11:04 BAUBRANCHE

Wachstum und Wakkerpreis: Das beschäftigt die Bauregion Aargau

Geschrieben von: Ben Kron (bk)
Teaser-Quelle: Wikicommons, PantaRhei

Im Kanton Aargau brummen Hoch- und Tiefbau. Für die weiter wachsende Bevölkerung werden Wohnraum und Infrastruktur geschaffen. Wie man den zunehmenden Verkehr bewältigt, macht die Stadt Baden vor. Dafür erhält sie eine begehrte Auszeichnung.

Wie der Nachbarkanton Zürich weist auch der Aargau ein konstantes Wachstum auf. Dies betrifft die Bevölkerung, den Verkehr und in gewissem Umfang auch die Bauwirtschaft. Entsprechend braucht der Kanton laufend zusätzlichen Wohnraum, vor allem in den Ballungszentren. In ländlichen Lagen sind Wohnungen durchaus noch zu haben und erschwinglich.

Pikant: Ein wichtiger Teil der Zuwanderer stammt gemäss der «Aargauer Zeitung» aus eben jenem Nachbarkanton Zürich. Da diese Personen mehrheitlich zwischen 25 und 40 Jahren alt sind, beeinflussen sie die wirtschaftliche und demographische Lage des Kantons positiv. Insgesamt sind seit 2009 über 16 000 Personen in den Aargau gezogen, was der Bevölkerung der Strohmetropole Wohlen entspricht.

Wohnbauten allerorts

Folglich wird fleissig Wohnraum erstellt: In Bremgarten wurde der Grundstein zur Überbauung Wydeweg gelegt, mit 150 Wohnungen. Küttigen legt ein 70-Millionen-Projekt für 163 Wohnungen auf, womit das Dorf um 5 Prozent wächst. In Lenzburg sind die 80 Mietwohnungen der Überbauung «Welle» (29 Millionen) in Kürze bezugsbereit. Obersiggenthal plant auf dem Oederlin-Areal für 100 Millionen 119 Wohnungen, Hotels und Stadtvillen.

54 Wohnungen für Senioren entstehen im Projekt «60 plus» in Menziken (20 Millionen). Küttigen versucht einen Quantensprung mit der Siedlung «Baumgarten» mit 170 Wohnungen. Gleich 600 neue Wohnungen sind im Zentrum Neumatt in Spreitenbach geplant. Bereits im Bau sind die 438 Wohnungen des «Tivoli-Gartens».

In Baden stehen allein im Bäderquartier sechs Turmdrehkrane: Hier entstehen ein neues Thermalbad, eine Klinik und ein Ärzte- und Wohnhaus. Dazu hat Baden mit «Agnes», dem Neubau des Kantonsspitals, die zurzeit grösste Hochbaustelle des Kantons aufzuweisen. Neue Pläne gibt es für das ABB-Hochhaus, das mit 66 Metern zum grössten Wohnhaus der Stadt werden dürfte. Auf dem Krismer-Areal soll «Buds» entstehen, ein 57 Meter hohes Wohn- und Geschäftshaus, dessen Studienwettbewerb eben abgeschlossen wurde.

Altstadt von Baden

Quelle: Wikicommons, PantaRhei

Blick auf die Altstadt von Baden, die seit kurzem komplett verkehrsfrei ist. Für ihre langfristige und visionäre Verkehrsplanung hat die Stadt an der Aare den begehrtesten Heimatschutzpreis des Landes erhalten.

Baden wächst

Deshalb wächst Baden weiter. Seit der Jahrtausendwende ist die Bevölkerungszahl um 3000 gestiegen, bis 2040 dürften weitere 6000 dazukommen. Baden hätte dann 25 000 Einwohner, mehr als die heute grösseren Städte Aarau und Wettingen. Die Stadt will deshalb ihre letzte grosse Baulandreserve entwickeln: Den Galgenbuck, wo Wohnraum für bis zu 2000 Menschen entstehen soll. Die Erarbeitung eines entsprechenden Gestaltungsplans will man 2021 in Angriff nehmen.

Baden baut aber nicht nur, sondern plant weitsichtig. So hat die «Stadt, die den Verkehrsstau erfunden hat» («Tages-Anzeiger»), schon in den 60ern begonnen, ihre Verkehrsprobleme anzugehen und das Zentrum vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Ende 2019 «zwängte sich der letzte Bus durch Stadtturm und Weite Gasse», so der «Tages-Anzeiger». Seither ist die Altstadt verkehrsfrei.

«Kluge Investitionen»

Deshalb erhält Baden 2020 den Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes, als fünfte Aargauer Gemeinde und als dritte in kurzer Zeit. Die Stadt habe «mit klugen Investitionen in öffentliche Freiräume Lebensqualität zurückgewonnen» und dazu in Entwicklungsareale investiert, «wo nicht in erster Linie zusätzliche gewinnbringende Nutzflächen zu erwarten sind».

Aarau, vor erst sechs Jahren selber Wakkerpreisträger, darf zwar die baldige Realisierung des neuen Kantonsspitals vermelden, ringt daneben aber mit einigen Grossprojekten: So sollte der Bau des neuen Wasserkraftwerks schon 2023 beginnen. Doch die Pläne des Projekts mussten wiederholt angepasst werden, wodurch die Kosten auf im Moment 135 Millionen Franken anwuchsen.

Stadion weiter in der Schwebe

Daneben hat auch Aarau sein Stadionprojekt noch nicht in trockenen Tüchern. Ende 2019 genehmigten zwar die Stimmbürger den letzten nötigen Teilkredit. Doch es drohen weitere Widerstände wie in Zürich beim Hardturm. Gemäss der «Aargauer Zeitung» wäre es eine «Riesenüberraschung», wenn nicht das Bundesgericht über die Baugesuche für Stadion und Hochhäuser entscheiden müsste.

Ein positiver Ausblick: Das nahe beim Bahnhof gelegene Kasernenareal wird nach 2030 von der Armee geräumt. Der Stadt fällt eine Fläche von 4,7 Hektaren zu, gemäss kantonalem Richtplan ein «Entwicklungsschwerpunkt von kantonaler Bedeutung». Nun liegt ein erster Masterplan vor, wie das zentral und bahnhofsnah gelegene Areal transformiert werden soll.

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