08:09 BAUBRANCHE

Europäische Tage des Denkmals 2022: Freizeit-Denkmale

Geschrieben von: Manuel Pestalozzi (mp)
Teaserbild-Quelle: Manuel Pestalozzi

Freizeit-Bauten leisten einen wertvollen Beitrag an die Baukultur – auch in der Schweiz. Ihnen war die 29. Ausgabe der Europäischen Tage des Denkmals gewidmet. Dass sich die Themenwahl lohnte, zeigte sich in St. Gallen und in Arbon am Bodenseeufer.

Fussballstadion Espenmoos St. Gallen

Quelle: Manuel Pestalozzi

Die Tribüne am Spielfeldrand macht aus dem Espenmoos eine «Kathedrale des Fussballs».

Ohne Freizeit will der Mensch nicht leben. Er kann sie zum Ausruhen verwenden und dem Nichtstun frönen. Oder er kann sich nach freiem Willen nutzlosen Dingen hingeben, einfach weil sie Freude bereiten. Manche teilen ihre Freizeit gerne mit anderen. Gemeinsam «poolen» sie die Mussestunden. Die einen schaffen etwas miteinander, andere beteiligen oder ergötzen sich als Publikum an einem Spiel. Und schliesslich ist auch gemeinsames Nichtstun eine populäre Freizeitvariante.

So verschieden die Weisen sind, die Freizeit zu geniessen, so vielseitig sind auch die baulichen Spuren, welche sie in der Landschaft hinterlassen. Die Nationale Informationsstelle zum Kulturerbe (NIKE), die Dachorganisation, welche die von zahlreichen Institutionen organisierten Anlässe der Europäischen Tage des Denkmals zentral vermarktet, lockte das Publikum in diesem Jahr mit Kunsteisbahnen, Lustparks, antiken Amphitheatern, verschiedenen Arten von Bädern oder Sportstadien. Alle haben eine Geschichte und kämpfen um den Fortbestand in unversehrtem Zustand.

Die Themenwahl fand offenbar Anklang. NIKE registrierte am Wochenende des 10. und 11. September mehr als 45‘000 Personen, die an den verschiedenen Anlässen teilnahmen. Einen besonderer Erfolg waren die Europäischen Tage des Denkmals dieses Jahr in der Romandie, wo mehr als die Hälfte der gezählten Besucherinnen und Besucher aufmarschierten.

Einen Löwenanteil trug die Stadt Genf bei, in der es nicht bei Führungen blieb, sondern Freizeitaktivitäten angeboten wurden, beispielsweise Dayclubbing (Nachtclubbesuche bei Tag), Kajakfahrten auf der Rhone oder Fussball spielen, wo es Normalsterbliche normalerweise nicht dürfen. Ob das Bewusstsein für die Anliegen des Denkmalschutzes dabei geweckt wurde, sei dahingestellt, jedenfalls erhielt der Anlass eine erfreulich grosse Aufmerksamkeit.

Die Bedeutung des Fussballs in St. Gallen

Den Berichterstatter zog es statt nach Genf an das andere Ende der Schweiz – nach St. Gallen und Arbon. In St. Gallen lockte die Veranstaltung «Kathedralen des Fussballs». Sie fand auf der Tribüne des Stadions Espenmoos statt. «St. Gallen ist nicht nur eine Kulturstadt, sie ist auch eine Fussballstadt», hiess das Motto, das einigen leicht in den falschen Hals geraten könnte.

Niklaus Ledergerber, scheidender Leiter der städtischen Denkmalpflege, liess die Geschichte des Fussballs in St. Gallen Revue passieren. Sie begann im späten 19. Jahrhundert und war ein Import aus Rorschach, genauer aus dem dortigen Institut Wiget. Dieses beschäftigte Sprach- und Turnlehrer aus England, deren Begeisterung für das Spiel sich auf ihre Schüler übertrug. Der Ball wurde über verschiedene Wiesen gekickt: im unteren Brühl, östlich der Altstadt, oder auf der Kreuzbleiche an der westlichen Peripherie, die man sich mit dem exerzierenden Militär teilen musste. Sie gilt als Gründungsort des FC St. Gallen.

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