09:01 BAUBRANCHE

Ausblick 2022: Experten zu möglichen Entwicklungen wichtiger Segmente

Teaserbild-Quelle: Matthew Hamilton, Unsplash

Trotz vieler Unwägbarkeiten konnte die Wirtschaft im vergangenen Jahr zu einer Erholung ansetzen, von der auch die Baukonjunktur profitieren dürfte. Drei Experten äussern sich zu möglichen Entwicklungen wichtiger Segmente in diesem Jahr. Und sie richten dabei den Blick auch etwas weiter in die Zukunft.


Wohnungsbau lässt Corona-Krise hinter sich

Fredy Hasenmaile, Leiter Immobilienanalyse Credit Suisse AG

Quelle: zvg

Fredy Hasenmaile, Leiter Immobilienanalyse Credit Suisse AG.

Der Wohnungsbau konnte sich 2021 gut vom schwierigen Vorjahr erholen. Nachholeffekte dürften dem Wohnungsbau im abgelaufenen Gesamtjahr ein sattes Wachstumsplus von ungefähr zwölf Prozent verschafft haben. Im Jahr 2022 zeichnet sich eine Normalisierung ab und das Umsatzwachstum dürfte im tieferen einstelligen Bereich zu liegen kommen. Anhaltende Lieferengpässe bei Baumaterialien gefährden dabei die Fortsetzung der Erholung.

Gut gefüllte Auftragsbücher

Als eine der Stützen des Hochbaus hat der Wohnungsbau 2021 wieder Tritt gefasst und sich angeschickt, den im Jahr des Corona-Ausbruchs erlittenen Umsatzrückgang von 16 Prozent wieder aufzuholen. Verantwortlich dafür waren Baustellenschliessungen und durch Corona-Massnahmen hervorgerufene Produktivitätseinbussen. Sonder- und Nachholeffekte sorgten in der Folge für hohe Umsatzzuwächse. Die Umsätze des Gesamtjahres 2021 dürften das Vorkrisenniveau von 2019 nahezu wieder erreicht haben. Hohe Auftragsbestände sprechen dafür, dass sich der Erholungskurs auch im laufenden Jahr fortsetzen wird. Allerdings machen sich zunehmend Lieferengpässe bemerkbar, welche die Erholung gefährden könnten. Teilweise zögern Bauunternehmen Auftragsabschlüsse hinaus, weil die Unsicherheit über die Liefertermine wichtiger Vorprodukte gross ist. Da die Lieferengpässe anhalten dürften, ist auch mit einer Fortsetzung der Baupreisteuerung zu rechnen. Dies bedeutet letztlich, dass die Umsätze stärker wachsen als das effektive Produktionsvolumen und die Gewinne der Unternehmen.

Mittelfristig deutet die Entwicklung der Baubewilligungen auf wenig Impulse im Wohnungsbau hin. Das bewilligte Bau-volumen in Franken hat sich zuletzt zwar etwas stabilisiert, lag in den vergangenen zwölf Monaten aber um 3,3 Prozent unter dem Mittel der vergangenen sechs Jahre. Gewichtigster Treiber dieses Rückgangs ist der Neubau von Mietwohnungen. Dieser weist seit rund drei Jahren eine rückläufige Tendenz auf. Zu Hoffnung Anlass gibt der jüngst gestoppte Rückgang bei den neu eingereichten Baugesuchen. Die letztjährige Trendwende bei den Wohnungsleerständen könnte den Investitionsappetit im Mietwohnungsbereich wieder anregen und mittelfristig das Volumen im Mietwohnungsbau wieder erhöhen.

Weniger Eigenheimneubauten

Zur rückläufigen Neubautätigkeit trägt unverändert der Eigenheimbereich bei. Obwohl das Interesse an Wohneigentum im Zuge der Pandemie schlagartig angestiegen ist, sinkt die Zahl der bewilligten Eigenheime weiter. Wurden im Zeitraum 2004 bis 2013, bevor die Regulierung im Hypothekenmarkt 2014 erneut verschärft wurde, im Durchschnitt noch über 32 000 Eigentumseinheiten pro Jahr bewilligt, sind es heute nur noch gut 17 000. Die Baugesuche lassen zwar jüngst eine Gegenbewegung erkennen, aber ob damit die jahrelange Vernachlässigung der Eigenheimproduktion gestoppt werden kann, lässt sich noch nicht schlüssig beurteilen. Da das Angebot an Neubauobjekten klein bleibt, dürften vermehrt Investitionen in den Bestand fliessen.

Umbau und Sanierungen wichtiger

Immer mehr verschieben sich die Gewichte daher in den Bereich von Umbauten, Renovationen und Erweiterungsbauten. Einen wichtigen Treiber dieser Entwicklung dürfte der Trend zu energetischen Sanierungen sein, der sich trotz des Scheiterns des totalrevidierten CO2-Gesetzes an der Urne längerfristig fortsetzen dürfte. Zum Wiedererstarken des Umbaubereichs trägt zudem die wachsende Bedeutung der Kreislaufwirtschaft bei, da Umbauten bei Einbezug der grauen Energie oft eine bessere Energiebilanz aufweisen als Abbrüche und Neubauten, sowie neuerdings ein wieder erhöhtes Interesse an Ferienwohnungen. Die Pandemie hat dem Ferienwohnungsmarkt neuen Schwung verliehen. Da aufgrund des Zweitwohnungsgesetzes der Bau neuer Zweitwohnungen eng beschränkt ist, profitiert entsprechend der Umbaubereich. Vom Umbautrend sollte nicht nur das Bauhauptgewerbe profitieren, sondern vor allem auch das Ausbaugewerbe sowie Bauzulieferer. 

Grafik Wohnbau

Quelle: Real Estate Economics Credit Suisse AG

Zur rückläufigen Neubautätigkeit trägt unverändert der Eigenheimbereich bei. Da das Angebot an Neubauobjekten klein bleibt, dürften vermehrt Investitionen in den Bestand fliessen.


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