Ferientipp «Chasa Chalavaina» in Müstair: Zimmer mit Blick zurück
Die «Chasa Chalavaina» in Müstair GR hat über Jahrhunderte alle Unbill überstanden. Vermutlich weit vor 1300 entstanden, ist die Baugeschichte des Hotels bis heute lesbar geblieben. Unzählige Kapitel gewähren Einblicke in eine wechselvolle Vergangenheit.
Quelle: C. Meisser Fototeca dal DRG - Archiv dal stadi dal Grischun
Das Dorf dürfte sich im Verlaufe der Jahrhunderte rund um die «Chasa Chalavaina» und das nahe Kloster St. Johann entwickelt haben. Bild: Das Gebäude am Dorfplatz im Jahr 1911.
Hospiz, Handelsplatz, Wachposten. Die «Chasa Chalavaina» zu Müstair GR war oft alles gleichzeitig. Lichtscharten in den Mauern legen nahe, dass erste Gemäuer vor 1300 entstanden sind, wohl zur Zeit der Karolinger. Die Bedeutung des Ensembles, das als ältestes Hotelgebäude der Schweiz gilt, ist eng verbunden mit dem Ort als Kreuzungspunkt von Ofen- und Umbrailpass sowie östlich des Reschenpasses. Herrschaften samt Begleittross konnten im «Chalavaina» vor Passquerungen Kräfte sammeln, Fuhrleute Pferde und Maultiere versorgen. In einem Anbau, heute die Cafeteria, etablierte sich der Tuchmarkt für Bündner Loden.
Unbill überstanden
Die Lage weckte unter den Grossmächten Begehrlichkeiten. Und mitten in den Konflikten das «Chalavaina». Ableitet ist der Name von Calven, einer Schlacht im nahen Grenzgebiet. Einquartierte Grenzwächter stiessen nach dem Rundgang die Hellebarden jeweils in die Holzdecke, um die Waffen rasch griffbereit zu haben. Einstiche im Holz zeugen von ständiger Bedrohung. Bei unzähligen Aus-, Um- und Anbauten sind benachbarte Regionen aber auch architektonische Inspirationsquellen. Bewährtes wurde in die Bauweise integriert, wie der im Tirol verbreitete offene Dachraum mit Balkenwerk fürs Trocknen von Fleisch, Früchten und Kräutern.
Insgesamt überstand der solide Steinbau die Zeit ohne grosse Schäden, während das nachweislich viel ältere Kloster St. Johann 1499 niedergebrannt und 1799 geplündert wurde. Wiederholt zog die Pest das Münstertal in Mitleidenschaft, ganze Dorfgemeinschaften wurden dahingerafft. Ein 1467 entstandenes Wandgemälde auf der Aussenmauer zeigt die Anrufung der Heiligen nach der Heimsuchung der Talschaft. Andernorts umrahmt eine Ritzung im Mauerputz ein Fenster. Das Werk gilt als das älteste Sgraffito Bündens. Zum historischen Befund zählt auch ein gotischer Torbogen aus Tuffstein, wie aus einer detailreichen Baudokumentation hervorgeht. Grössere bauliche Eingriffe erfolgten letztmals in den 1970er-Jahren im Heustall, um die Zahl der Gästezimmer zu erweitern. Bauteile bilden Anhaltspunkte – auf der Reise in die Vergangenheit.