Lackkunst im Rietberg Museum: Wenn ein Museum rot sieht
Drachen, Blüten und detailverliebte Szenen in Zinnober: Mit seiner Sonderausstellung "Rot – Meisterwerke der chinesischen Lackkunst" präsentiert das Zürcher Rietberg Museum Lackpreziosen aus vergangenen Jahrtausenden und erzählt von raffiniertestem Kunsthandwerk.
Quelle: Museum Rietberg
Schnitzlack-Dose mit Drachen aus der Qing-Dynastie, 18. Jahrhundert, Museum Rietberg.
Die Besonderheit der Lackkunst liegt im Material selbst: Natürlicher Lack wurde aus dem Saft des Lackbaums gewonnen, in einem aufwändigen Verfahren und in geringen Mengen. Er galt im alten China als ebenso kostbar wie Gold und Silber. Gleichzeitig prägte das Material die Ästhetik: Seine charakteristischen Farben – tiefes Schwarz und intensives Zinnoberrot – verdankt der Lack der Tatsache, dass er sich nur mit wenigen Pigmenten färben lässt. Längst haben diese Farben auch ihre eigene Symbolik: Sie stehen für Glück, Freude und Würde; sie prägen damit auch heutige Werke.
6000jähriges Kunsthandwerk
Die Anfänge der Lackkunst liegen über 6000 Jahre zurück. Frühe Beispiele stammen oft aus Gräbern des 1. Jahrtausends vor Christus. Damals schmückte man Särge, Gefässe und Figuren mit filigranen Mustern. In der Song-Dynastie – etwa vom 10 bis 13. Jahrhundert – war Schlichtheit und Zurückhaltung das künstlerische Ideal: Klare Formen und monochrome Oberflächen prägen die Stücke jener Zeit. Teller und Schalen entstanden in einem meditativen Prozess, bei dem der Lack Schicht für Schicht aufgetragen, geschliffen und poliert wurde.
Quelle: Museum Rietberg
Döschen aus Schnitzlack mit Libelle auf einer Blüte, Qing-Dynastie (1644–1911), Museum Rietberg.
Danach gewann die Kunst an virtuoser Ausdruckskraft: Dicke Lackschichten wurden aufgebaut und anschliessend fein geschnitzt. Häufig bestand ein Objekt aus über hundert Lagen, ihre Herstellung konnte mehr als ein Jahr dauern konnte. Besonders eindrucksvoll sind Arbeiten, in denen mehrere Farbschichten in die Gestaltung einbezogen worden sind und so eine Tiefenwirkung erzeugen.
Gold und Muschelstücke
Ab dem 15. Jahrhundert erreichte die gestalterische Vielfalt einen neuen Höhepunkt. Neben Malerei und Schnitzkunst kamen kostbare Einlagen hinzu: Gold, Mineralfarben und schimmerndes Perlmutt erweiterten das künstlerische Spektrum. Aus tausenden fein gearbeiteten Muschelstücken entstanden zarte Blüten, weite Landschaften aber auch detailverliebten Szenen.
Chinesische Lackkunst blieb nicht auf ihre Herkunftsregion beschränkt. Entlang der Handelsrouten gelangten die Preziosen schon früh nach Zentralasien und Europa. Spätestens ab dem 17. Jahrhundert wurden sie auch im Westen geschätzt und gesammelt.
Die Ausstellung Rot –
Meisterwerke der chinesischen Lackkunst im Museum Rietberg soll einen
vielschichtigen Zugang zur traditionsreichen Kunst bieten, indem
sie Lack als Material präsentiert, als handwerkliche Meisterleistung und
als Träger kultureller Bedeutung – und zum Staunen einlädt. (mai/mgt)
Sonderausstellung Rot – Meisterwerke der chinesischen Lackkunst bis 31. Januar
Ort: Rietberg Museum, 8002 Zürich
Öffnungszeiten:
Montag geschlossen; Dienstag und Mittwoch 10–17 Uhr; Donnerstag
10–20 Uhr; Freitag bis Sonntag 10–17 Uhr
Weitere Informationen: https://rietberg.ch
Quelle: LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
Tablett mit Pflaumenzweig im Mondlicht, Frühe Ming-Dynastie, 14. Jahrhundert, Lack mit Perlmutteinlagen, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster.