10:07 MANAGEMENT

Chefsache mit Andreas Steiger:«Die Baubranche ist äussert innovativ»

Teaserbild-Quelle: Steiger Baucontrol AG

«Die Baubranche in der Schweiz verfügt über sehr kompetente Unternehmen und höchst qualifiziertes Fachpersonal», sagt Andreas Steiger, Inhaber der Steiger Baucontrol AG. In der Interview-Serie «Chefsache» nimmt er Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung.

Andreas Steiger Baucontrol

Quelle: Steiger Baucontrol AG

Andreas Steiger ist Inhaber der Steiger Baucontrol AG.

Wie lautet Ihr allerwichtigster Führungsgrundsatz?

Andreas Steiger: «4 M» oder «Man muss Menschen mögen». In der Umsetzung dieses Grundsatzes pflege und fordere ich einen respektvollen Umgang. Ich setze darauf, Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter projektbezogen zu fördern. Diese Zielsetzung ist von spezieller Bedeutung, weil für das Gros der Tätigkeiten von Steiger Baucontrol AG keine spezifischen Ausbildungen verfügbar sind. Auftretende Konflikte sind zu erkennen und in Respekt im Gespräch zu klären.

Wie fördern Sie Ihre Mitarbeiter?

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit speziellen Interessen, besonderen Kenntnissen und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, bieten wir projektbezogen Gelegenheit, sich weiter zu entwickeln. Dazu setzen wir auf problembezogene Instruktion und Begleitung durch vorgesetzte und erfahrene Mitarbeiter.

Darf ein Chef oder eine Chefin auch Schwächen zeigen? Warum?

Kein Mensch ist unfehlbar, auch mir als Chef unterlaufen Fehleinschätzungen und Fehler. Dazu muss ich stehen. Andererseits fordere ich, dass Fehler auch wieder beiseitegelegt werden können. Was ich nicht toleriere: Wenn die gleichen Fehler immer und immer wieder auftreten. Dies gilt selbstverständlich auch für mich!

Wo sehen Sie die grössten Stärken Ihres Unternehmens?

Steiger Baucontrol AG positioniert sich in der Beweissicherung bei Bauvorhaben als neutraler Experte. Wir bieten der Bauherrschaft eine Unterstützung an der Nahtstelle zur Nachbarschaft von der Vorbereitung des Bauvorhabens bis zu einer allenfalls erforderlichen Schadenregulierung, ganz nach dem Grundsatz «Beweissicherung aus einer Hand».

Wie lautet das Erfolgsgeheimnis Ihrer Firma?

Steiger Baucontrol AG verfügt über ein Team an Fachkräften mit einem breiten Spektrum an Kompetenzen in Bautechnik und Bauverfahren sowie unserem Kernthema der Beweissicherung. Der Austausch mit Bauherren, Versicherungen und Planenden erlaubt es uns, unsere Dienstleistungen angepasst an deren Bedürfnisse weiterzuentwickeln. Wir verstehen uns als umfassenden Dienstleister in der Beweissicherung bei Bauvorhaben.

Welches ist die grösste Herausforderung für Ihr Unternehmen, und wie begegnen Sie ihr?

Der in der ganzen Bauwirtschaft seit Jahren vorhandene Fachkräftemangel hat auch für Steiger Baucontrol AG Konsequenzen bei der Suche nach kompetenten und leistungsbereiten Fachkräften. Bei der Rekrutierung setzen wir deshalb auf externe Unterstützung.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Bauwirtschaft ein?

Unzweifelhaft kommt der Bauwirtschaft bei der Bereitstellung und Erhaltung der Funktionstüchtigkeit der Grundlagen für den Wohlstand unseres Landes eine grosse Bedeutung zu. Unsere Tätigkeiten haben andererseits auch erhebliche Auswirkungen auf unsere Lebensgrundlagen und damit die Zukunft. Angesichts des akuten Fachkräftemangels stellt die Ausbalancierung der divergierenden Interessen der Stakeholder in Richtung einer weiteren Verbesserung der Nachhaltigkeit eine extreme Herausforderung für unsere Gesellschaft dar.

Sehen Sie in der Digitalisierung eine Chance oder eine Gefahr?

Die Digitalisierung hat uns in den vergangenen 40 Jahren bereits grosse Veränderungen und gewichtige Erleichterungen beschert. Zahlreiche Prozesse wurden beschleunigt, die teilweise hohe Komplexität von Problemstellungen liess sich reduzieren, der Zugang zu Informationen wurde erleichtert.

Was schätzen Sie an der Baubranche und was nicht?

Die Baubranche in der Schweiz ist äussert innovativ und verfügt über sehr kompetente Unternehmen und höchst qualifiziertes Fachpersonal. Das bringt die Zusammenarbeit mit diesen Playern in zielgerichtete, erfolgreiche Bahnen. Auf der anderen Seite des Spektrums agieren vereinzelte Player in destruktiver Weise mit Behinderungen und Nachforderungen ohne Respekt mit dem Ziel, den eigenen wirtschaftlichen Nutzen ohne Rücksicht zu optimieren. Das ist bedauerlich!

Welche Möglichkeiten sehen Sie, das Image der Baubranche zu verbessern?

Die Baubranche vernachlässigt die Kommunikation mit der Gesellschaft sträflich. Sie verpasst es, den immensen Nutzen der Bauwirtschaft für die Gesellschaft einem breiten Publikum verständlich zu machen. Die heute verfügbaren Instrumente liessen es zu, effizient Abhilfe zu schaffen. Die wirtschaftliche Kraft der Bauwirtschaft liesse den Aufbau einer Informationsplattform Wiki-Bauwirtschaft ohne weiteres zu! Innovationsbereitschaft und gemeinsames Vorgehen wären allerdings eine Vorbedingung. Baukultur könnte damit für eine breite Allgemeinheit verständlich gemacht werden.

Welche Probleme sollte die Politik sofort angehen?

Nicht zuletzt aufgrund der zusätzlichen Verwerfungen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft verursacht durch die Corona-Pandemie muss die seit Jahren anstehende Sicherung der Sozialwerke angegangen und auf eine langfristig finanzierbare Basis gestellt werden.

Wo können Sie wirklich abschalten?

Draussen in der Natur beim Wandern oder Laufen.

Chefsache

In der Interview-Serie «Chefsache» nehmen bekannte Exponenten der Bauwirtschaft in loser Folge Stellung zu Fragen rund um das Thema Führung. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten die gleichen 20 Fragen, von denen sie zwölf auswählen und schriftlich beantworten können.

Anzeige

Dossier

Die Flughafenregion im Fokus

Die Flughafenregion im Fokus

Die Flughafenregion Zürich (FRZ) veröffentlicht im August gemeinsam mit dem Baublatt eine Sonderausgabe. In diesem Dossier werden alle damit verbundenen Fachbeiträge sowie weitere Hintergrundartikel zum Thema gesammelt. Die Ausgabe stellt neben anderem laufende oder geplante Projekte vor und beleuchtet die aktuelle Situation der Region.