Videotipp: E-Mail, eine bahnbrechende Technologie für den Jet-Set?
Schnell und einfach von unterwegs Briefe und Skripts per E-Mail verschicken: Wie dies Mitte der 80er-Jahre funktionierte, zeigt eine Videoperle aus dem Archiv der BBC. Nebst Laptop brauchte es ein akustisches Modem und ein passendes Münztelefon.
Video aus dem BBC-Archiv " 1986: Email - the Perfect Tech for the Jet Set? | Micro Live | BBC Archive "
Das weltweit erste E-Mail versandte der amerikanische Informatiker Ray Tomlinson 1971 von einem Computer auf einen anderen über das Arpanet, ein vom US-Militär genutztes Netzwerk. In der Schweiz landete das erste E-Mail 1986 bei der ETH Zürich, die in jenem Jahr an das weltweite Computer Science Network (CSNET) angeschlossen worden war. Über dieses liessen sich elektronische Nachrichten per Telefonwählverbindung verschicken. Allerdings sollte es noch ein paar Jahre dauern, bis die auch die breite Öffentlichkeit die neuartige Kommunikationstechnologie nutzen konnte, in der Schweiz war es 1990 so weit. Ähnliches gilt für das Vereinigte Königreich, hier hatte die Technologie auch anfangs der 90er Jahre ihren Durchbruch.
In den wenigen Jahren davor war diese Kommunikationsweise auf der Insel vor allem Universitäten, Forschungsinstitutionen, dem Militär oder Organisationen wie der BBC vorbehalten. Das zeigt eine Folge der Sendung «Micro Live», eines Magazins, das über neueste technische Errungenschaften berichtete. Möglicherweise sei es die perfekte Technologie für den Jet-Set, heisst es im Sendungsbeschrieb.
Über den Wolken Briefe schreiben und über die Telefonleitung versenden
Ob dem so ist, prüft Reporterin Lesley Judd nach. Sie checkt dazu in London für einen Flug nach Amsterdam ein. «Mit einem portablen Computer kann man sein Büro immer dabei haben, im Prinzip überall», sagt sie und klappt ein klobiges Ding auf. «Und natürlich kann man so mit allem möglichen weiter machen, Briefe schreiben oder Skripts verfassen.» Und das Gute sei, «hier oben» zu sein und nicht von Telefonanrufen unterbrochen zu werden. Kaum ist das Mail zu Ende getippt, setzt der Flieger bereits wieder auf dem Boden auf: In Amsterdam-Schiphol muss Judd jetzt nur noch ein öffentliches Münztelefon finden, an dem sich das überdimensionierte, vermutlich kiloschwere akustische Modem anschliessen lässt. Keine einfache Sache, denn ohne kompatiblen Hörer funktioniert es nicht...
Spätestens hier hätte es einer Reporterin von 2026 einen Nerv ausgerissen, abgesehen von der Schlepperei und von der Tatsache, dass es damals noch kein allerorten grenzüberschreitendes Netz für das Versenden der Nachricht gab. Judd oder vielmehr die BBC musste sich dazu eigens für 30 Pfund im holländischen System registrieren, die Übertragung selber kostete gerade mal 30 Pence. (mai)
Quelle: bb (Hintergrund) / MIC Torino (Russel2), eigenes Werk, CC BY 3.0 (Foto)
Handliches Laptop? Ein IBM 5140 aus den 1980er-Jahren.