Studie: Mittagsschlaf sorgt für bessere Konzentration und mehr Leistung
Es braucht nicht unbedingt eine ganze Nacht, um fit für die Arbeit zu sein. Selbst ein Nickerchen nach dem Mittagessen wirkt positiv auf Konzentration und Leistungsfähigkeit: In einer Studie konnte ein Forschungsteam der Universität Genf und des Universitätsklinikums Freiburg aufzeigen, dass bereits ein Nickerchen nach dem Mittagessen hilft.
Quelle: ChatGPT, mai
Wer körperliche oder geistige Efforts bei der Arbeit leisten muss, profitiert mittags von einem Nickerchen. (Symbolbild)
Ein Mittagsschlaf sorgt dafür, dass sich Verbindungen zwischen Nervenzellen wieder so ausrichten, dass das Hirn neue Informationen besser aufnehmen und besser lernen kann. – Diese Wirkung war, wie in der Medienmitteilung des Universitätsklinikums zu lesen ist, bislang nur nach einer ganzen Nacht Schlaf bekannt.
Das passiert im Gehirn während des Mittagsschlafs
Tagsüber ist das Gehirn durchgängig aktiv: Es verarbeitet laufend Eindrücke, Gedanken und Informationen, dabei verstärken sich die Verbindungen zwischen Nervenzellen oder vielmehr den Synapsen. Diese verstärkten synaptischen Verbindungen bilden wiederum eine wichtige neuronale Grundlage von Lernvorgängen. Gleichzeitig führen sie aber auch zu einer Art Sättigung, weswegem die weitere Lernfähigkeit des Gehirns mit der Zeit abnimmt. Schlaf hilft, diese übermässige Aktivität wieder herunterzufahren – ohne dass dabei wichtige Informationen verloren gehen.
Wie Studienleiter Christoph Nissen erklärt, zeigt die Studie, dass dieser «synaptische Reset» schon nach einem Mittagsschlaf einsetzt und dass das Gehirn nachfolgend neue Information wieder besser im Gehirn abspeichern kann. Nissen hat die Studie in seiner Zeit als Ärztlicher Leiter des Schlaflabors an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg durchgeführt und amtet heute als Universitätsprofessor und Chefarzt am Department für Psychiatrie, Universität und Universitätsklinikum Genf.
Konkret stellte das Forschungsteam fest, dass die durchschnittliche synaptische Aktivität im Gehirn nach dem Mittagsschlaf reduziert war – ein Zeichen für die Erholungswirkung von Schlaf. Parallel dazu war die Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen zu bilden, deutlich höher. Das Gehirn war somit besser auf neue Lerninhalte vorbereitet als nach einer gleich langen Wachphase. - «Die Studie hilft uns zu verstehen, wie wichtig auch kurze Schlafphasen für die geistige Erholung sind», ergänzt Kai Spiegelhalder, Leiter der Sektion für Psychiatrische Schlafforschung und Schlafmedizin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg.
Zur Studie:
Untersucht wurden 20 gesunde junge Erwachsene, die an zwei Nachmittagen entweder einen Mittagsschlaf machten oder wach blieben. Der Mittagsschlaf dauerte im Schnitt 45 Minuten. Weil direkte Messungen an Synapsen bei gesunden Personen nicht möglich sind, nutzte das Forschungsteam etablierte, nicht-invasive Verfahren wie die transkranielle Magnetstimulation (TMS) und EEG-Messungen, um Rückschlüsse auf die Stärke und Flexibilität der Synapsen zu ziehen.
Die Studie liefert eine biologische Erklärung dafür, warum Menschen nach einem Mittagsschlaf oft leistungsfähiger sind. Besonders in Berufen oder Tätigkeiten, mit hohen Anforderungen an die geistige oder körperliche Leistung könnte ein kurzer Schlaf gezielt eingesetzt werden, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten. Nissen dazu: «Ein Mittagsschlaf kann helfen, Konzentration und Leistungsfähigkeit auch unter hoher Belastung aufrechtzuerhalten.»
Wichtig sei jedoch, so das Forschungsteam, dass gelegentliche Schlafprobleme nicht automatisch zu Leistungseinbussen führten. Vor allem bei chronischen Schlafproblemen sind die schlaf-wach-regulatorische Systeme im Wesentlichen intakt; hier dominieren laut den Wissenschaftlern vielmehr Sorgen und ungünstiges Schlaf-Wach-Verhalten. In solchen Situationen sei eine kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) sinnvoller als Schlafmittel, da letztere die natürliche Erholungsprozesse des Gehirns stören und zu Abhängigkeitsentwicklungen führen könnten. (mgt/mai)