08:06 BAUBRANCHE

Hilfsprojekt in Griechenland: Qualifizieren für den Arbeitsmarkt

Geschrieben von: Claudia Porchet (cet)
Teaserbild-Quelle: selfm-aid.ch

Der Maurerpolier Simon Bader und seine Frau, die Sozialarbeiterin Julia Minder, haben auf der griechischen Insel Samos die «Skills Factory» gegründet: ein Ort, wo Flüchtlinge arbeiten und ihr eigenes Know-how einbringen können.

Armierungsnetz Skills Factory

Quelle: selfm-aid.ch

Ein Armierungsnetz wird auf die benötigte Grösse zugeschnitten, um dann den Beton einzubringen.

Im geschlossenen Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Samos ist das Leben so elend wie eintönig. Die Menschen haben den ganzen Tag nichts zu tun und warten auf den nächsten Termin in ihrem Asylverfahren. Dieser kann in drei Stunden oder zwei Wochen sein. Der Maurerpolier Simon Bader und seine Frau Julia Minder, die Sozialarbeiterin ist, wollen der Monotonie und den Gefühlen der Leere und Hoffnungslosigkeit etwas entgegensetzen: einen Ort, an dem Flüchtlinge arbeiten, ihr Know-how einbringen und so Selbstvertrauen gewinnen können.

Wie in einem Bienenhaus

2021 gründete das Ehepaar den Verein «selfm-aid.ch» und mietete auf der griechischen Insel ein über hundertjähriges Steinhaus mit einem grossen Garten. Das Gelände wurde zur «Skills Factory» umfunktioniert, diese wiederum in zwölf Departemente unterteilt. Da gibt es das Bau- und Holzdepartement, eine Schneiderei, eine Werkstatt, in der elektronische Geräte repariert werden, je ein Atelier für Malerei, Film und Fotografie sowie eine Küche und eine Gärtnerei.

Dass die Flüchtlinge jeden Tag kommen und acht Stunden arbeiten, ist selten der Fall. «Sie haben viele Termine im Zusammenhang mit ihrem Asylverfahren, und dieses hat natürlich Vorrang», erklärt Simon Bader. Trotzdem gehe es in der «Skills Factory» zu und her wie in einem Bienenhaus. «Jeder macht etwas, auch wenn er nach zwei Stunden wieder gehen muss.» Auch wenn es Flüchtlinge gibt, die lange bleiben, ist die Fluktuation gross, denn viele verlassen die Insel wieder etwa wegen eines positiven Asylbescheids. Dennoch arbeiten zur Zeit rund dreissig Flüchtlinge in der «Skills Factory», die hobeln, sägen, malen, drucken, nähen und kochen.

Schnell spricht es sich im Flüchtlingslager herum, dass man sein Wissen und seine Erfahrung als Handwerker in der «Skills Factory» einbringen kann. Die Nachfrage sei gross. «Zurzeit haben wir rund 15 offene Bewerbungen, und es kommen auch jede Woche wieder neue Interessierte vorbei.»

Grossprojekte der Community

Obwohl in der «Skills Factory» ein stetiges Kommen und Gehen herrscht, sind der Community ein paar grosse Projekte gelungen. So haben Flüchtlinge beispielsweise die ganze Küche des alten Steinhauses neu gebaut. Zuerst betonierten sie den Boden, verlegten Fliesen und bauten eine Trockenbauwand. Die ganze Elektrik machten sie neu. Auch der Garten gab viel zu tun. «Das Haus ist 30 Jahre leer gestanden, der Garten war wie ein Dschungel», erinnert sich Simon Bader. Heute gibt es kleine Wege und schön angelegte Beete. Zurzeit bauen Flüchtlinge ein WC-Häuschen zu einer Dusche um. «Da werden Fliesen gelegt, Silikonfugen gemacht und die Dusche angeschlossen», führt Simon Bader aus.

Aktuell werden Dreibeine hergestellt, auf denen man White Boards befestigen kann (White Boards sind Wandtafeln mit einer glatten Oberfläche, auf der man mit speziellen Filzstiften schreiben kann und die sich sehr leicht mit einem trockenen Schwamm abwischen lassen). Für die Küche wird ein Küchenkasten gebaut. «Und für einen Auftrag von ausserhalb stellen wir im Nähatelier Taschen her, die dann in der Druckerei weiterbearbeitet werden.»

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