel der zweite Roche-Turm. (mt/pd)

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