17:11 BAUBRANCHE

Erneuerung LMV auf dem Bau: Gewerkschaften protestieren in der Westschweiz

Teaserbild-Quelle: Paul-Georg Meister, Pixelio.de

Die Bauarbeiter der Westschweiz haben Montag und heute Dienstag protestiert und gestreikt. Anlass ist die Erneuerung des Landesmantelvertrags (LMV), der Ende Jahr ausläuft. In Genf sind gemäss einer Zählung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA und den Gewerkschaften rund 6000 bis 7000 Bauarbeiter auf die Strasse gegangen.

Artikel vom 7.11., 16.17 Uhr / Aktualisiert am  8.11., 17.37 Uhr

Trotz sechs Verhandlungsrunden konnten sich die Sozialpartner bislang noch nicht einigen, scheitern sie, kommt es zum vertragslosen Zustand.  Die Demonstrierenden stören sich daran, dass die Arbeitgeber die Arbeitszeiten flexibilisieren wollen. Dies würde zu langen Arbeitstagen im Sommer und einem hohen Grad an Untätigkeit in den Wintermonaten führen. „Das wäre eine Rückkehr in die Zeit der Saisonarbeiter, ein Schritt 50 Jahre zurück“, kritisiert Unia-Gewerkschaftssekretär José Sebastiao am Montag in Genf, wo nach Angaben der Gewerkschaften rund 2000 Bauarbeiter auf die Strasse gegangen sind und während beinahe einer Stunde die Mont-Blanc-Brücke blockiert hatten. - Zudem wird auch eine Lohnerhöhung gefordert.

6000 bis 7000 Bauarbeiter protestierten in Lausanne

In Lausanne versammelten sich am Dienstagmorgen die aus sechs Kantonen angereisten Bauarbeiter in einem grossen Zelt im Hafen von Ouchy. Nach mehreren Ansprachen unter anderem vom SGB-Präsidenten Pierre-Yves Maillard, traten sie zur Generalversammlung zusammen. Am frühen Nachmittag brachen sie zu einem grossen Umzug durch die Waadtländer Hauptstadt auf. Von Ouchy am Seeufer bis zur Place de la Riponne im Stadtzentrum demonstrierten nach einer Zählung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA und den Gewerkschaften zwischen 6000 und 7000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer während über zwei Stunden.

"Erhöht die Löhne, nicht die Arbeitszeit" oder "Nein zur Flexi-Prekarität" war auf breiten Transparenten zu lesen. Auf der Bessières-Brücke wurde eine Schweigeminute eingelegt, um derjenigen Kollegen zu gedenken, die bei der Ausübung ihres Berufs ihr Leben verloren haben. Kurz zuvor hatten die Arbeiter in einer aufgeheizten Atmosphäre in Zelten mehrmals ihren bevorzugten Slogan "Patron t'es foutu, les maçons sont dans la rue" (Chef, du bist erledigt, die Maurer sind auf der Strasse) skandiert.  "Die Forderungen der Arbeitgeber sind so falsch wie möglich", rief Maillard der Menge zu. Und die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen sei "unerträglich und inakzeptabel".

SBV bezeichnet Streik als illegal

Derweil ist man beim Schweizer Baumeisterverband (SBV) der Ansicht, dass der Streik gegen die Friedenspflicht verstösst, weiler zu einem Zeitpunkt stattfindet, an dem die siebte Verhandlungsrunde zwischen den Sozialpartnern noch aussteht. Die Frage wurde im Übrigen vor die Genfer Kammer für kollektive Arbeitsbeziehungen gebracht. Der Genfer Richter ist jedoch nicht auf das Thema eingetreten. Die Baumeister erwägen nun, eine Klage vor dem nationalen Schiedsgericht einzureichen, das im LMV für das Bauhauptgewerbe vorgesehen ist. (sda/mai)

Am Freitag soll der Protest in Zürich sowie der Ost- und er Zentralschweiz weitergehen. (sda/mai)

Lesen Sie auch Baumeister-Klage gegen Bau-Protesttagezurückgewiesen vom 1. November 2022.  

 


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