14:26 VERSCHIEDENES

So sparen Mieter und Vermieter Energie

Teaserbild-Quelle: Barney Goodman, Unsplash

Inwiefern wären Mieter und Vermieter bereit, ihren Energiekonsum beschränken zu lassen? Ein Team der Eawag und der WSL versuchte dies mit zwei Umfragen zu klären. Dabei zeigte sich unter anderem: Mieter reagieren sensibel auf Temperaturabsenkungen und Vermieter auf Preisänderungen bei Photovoltaik auf den Hausdächern, Wärmepumpen und Gebäudeisolation.

Frau mit Decke auf dem Sofa.

Quelle: Barney Goodman, Unsplash

«Wären Sie bereit, an folgendem Programm Ihres Energieversorgers teilzunehmen: Absenkung der Raumtemperatur um 2 Grad abends zwischen 18 und 22 Uhr? Zudem müssten Sie einmal pro Woche für 3 Stunden auf ihre Waschmaschine, den Geschirrspüler, den Wäschetrockner und das Aufladen von Elektroautos verzichten. Sie würden damit die CO2-Emissionen um 5 Prozent senken und bekämen als finanziellen Ausgleich 100 Franken pro Jahr.» - Dies war eine von verschiedenen Optionen, die Mieter und Mieterinnen in einer Umfrage auswählen konnten.

Weil mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien Angebot und Nachfrage im Stromsystem immer stärker schwanken werden, könnte Flexibilität auf Konsumentenseite den Energieversorgern helfen, Lastspitzen zu glätten und Investitionen in teure Speichertechnologien zu reduzieren. Inwieweit Mieter und Eigentümer bereit sind, ihren Energiekonsum einschränken zu lassen, war daher Gegenstand einer schweizweiten Umfrage unter 1700 Mietern eines Teams der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und der Eawag. 

Ziel sei es, zu eruieren, welche Ausgestaltungen des Energiesystems von den Schweizer Haushalten akzeptiert würden, wird dazu Ivana Logar, Leiterin der Gruppe Umweltökonomie in der Abteilung Umweltsozialwissenschaften der Eawag, in der Medienmitteilung zitiert. -  Die Umfrage ist Teil der Joint Initiative «Swiss Center of Excellence on Net-Zero Emissions» (SCENE) in für die Fachleute des ETH-Bereichs im Hinblick auf das Schweizer Emissionsziel «Netto-Null bis 2050» zusammenarbeiten.

Emissionsreduktion an sich motiviert 

«Generell haben wir festgestellt, dass eine Bereitschaft für Programme mit Flexibilitätsmassnahmen vorhanden ist», bilanziert Fabian Dvorak, Wissenschaftler in der Abteilung Umweltsozialwissenschaften der Eawag. Allerdings zeigte sich dabei auch, dass Temperaturabsenkungen besonders sensibel sind. Die Befragten erwarteten dafür den höchsten finanziellen Ausgleich. Einschränkungen bei elektrischen Geräten werden eher akzeptiert und erfordern geringere Ausgleichszahlungen. Wie die Eawag in ihrer Medienmitteilung schreibt, darf die Kompensation bei Programmen, die eine hohe CO2-Reduktion beinhalten, «durchaus niedriger» ausfallen. «Die Emissionsreduktion an sich motiviert die Leute bereits mitzumachen», so  Dvorak.

Um herauszufinden, welche individuellen Faktoren bei der Zu-stimmung zu den Programmen eine Rolle spielen, ermittelten die Forschenden mithilfe von standardisierten Fragen aus der Verhaltensökonomie auch Risikobereitschaft und Zukunftsorientierung der Befragten. Dabei zeigte sich: Risikobereitere und besonders zukunftsgerichtete Personen sind eher bereit, bei den Programmen mitzumachen, und benötigen geringere finanzielle Anreize.


Hohe Investitionsbereitschaft von Eigentümerinnen und Eigentümern

Die zweite Umfrage richtete sich an Eigentümerinnen und Eigentümer von älteren Häusern. Ziel war es,  zu verstehen, welche Investitionen realistisch sind, wenn konkrete Massnahmenpakete zu bestimmten Preisen angeboten werden. Diese Pakete kombinierten Massnahmen wie die Installation von Photovoltaik, Wärmepumpen, Holz- und Pelletheizungen oder Batteriespeichern, den Anschluss an Fernwärme oder die Isolation der Gebäude. Die Befragten mussten sich zwischen verschiedenen Kombinationen entscheiden, die mit unterschiedlichen CO2-Einsparungen einhergehen. 

«Ein solches Auswahlverfahren widerspiegelt die Kaufentscheidungen besser, als wenn man fragt, wie viel jemand für ein Energiekonzept, das 40 Prozent CO2 einspart, ausgeben würde», so Logar. Dabei zeigte sich, dass die Nachfrage nach Photovoltaik auf den Hausdächern, Wärmepumpen und Gebäudeisolation zwar in allen Regionen hoch ist, aber stark auf Preisänderungen reagiert. «Diese Technologien werden sich in Zukunft durchsetzen, weil die Leute eine hohe Investitionsbereitschaft haben und die Preise voraussichtlich sinken werden», sagt  Dvorak. Hingegen sind Elektrizitätsspeicher allein kaum attraktiv, sondern nur in Kombination mit anderen Technologien wie Photovoltaik oder Wärmepumpen. Daraus ergibt sich beispielsweise, dass isolierte Subventionen für Batteriespeicher im Heimbereich vergleichsweise weniger sinnvoll wären.

Als nächstes sollen die Umfrageergebnisse in Energiemodellierungen fliessen, welche im Rahmen von SCENE Szenarien für die Transformation des Schweizer Stromsystems bis 2050 simulieren. «Mit unserer Arbeit wollen wir verhindern, dass die Forschenden, aber auch die Energieversorger mit Konfigurationen rechnen, die zwar technisch einwandfrei und sinnvoll sind, aber wenig Rückhalt in der Bevölkerung haben», sagt Dvorak. (mgt)






Hier geht es zum Original-Artikel der Eawag: www.eawag.ch

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