11:06 BAUBRANCHE

Aga Khan Award: Ein erweiterbares Haus mit Schweizer Beteiligung

Geschrieben von: Kevin Weber (kev)
Teaserbild-Quelle: Aga Khan Trust for Culture / Mario Wibowo

Von den Kapverden über Bahrain bis nach Indonesien: Für den diesjährigen Aga Khan Award für Architektur sind 20 Projekte aus 16 verschiedenen Nationen nominiert worden. Auch ein bisschen Schweiz ist mit von der Partie.

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Quelle: Aga Khan Trust for Culture / Mario Wibowo

Das von ETH-Architekten entworfene Haus in Indonesien kann bis auf drei Stockwerke erweitert werden.

Der Aga Khan Award für Architektur (AKAA) gilt als eine der renommiertesten Auszeichnung in der Architekturbranche. Er wurde im Jahre 1977 ins Leben gerufen und zeichnet Architektur- und Sanierungsprojekte aus, die eine besondere Wirkung auf das Gemeinwohl, insbesondere mit Fokus auf Gesellschaften in denen Muslime eine bedeutende Präsenz haben (siehe Box). Der Preis wird im Dreijahreszyklus verliehen.

Im aktuellen Wettbewerb um den mit einer Million US-Dollar dotierten Preis ist auch ein Projekt mit Schweizer Beteiligung dabei. Es handelt sich um ein erweiterbares Haus in Batam auf den indonesischen Riau-Inseln. Dieses soll Teil einer nachhaltigen Antwort auf die Herausforderungen sich schnell entwickelnder Städte sein, wie es auf der Projekt-Website heisst. Der Standort in Batam ist deshalb nicht ohne Grund gewählt. Einst eine Ansammlung verschlafener Fischerdörfer mit ein paar Tausend Einwohnern, entwickelte sich der Ort in weniger als 40 Jahren zu einer kosmopolitischen Stadt mit über einer Million Bewohnern.

Flexibel anpassbar

Das Haus, welches von den Architekten der ETH Zürich, Stephen Cairns, Miya Irawati, Azwan Aziz, Dioguna Putra und Sumiadi Rahman, entworfen worden ist, zeichne sich durch seinen nachhaltigen Wohnungstyp aus, der so konzipiert sei, dass er im Laufe der Zeit flexibel um die oft prekären Ressourcen seiner Bewohner herum angepasst werden kann, schreibt das Aga Khan Development Network auf seiner Website. 

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Quelle: Aga Khan Trust for Culture / Mario Wibowo

Die Wandverkleidung besteht aus Bambus.

Das Haus in Batam hat eine Bambusverbundkleidung sowie einziehbare Bambuswände und ist nach einer Sandwich-Bauweise erbaut worden. So verfügt das Gebäude über ein Dach, das hochgezogen werden kann, sowie einen Boden und ein Fundament, welche bis zu drei zusätzlichen Stockwerke tragen können.

Sonnenkollektoren und Gemüsegarten

Gemäss den Architekten ermöglicht diese Bauweise eine flexible Finanzierung. Der Bauträger oder die staatliche Wohnungsbaugesellschaft könnten dadurch das Dach und die Fundamente zur Verfügung stellen, während die Bewohner je nach Budget die Aufstockung vornehmen können. Ebenso erlaube es wirtschaftliche Funktionen, wie beispielsweise ein Café, einen Laden oder einen Handwerksbetrieb, zusammen mit dem Wohnen unterzubringen. Die Kombination von Wohnung und Arbeitsplatz fördert laut den Architekten die Verdichtung und trägt dazu bei, den Siedlungsfussabdruck auf Ackerland und den Bedarf an Infrastrukturen wie Strassen, Strom- und Trinkwassernetze zu verringern.

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Quelle: Aga Khan Trust for Culture / Mario Wibowo

So sieht es im Innern des Gebäudes aus.

Zudem ist das erweiterbare Haus mit mehreren dezentralen Systeme ausgerüstet, zum Beispiel mit einer Regenwassernutzung, mit Sonnenkollektoren, Abwasser- und Klärgrubensystemen und einer passiven Kühlung. Rund um das Gebäude können produktive Landschaften wie ein vertikaler Gemüsegarten oder eine Bambusplantage integriert werden.

Die für den AKAA 2022 nominierten Projekte sind noch bis zum 30. Juni anlässlich des London Architecture Festivals in der englischen Hauptstadt ausgestellt. Danach wird eine Master-Jury die Objekte bewerten und die endgültigen Preisträger bestimmen.

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Quelle: Aga Khan Trust for Culture / Mario Wibowo

Am Haus kann ein vertikaler Gemüsegarten angebaut werden.

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Quelle: Aga Khan Trust for Culture / Mario Wibowo

Dadurch soll eine produktive Landschaft entstehen.

Von religiösem Führer ins Leben gerufen

Der Aga-Khan-Preis für Architektur zeichnet Projekte für herausragende architektonische Leistungen in den Bereichen zeitgenössisches Design, sozialer Wohnungsbau, Verbesserung und Entwicklung von Gemeinden, Denkmalschutz, Wiederverwendung und Gebietsschutz sowie Landschaftsgestaltung und Verbesserung der Umwelt aus. Besonderes Augenmerk wird dabei auf Bauprojekte gelegt, bei denen lokale Ressourcen und geeignete Technologien auf innovative Art genutzt werden.

Die nominierten Bauprojekte müssen in Ländern, in denen der Islam vertreten ist, einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Weder die Architekten, Ingenieure, Bauherren und Entwickler müssen aber aus muslimischen Regionen stammen, noch müssen ihre Projekte dort stehen. So wurde 2013 beispielsweise der islamische Friedhof in Altach mit dem Preis geehrt.

Für die Teilnahme am Award-Zyklus 2020-2022 mussten die Projekte zwischen dem 1. Januar 2017 und dem 31. Dezember 2021 fertiggestellt und mindestens ein Jahr lang in Betrieb gewesen sein.

Der Aga Khan Preis für Architektur ist Teil des Aga Khan Entwicklungsnetzwerkes (AKDN). Das AKDN ist in 30 Ländern tätig und wurde von Karim Aga Khan IV gegründet, der auch den Award gestiftet hat. Der 85-Jährige ist als 49. Imam der ismailitischen Nizariten der religiöse Führer von 20 Millionen Menschen in 25 Ländern.

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