Das Auto als Stromspreicher: Bidirektionales Laden ist wenig bekannt
Elektroautos können Solarstrom auch speichern und dann etwa an ein Wohnhaus abgeben: Zwar wächst das Interesse an der Methode des bidirektionalen Ladens, hohe Kosten und technische Hürden verhindern aber eine breitere Anwendung. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Yougov Schweiz.
Dieses Spannungsfeld gehört zu den grossen Herausforderungen der Energiewende: Solar- oder Windkraftanlagen produzieren Strom nicht immer dann, wenn er gebraucht wird. Bidirektionales Laden könnte helfen, diese Situation zu entschärfen: Das Elektroauto verbraucht Strom nicht nur, sondern speichert ihn auch, oder vielmehr die überschüssige von der auf dem Hausdach installierten Solaranlage tagsüber produzierte Energie, und gibt sie bei Bedarf wieder an das Haus ab. Oder speist sie künftig gar wieder an das Stromnetz ein.
In der breiten Bevölkerung ist dieses Konzept noch wenig bekannt. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Umfrage* des Marktforschungsinstituts Yougov Schweiz. Allerdings hat sich die Einstellung dazu positiv entwickelt: Laut den aktuellen Umfrageergebnissen kennen 27 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer den Begriff «bidirektionales Laden», im Vorjahr lag der Wert bei 23 Prozent.
Wer ein Elektroauto besitzt oder eine Solaranlage plant weiss mehr
Deutlich vertrauter mit der Technologie waren Personen, die bereits ein Elektroauto besitzen (65 Prozent), eine Solaranlage haben oder planen eine solche zu installieren (43 Prozent). Männer sowie Personen mit höherer Bildung und höherem Einkommen seien ebenfalls überdurchschnittlich gut informiert. Die Anwendungsmöglichkeit, den Fahrzeug-Akku als Stromspeicher für das eigene Haus zu nutzen (Vehicle-to-Home), kannten 39 Prozent.mDie Rückspeisung von Solarstrom ins öffentliche Netz (Vehicle-to-Grid) war nur 20 Prozent ein Begriff.
Wie Yougov weiter beobachtete, wächst die Zusteimmung zur Technologie die Technologie trotz des geringen Wissensstands: So gefiel 42 Prozent der Befragten die Idee des bidirektionalen Ladens sehr gut, als zukunftsfähig bewerteten die Technologie 46 Prozent. Und beinahe sechs von zehn E-Auto-Fahrern erkennen. laut YouGov im bidirektionalen Laden eine zukunftsweisende Technologie. Für 31 Prozent der Befragten macht die Möglichkeit des bidirektionalen Ladens Elektroautos attraktiver.
Nicht alle Elektroautos unterstützen bidirektionales Laden
Die Bereitschaft zur tatsächlichen Nutzung ist gemäss Umfrage jedoch verhalten geblieben. Lediglich rund ein Drittel der Befragten gab an, die Technologie selbst nutzen zu wollen. Unter Besitzern von E-Autos oder Solaranlagen war es zirka die Hälfte.
Als entscheidende Hürde erwiesen sich die Investitionskosten. Den Preis von rund 8000 Franken für eine entsprechende Ladestation inklusive Installation erachten nur 26 Prozent der Befragten als angemessen. Zudem befinde sich der Markt noch in der Entwicklung. Nicht alle E-Autos unterstützten die Technologie und es existierten unterschiedliche technische Standards. (mgt/sda/mai)
*Zur Umfrage: Für die Umfrage in 2026 wurden zwischen dem 19. und 25. März 2026 1055 Personen aus der Deutsch- und Westschweiz online befragt und im Vorjahr wurden zwischen dem 26. und 31. März 2025 1487 Personen online befragt. Beide Umfragen erfolgten als repräsentativen Stichprobe, quotiert nach Alter, Geschlecht und Sprachregion. Die Stichprobe bildet die Grundgesamtheit der Deutsch- und Westschweizer Wohnbevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren hinsichtlich dieser Quotenmerkmale ab.