15:11 VERSCHIEDENES

Eremitage in Bayreuth: Wassermeister mit dreihundertjähriger Tradition

Teaserbild-Quelle: Bayreuth Marketing & Tourismus GmbH, Meike Kratzer

Seit gut 300 Jahren funktionieren die Wasserspiele der Eremitage in Bayreuth nach demselben Prinzip. Das Wasser wird von Quellen über ein ausgeklügeltes System zum Park auf den Hügel geführt. Alles beruht wie damals auf geodätischem Druck und läuft ohne Pumpen.

Bei den Wasserspielen konnte Friedrich der Grosse im Schloss Sanssouci seiner Schwester Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth für einmal buchstäblich nicht das Wasser reichen. Die Gegend um Berlin ist nun einmal bretteben. Alles Geld und alle königlichen Ansprüche konnten gegen diese widrige Geographie nichts ausrichten. 

Mit damaligen technischen Mitteln wurde es nichts Rechtes mit dem Wasserdruck, den es gebraucht hätte, um die gewünschten meterhohen Fontänen aus Skulpturen der Wasserbecken sprühen zu lassen. Wilhelmine (1709 – 58) liess es sich nicht nehmen, ihm regelmässig zu berichten, wie prächtig ihre Wasserspiele funktionierten.

Eremitage Sonnentempel und Orangerie

Quelle: Bayreuth Marketing & Tourismus GmbH, Meike Kratzer

Blick auf den Sonnentempel des neuen Schlosses und die Wasserspiele am Oberen Becken. Die beiden mittleren Tritongruppen haben je 25 Sprünge, dazu kommen acht Fabelwesen mit je einer Düse für die Wasserspiele.

Dabei gab es auch in der Eremitage, die sich die Markgräfin in Bayreuth vor bald dreihundert Jahren aufwendig gestalten liess, keine Quelle. «Das Wasser musste über kilometerlange Leitungen vom Sammelbehälter am sogenannten ‹Kuhberg› hergeführt werden», berichtet Dieter Kaiser, der heute als Wassermeister in der Eremitage waltet, ein Amt, dessen Aufgaben sich mit den Jahrhunderten erstaunlich wenig verändert haben.

Hochwasser zerstören Leitung

Für Wilhelmines ehrgeizige Pläne genügten die zwei Generationen vor ihrer Zeit angelegte Wasserspiele bei weitem nicht. Ihre Anlage sollte sich trotz der kargen Finanzen ihrer Markgrafschaft mit denen des preussischen Hofes messen können. Immerhin wurde sie als preussische Prinzessin geboren. 

Kaiser erzählt: «Sie liess ein zweites Quellgebiet erschliessen. Eine hölzerne Ständerkonstruktion führte das Wasser aus der umgebenden Hügellandschaft über das Tal, das der Rote Main entlang des Hügels, auf dem die Eremitage liegt, gegraben hat.»

Das Ganze war wenig ausgereift, wie Kaiser erklärt: «Mehrfach musste man das Konstrukt nach Hochwasser eilends wieder aufbauen. Um 1960 herum hatten die Bayreuther endgültig genug und führten die Leitung einfach unter den Roten Main durch.» Um 1750 wurde ein zusätzlicher Wasserturm errichtet, denn die Markgräfin erweiterte die Wasserspiele über die Jahre deutlich.

Von Hand gebohrte Röhren

Zu markgräflichen Zeiten bestand die Leitung von der Quelle zu den beiden Wassertürmen noch aus Röhren aus Buchen-, Fichten- und Kiefernholz von den umliegenden Wäldern. Jede war etwa vier Meter lang, mit grossem Kraftaufwand von beiden Seiten von Hand gebohrt. Einige der zweieinhalb Meter langen Bohrer kann Kaiser heute noch zeigen. 

Das Ganze wurde zu einer Leitung mit einer Länge von vier Kilometern ineinander gesteckt. Diese musste ständig irgendwo erneuert werden, weil die Holzröhren sehr reparaturanfällig waren. Ersatz lagerte man in zwei vorsorglich angelegten Röhrenweihern, in denen die vorbereiteten Röhren vor Trocknungsrissen sicher waren.

Ohne Pumpen – bis heute

«Alles musste ohne Pumpen mit geodätischem Druck funktionieren. Und das tut es bis heute. Nur die Röhren hat man Ende des 19. Jahrhunderts gegen solche aus Gusseisen ausgetauscht», erzählt der Wassermeister. Die Röhrenweiher verloren ihre Funktion. 2007 hat man sie als wichtiges technisches Detail der historischen Technik restauriert.

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