Initiative will Schutz für Bienen und Bestäuber in Verfassung verankern
Der Schutz von Bienen und anderen bestäubenden Insekten soll in der Verfassung festgesetzt werden. Dies fordert die Bienen-Initiative. Vom Insektensterben seien alle betroffen, und deshalb brauche es gemeinsame Anstrengungen für den Schutz der Bestäuber, argumentiert das Komitee der Initiative.
Quelle: Wolfgang Hasselmann, Unsplash
Eine Wildbiene bei der Arbeit. Sie leben in den Städten, meist allein, und nisten in Löchern im Holz, in Wänden oder dem Boden.
Der Text der Volksinitiative "Für die Sicherung der Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen durch Insekten (Bienen-Initiative)" wurde am Dienstag im Bundesblatt veröffentlicht. Bis 19. November 2027 müssen nun die für ein Zustandekommen nötigen 100'000 gültigen Unterschriften beisammen sein.
"Dank Bienen und Bestäuber-Insekten vermehren sich viele Pflanzen", sagte Claudia Eyer, Vizepräsidentin von Bienen Schweiz, in Bern vor den Medien. "Davon profitieren Menschen und Tiere, die auf diese Pflanzen angewiesen sind." Und für Vögel, Fische, Frösche und Säugetiere seien Insekten eine unverzichtbare Nahrungsquelle. Allein für die Schweizer Landwirtschaft werde der Wert der Bestäubung auf bis zu 480 Millionen Franken im Jahr geschätzt, schreibt das Komitee. Doch fast die Hälfte aller 600 Schweizer Wildbienenarten sind laut dem Initiativkomitee gefährdet. 59 Arten gelten als ausgestorben. "Die Politik tut zu wenig, um das Sterben aufzuhalten", so Eyer weiter. Die Initiantinnen und Initianten wollen nun Druck aufsetzen. Seit 2012 seien zwei Bienen-Petitionen in Bern eingereicht worden, sagte die Genfer Grünen-Nationalrätin Delphine Klopfenstein Broggini, Co-Präsidentin der Parlamentarischen Gruppe Bienen.
WIe Klopfenstein-Broggini ausführte hat das Parlament von 2013 bis 2024 fünf Motionen für den Bestäuber-Schutz überwiesen. Im derzeitigen Aktionsplan Biodiversität stünden zur Bekämpfung des Insektensterbens für sechs Jahre aber nur drei Millionen Franken zur Verfügung. Das Geld sei vor allem für Konzepte und Empfehlungen gedacht. Konkrete, überprüfbare und verbindliche Massnahmen mit klarem Zeithorizont fehlten. Ständerat Peter Hegglin (Mitte/ZG), ebenfalls Co-Präsident der Parlamentarischen Gruppe Bienen, ist selber Imker. "Wenn die Bienen und andere Bestäuber-Insekten weiter schwinden, ist das Risiko gross, dass auch Ernten und Umsätze schwinden", sagte er. "Quasi jeden dritten Bissen auf unseren Tellern verdanken wir Bestäubern."
Bund soll Vorgaben machen für eine angemessene Förderung der Bestände
Die Initiative verlangt von Bund und Kantonen,
für die Sicherung der Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen durch
Insekten zu sorgen und die dafür nötigen Ressourcen einzusetzen. Der
Bund muss Vorgaben machen für eine angemessene Förderung der Bestände
und die Vielfalt von Bienen und anderen einheimischen bestäubenden
Insekten. Die Kantone, die Gemeinden und die Wirtschaft muss der
Bund bei Leistungen zugunsten der Insekten unterstützen. Konkrete
Vorgaben, wie das zu geschehen hat, enthält der Initiativtext nicht. Auf
Nachfragen nannten die Komitee-Mitglieder mögliche Wege. Diese
reichen von insektenfreundlich bepflanzten Böschungen entlang von
Bahntrassen und Strassen über weniger Pestizide, das Gestalten von
Lebensräumen, Aus- und Weiterbildung bis zur koordinierten Bekämpfung
von invasiven Schädlingen. Zu den Kosten sagte Klopfenstein Broggini, es
brauche deutlich mehr Geld als heute.
Hinter der Initiative
stehen die Imkerverbände in allen Schweizer Sprachregionen, die
Naturfreunde Schweiz und die Stiftung Future 3. Politikerinnen und
Politiker aus mehreren Parteien gehören ebenso zum Komitee wie
Vertreterinnen und Vertreter von Wissenschaft und Zivilgesellschaft. - "Was
die Bienen-Initiative will, ist überfällig", sagte Sebastian Jaquiéry,
Co-Präsident der Naturfreunde Schweiz. Und es sei bekannt, was gegen das
Insektensterben getan werden könne. "Vieles davon ist mit vernünftigem
Aufwand machbar." (sda/mai)