Heisse Temperaturen leeren die Klimageräte-Regale
Nach über 30 Grad heissen Tagen im Mai, rollt die nächste Hitzewelle an: Die kommenden Tage klettert das Thermometer laut Meteoschweiz abermals über 30 Grad, für Genf liegen die Prognosen am Wochenende bei 36 Grad. - Das bekommen auch die Schweizer Klimageräte-Händlern zu spüren, sie erleben einen regelrechten Ansturm.
Die Lagerbestände von Ventilatoren und Klimaanlagen geraten unter Druck, ein Muster, das sich Jahr für Jahr wiederholt und mit dem Klimawandel weiter an Schärfe gewinnt.
Dabei sprechen die Zahlen für sich: Bei Digitec Galaxus stiegen die Klimagerät-Verkäufe 2023 um 31 Prozent, verlangsamten sich 2024 auf plus 15 Prozent dank eines gemässigteren Sommers, um 2025 mit plus 65 Prozent erneut zu explodieren. Diese Tendenz hält an: "Von Januar bis Ende Mai haben unsere Kunden rund 60 Prozent mehr Klimageräte gekauft als im gleichen Zeitraum 2025", erklärt Tobias Heller, Kommunikationsverantwortlicher bei Digitec Galaxus. Die Gruppe listet in dieser Kategorie 4507 Produkte. Dasselbe Bild zeigt sich bei Fust, dem Coop-eigenen Haushaltsgerätespezialisten: "Wir stellen jedes Jahr ein deutlich wachsendes Interesse an Klimatisierungslösungen fest", sagt Sprecherin Samira Senn.
An der Kasse zeigen die Schweizerinnen und Schweizer wenig Zurückhaltung: Bei Fust kosten die beiden meistverkauften Modelle je rund 300 Franken. Die Preisspanne reicht von 29,95 bis 699,95 Franken. Doch wer kaufen will, muss schnell sein. Denn die Nachfrage bricht stets zur selben Zeit herein - gleichzeitig mit der Hitzewelle. "Konsumenten verschieben ihren Kaufentscheid oft so lange, bis die Temperaturen deutlich steigen - was in sehr kurzer Zeit zu einer starken Nachfrage führen kann", erklärt Senn. Diese "Nachfragewelle" ist allerdings in der Regel nur von sehr kurzer Dauer. "Diese Ballung erzeugt zwangsläufig Druck auf die Versorgungskette."
Sich die Hitze erleichtern ist eine Frage des Geldes
Der Kauf eines Klimageräts ist für viele Haushalte nicht nur praktisch, sondern die einzige Option. Laut dem Schweizerischen Verein für Kältetechnik verfügen gerade Mal rund 10 Prozent der Schweizer Wohnungen über eine Klimaanlage. Aber auch die günstigere Option - ein mobiles Gerät - ist nicht für jeden erschwinglich. Wie Marlyne Sahakian, Soziologieforscherin und Mitautorin einer Studie zum sommerlichen Wohnkomfort in Genf, erklärt, "beeinträchtigt die Hitze das körperliche und geistige Wohlbefinden sowie das soziale, persönliche und berufliche Leben". Die verfügbaren Mittel bestimmen den Umgang damit: "Wer es sich leisten kann, kauft Geräte oder verlässt die Stadt für die Ferien" - während andere einen "Hitzestress" erleiden, dem sie nichts entgegensetzen können.
Die Schweiz hat bei Klimaanlagen Nachholbedarf
Hinter dem Kaufboom steckt auch ein strukturelles Defizit: In der Schweiz war Klimatisierung lange kein Thema - die Sommer waren kühl genug. Mit den zunehmenden Hitzewellen holt die Schweiz nun nach, was in südlicheren Ländern schon lange Standard ist. Laut Meteoschweiz werden Hitzewellen künftig häufiger und intensiver - die Nachfrage nach Klimageräten dürfte also kein vorübergehendes Phänomen sein.
eWeltweit soll der Markt
für Haushaltskühlgeräte von 13,67 Milliarden Dollar im Jahr 2023 auf
20,18 Milliarden bis 2031 wachsen, gemäss The Insight Partners. (Ibtissam Benchikh, AWP / mai)