10:37 VERSCHIEDENES

Jungsteinzeitliches Dorf bei Baustelle des BFH-Campus entdeckt

Teaserbild-Quelle: Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Khaled Bordji

Der Archäologische Dienst des Kantons Bern hat auf der Baustelle des neuen BFH-Campus in Bielein Dorf aus der Jungsteinzeit entdeckt. Die Siedlung bestand aber nur fünf Jahre lang, ehe sie von einem heftigen Sturm mit Überschwemmung zerstört wurde.

Ausgrabung bei Baustelle des Campus Biel

Quelle: Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Khaled Bordji

Um die archäologischen Schichten in der tiefen Baugrube des Campus-Neubaus in Biel freizulegen, kam 2018 grosses Gerät zum Einsatz. Eine Zone der Pfahlbausiedlung wird mit dem Bagger Schicht für Schicht abgetragen.

Die Rettungsgrabungen, die das Dorf aus der Jungsteinzeit zu Tage legten, fanden bereits 2018 und 2019 statt, wie die Berner Bildungs- und Kulturdirektion am Freitag mitteilte. Auf dem Areal des neuen Campus der Berner Fachhochschule stiessen die Archäologinnen und Archäologen in rund 4,5 Metern Tiefe auf die Überreste.  

Die jahrtausendealten Funde, darunter über 1300 eingeschlagene Pfähle der Holzhäuser und der Dorfanlage sowie 700 weitere Hölzer, waren gemäss Mitteilung sehr gut erhalten. Dank einer wissenschaftlichen Analyse der Bauhölzer konnte ausserdem ein Plan des Dorfes mit 23 Häusern rekonstruiert werden. Der Vergleich der Jahrringe ermögliche eine sehr präzise Datierung der Siedlung, heisst es weiter.

Heftiger Sturm zerstörte das Dorf

Das Dorf bestand demnach nur knapp fünf Jahre lang: von 3842 bis 3838 v. Chr. Damit zähle es zu den ältesten Orten mit einem bekannten Siedlungsplan und sei zugleich das bislang älteste am Bielersee, das sich so gut rekonstruieren lasse. Ausgehend von einer Gebäudereihe hat sich das Dorf auf zwei Seiten weiterentwickelt. Zum See hin wurden später hölzerne Wellenbrecher eingeschlagen. Zwei Drittel des Dorfes konnten ausgegraben werden.

Ein heftiger Westwindsturm zerstörte das Dorf im Sommer 3838 v. Chr. fast vollständig. Solche Ereignisse könne man in der Archäologie nur sehr selten nachweisen, heisst es weiter. In diesem Fall konnte anhand der Lage der Pfähle rekonstruiert werden, dass starke Naturgewalten, wahrscheinlich Wellen und Wind, mehrere Gebäude aus dem Boden hoben und stark beschädigten. In den folgenden Monaten hätten die Menschen noch versucht, die Siedlung wiederaufzubauen, ehe sie sie dann ganz verliessen.

Ausgrabung bei Baustelle des Campus Biel

Quelle: Bild: Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Stefan Aebersold

Ein Pfahl eines Gebäudes am Nordrand der Siedlung, der unter dem verheerenden Sturm 3838 v.Chr. brach.

Details zum damaligen Alltag

Neben der Baugeschichte lieferte die Ausgrabung auch Details des Alltags der Menschen im Dorf, etwa zur Herstellung und Verwendung von Keramikgefässen und Werkzeugen aus Stein, Knochen und Hirschgeweih. Obwohl die Versorgung des Dorfes und die hier hergestellten Güter und Objekte lokalen Charakter hatten, führten die Bewohner auch Waren und Gewohnheiten von weit her ein.

Solche Verbindungen lassen sich gemäss Mitteilung vor allem mit der Zentralschweiz, dem Rhonetal und der Provence, aber auch mit dem Elsass und sogar dem Pariser Becken herstellen. Anhand von Knochen und pflanzlichen Resten sei es auch möglich, Ernährungsgewohnheiten nachzuzeichnen. Der Lebensstil scheine jenem in anderen ungefähr gleichzeitigen Pfahlbausiedlungen im Dreiseenland zu entsprechen.

Bedeutendes archäologisches Erbe

Das Dorf füge sich wegen seiner äusserst kurzen, aber gut fassbaren Geschichte als ein besonders spektakuläres Beispiel einer Seeufersiedlung aus der Jungsteinzeit in das reiche archäologische Erbe der Dreiseenregion ein, schreibt die Direktion weiter. Solche Seeufersiedlungen sind gemäss Mitteilung aus mehreren Epochen bekannt – 56 Fundstellen aus der ganzen Schweiz gehören zum Weltkulturerbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen». Davon liegen sechs im Kanton Bern. (mgt/pb)

Illustration von Dorf aus der Jungsteinzeit bei Baustelle des Campus Biel

Quelle: Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Andreas Marti

Das jungsteinzeitliche Dorf Biel, Campus mit Wellenbrechern in seiner grössten Ausdehnung im Frühling 3838 v. Chr. Die Farben geben die Schritte der Siedlungsentwicklung wieder. Der Bau der Gebäude ist jeweils auf ein halbes Jahr genau datierbar.

Ausgrabung bei Baustelle des Campus Biel

Quelle: Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Daniel Marchand und Philippe Joner

Gefässe aus Keramik, die alltäglich im jungsteinzeitlichen Dorf verwendet wurden: Töpfe, Schalen, Schüsseln, Kleingefässe und Kochplatten.

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