12:15 VERSCHIEDENES

Lackkunst im Rietberg Museum: Wenn ein Museum rot sieht

Teaserbild-Quelle: Museum Rietberg

Drachen, Blüten und detailverliebte Szenen in Zinnober: Mit seiner Sonderausstellung "Rot – Meisterwerke der chinesischen Lackkunst" präsentiert das Zürcher Rietberg Museum Lackpreziosen aus vergangenen Jahrtausenden und erzählt von raffiniertestem Kunsthandwerk.

Schnitzlack-Dose mit Drachen aus der Qing-Dynastie

Quelle: Museum Rietberg

Schnitzlack-Dose mit Drachen aus der Qing-Dynastie, 18. Jahrhundert, Museum Rietberg.

Das Besondere der Lackkunst liegt im Material. Natürlichem Lack herzustellen ist äusserst aufwendig: Er wird aus dem Saft des Lackbaums (Toxicodendron vernicifluum) gewonnen, der während des Sommers abgezapft wird. Der Ertrag ist allerdings gering, pro Baum lassen sich pro Jahr nur  knapp 200 Gramm ernten. Deshalb galt Lack im alten China als ebenso kostbar wie Gold und Silber. Seine charakteristischen Farben – tiefes Schwarz und intensives Zinnoberrot – verdankt er der Tatsache, dass sich Lack nur mit wenigen Pigmenten färben lässt, neben Rot und Schwarz sind nur noch verhaltene Braun-, Grün- und Gelbtöne möglich. Das Material kann allerdings noch mehr, als Gegenständen einen seidigen Glanz verleihen: Es macht Oberflächen nahezu unverwüstlich.

6000jähriges Kunsthandwerk

Die Anfänge der Lackkunst reichen weit zurück, über 6000 Jahre. Seine ersten Blüte erlebte das Kunsthandwerk um das Jahr 500 vor Christus. Das zeigen reich ausgestatte Fürstengräner, in denen Archäologen auf Geschirr, Dosen und Figuren oder etwa ganze Prunkwagen aus dem kostbaren Material stiessen. Während der Song-Dynastie – vom 10. bis 13. Jahrhundert – waren Schlichtheit und Zurückhaltung das künstlerische Ideal: Klare Formen und monochrome Oberflächen. Teller und Schalen entstanden in einem meditativen Prozess, bei dem der Lack Schicht für Schicht aufgetragen, geschliffen und poliert wurde. Das gilt etwa für hauchdünn anmutende Teller und Platten, für die lackgetränktes Textil die Basis lie-ferte. 

Döschen aus Schnitzlack mit Libelle auf einer Blüte

Quelle: Museum Rietberg

Döschen aus Schnitzlack mit Libelle auf einer Blüte, Qing-Dynastie (1644–1911), Museum Rietberg.

Gold und Muschelstücke

Ab dem 15. Jahrhundert gewannen die Lackobjekte an Ausdruckskraft. Dicke Schichten wurden aufgebaut und anschliessend fein geschnitzt. Oft bestand ein Objekt aus über hundert Lagen Lack. So konnte das lackieren mehr als ein Jahr dauern konnte. Beeindruckend sind Arbeiten, in denen man die einzelnen Farbschichten in die Gestaltung mit einbezog und so eine Tiefenwirkung erzugte. Und schliesslich erreichte die gestalterische Vielfalt einen weiteren Höhepunkt. Neben Malerei und Schnitzkunst kamen kostbare Einlagen hinzu: Gold, Mineralfarben und Perlmutt erweiterten das künstlerische Spektrum. Aus zahllosen feinst zugeschnittenen und bearbeiteten Muschelstücken entstanden zarte Kirschblüten, weite Landschaften aber auch detailreiche Szenen.

Chinesische Lackkunst blieb nicht auf ihre Herkunftsregion beschränkt. Entlang der Handelsrouten gelangten die Objekte schon früh nach Zentralasien und Europa. Spätestens ab dem 17. Jahrhundert wurden sie auch im Westen geschätzt und gesammelt.

Die kleine feine Ausstellung im Museum Rietberg bietete einen vielfältige Zugang zur traditionsreichen Kunst. Denn neben den Preziosen präsentiert sie Lack als Material, bringt die handwerkliche Leistung hinter den edlen Stücken nahe und erzählt auch von ihrer kulturellen  Bedeutung – und lädt damit  zum  Staunen ein.  (mai/mgt)

Sonderausstellung Rot – Meisterwerke der chinesischen Lackkunst bis 31. Januar 
Ort: Rietberg Museum, 8002 Zürich
Öffnungszeiten: Montag geschlossen; Dienstag und Mittwoch 10–17 Uhr;  Donnerstag 10–20 Uhr; Freitag bis Sonntag 10–17 Uhr
Weitere Informationen: https://rietberg.ch

Tablett mit Pflaumenzweig im Mondlicht

Quelle: LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster

Tablett mit Pflaumenzweig im Mondlicht, Frühe Ming-Dynastie, 14. Jahrhundert, Lack mit Perlmutteinlagen, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster.

Auch interessant

Anzeige

Firmenprofile

Mägert G&C Bautechnik AG

Finden Sie über die neuen Firmenprofile bequem und unkompliziert Kontakte zu Handwerkern und Herstellern.

Reports

construction-report

Die neuen Baublatt Reports

Neben dem Report Baublatt Project Categories (ehem. Baublatt Analyse), bieten wir ab sofort zwei weitere brandneue Reports als Zusatz. Erfahren Sie hier was Baublatt Top Players und Baublatt Regional Projects zu bieten haben – wie gewohnt digital, prägnant und graphisch auf den Punkt gebracht.

Dossier

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten
© James Sullivan, unsplash

Spannendes aus Print und Online für Abonnenten

Dieses Dossier enthält die Artikel aus den letzten Baublatt-Ausgaben sowie Geschichten, die exklusiv auf baublatt.ch erscheinen. Dabei geht es unter anderem um die Baukonjunktur, neue Bauverfahren, Erkenntnisse aus der Forschung, aktuelle Bauprojekte oder um besonders interessante Baustellen.

Bauaufträge

Alle Bauaufträge

Newsletter abonnieren

newsico

Mit dem Baublatt-Newsletter erhalten Sie regelmässig relevante, unabhängige News zu aktuellen Themen der Baubranche.