14:01 MANAGEMENT

Konkurse von Firmen: Rekord im 2022

Teaserbild-Quelle: Unsplash / Towfiqu Barbhuiya

Vergangenes Jahr sind in der Schweiz 10‘126 Firmen Konkurs gegangen. Damit wird erstmals die 10‘000er-Schwelle überschritten. Dies teilt der Schweizerische Gläubigerverband Creditreform mit. Die Zahl umfasst Insolvenzen wegen Überschuldung und wegen Mängeln in der Organisation.

Allerdings lassen sich die Zahlen von 2022 laut Creditreform nur bedingt mit jenen der Jahre davor vergleichen. Denn während der Coronajahre  2020 und 2021 haben staatliche Unterstützungsmassnahmen viele bereits damals unvermeidliche Konkurse hinausgezögert. Doch nun sind diese Massnahmen ausgelaufen. Damit „weht wieder der normale Wind durch die Unternehmenslandschaft“, wie  Creditreform schreibt.

Beim Verband rechnet man nicht damit, dass sich die Situation in diesem Jahr entspannt: „Dafür sind die wirtschaftlichen Unsicherheiten zu gross, namentlich der Krieg in der Ukraine, die teilweise erheblich gestiegenen Energiekosten, die hohe Inflation im Euroraum und die in vielen Ländern wohl unvermeidliche Rezession dürften für viele Firmen nicht mehr zu stemmen sein.“

Starker Anstieg bei Konkursverfahren wegen Mängeln in der Organisation

Besonders auffällig ist laut dem Verband die Entwicklung der Unternehmen, die wegen Mängeln in der Organisation Konkurs gehen. Bei diesen fehlten etwa die gesetzlich vorgeschriebenen Organe, sie konnten keinen Firmensitz oder keine Revisionsstelle vorweisen und  Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten hatten keinen formalen Beschluss des Verwaltungsrates, auf eine Revision zu verzichten.

Ein so grosser Zuwachs lasse vermuten, dass einige dieser Unternehmen bewusst von ihren Organen in einem verwahrlosten Zustand zurückgelassen würden, um sich so der Verantwortung zu entziehen, heisst es in der Medienmitteilung.

Widersprüchliche Publikationspraxis der Kantone

Zudem bezeichnet der Verband die die Publikationspraxis der kantonalen Konkursämter als widersprüchlich. Seit 2021 müssen diese den Konkurs eröffnen, wenn während der Liquidation eines Unternehmens eine Überschuldung aus Mängeln in der Organisation nach Artikel 731 b des Obligationenrechtes festgestellt wird.

Die eine Behörde lasse das ordentliche Verfahren trotzdem weiterlaufen, die andere schliesse das Dossier und eröffne einen neuen Konkurs OR 731 b. Das verfälscht zwar laut Creditreform die Statistik, aber der extreme Anstieg der Insolvenzen aus Organisationsmängeln  – es sind im Vergleich der Jahre über 1'400 Konkurse – bleibt davon weitgehend unberührt. (mgt/mai)


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