Samedan GR: Arbeiten an baufälligem Flugplatz weiter blockiert
Über ein Jahr nach dem Ja der Bevölkerung zur Erneuerung des Flugplatzes Samedan GR kommt die 68,5-Millionen-Franken-Baustelle nicht vom Fleck. Eine hängige Beschwerde blockiert die Arbeiten.
Quelle: Carsten Steger, Own Work, CC BY-SA 4.0
Der Flugplatz Samedan soll umfassend modernisiert und langfristig für den Flugbetrieb gesichert werden. Doch der geplante Baubeginn lässt weiter auf sich warten.
«Wir müssen ehrlich sein: Wir haben es hier mit einer Ruine zu tun.» Mario Cavigelli, Präsident der Verwaltungskommission der Infra - der Eigentümerin der Flugplatzinfrastruktur -, nimmt kein Blatt vor den Mund, um den auf 1707 Metern über Meer gelegenen Flughafen zu beschreiben.
«Insofern wird es jetzt wirklich notwendig, einen
Kurswechsel vorzunehmen», erklärte Cavigelli am Dienstag im Anschluss an die
Sitzung der Flughafenkonferenz, dem politischen Entscheidungsorgan.
Sollten derzeit infrastrukturelle Probleme bestehen, werden diese nur sehr zurückhaltend behoben - in dem Wissen und in der Hoffnung, dass die Infrastruktur bald vollständig erneuert wird.
Der Flugplatz Samedan aus dem Jahr 1938 hat eine Sanierung dringend nötig. Am 17. August 2025 hatten über 54 Prozent der Stimmberechtigten der elf Oberengadiner Gemeinden das Erneuerungsprojekt für die Infrastruktur angenommen. Es sieht den Bau von zwei neuen Betriebsgebäuden mit einem Flugzeughangar, die Erweiterung und Sanierung des Vorfelds, einen Tower mit 360-Grad-Sicht sowie einen Sicherheitszaun vor. Doch bislang sind die Bauarbeiten noch nicht angelaufen.
Eine noch hängige Beschwerde
Auslöser der Blockade ist eine Beschwerde, die eine Aufhebung der Volksabstimmung vom 17. August 2025 fordert. Das Bundesgericht hat sich zwar zur aufschiebenden Wirkung geäussert, nicht aber zur materiellen Beurteilung der Beschwerde selbst. Konkret verlangte die beschwerdeführende Partei, dass bis zum definitiven Entscheid sämtliche Umsetzungsmassnahmen gestoppt werden - insbesondere die Detailplanung sowie die Kreditfreigaben für die zweite Etappe der Arbeiten. Der Start der angefochtenen Arbeiten bleibt daher an den Schlussentscheid des Bundesgerichts gebunden.
Gegen den Bau des Zauns um das Flugplatzareal wurde hingegen keine Einsprache erhoben. Der für das dritte Quartal dieses Jahres geplante Arbeitsbeginn wird sich jedoch ebenfalls aufgrund der Beschwerde in Lausanne verzögern.
Vom Tisch scheint hingegen die Aufsichtsbeschwerde zu sein,
die die Geschäftsprüfungskommission der Gemeinde S-chanf im Juni bei der
Bündner Regierung eingereicht hatte. Diese verlangte eine Sonderuntersuchung
sowie eine Klärung der Buchhaltungs- und Rechnungslegungspraxis der Infra. Am
10. August sah das kantonale
Finanz- und Gemeindedepartement keinen Anlass für ein aufsichtsrechtliches Einschreiten. Obwohl S-chanf Ende August eine Wiedererwägung des Entscheids verlangte, blieb der Kanton bei seiner Haltung.
Fertigstellung 2031 kaum realistisch
«Wenn der Entscheid des Bundesgerichts zu unseren Gunsten ausfällt, müssen wir von der Flughafenkonferenz auch die Freigabe der entsprechenden Budgetpositionen erhalten», erklärte Mario Cavigelli. Erst nach diesem Schritt könnten die Bauarbeiten beginnen. In der Zwischenzeit, so der Infra-Präsident, seien verschiedene Beschlüsse vorbereitet worden, um Arbeitsvergaben für Planer und Unternehmer zeitnah einzuleiten.
In der Abstimmungsvorlage vor einem Jahr gingen die Verantwortlichen davon aus, dass die Bauarbeiten 2031 abgeschlossen sein würden. Ist dieser Zeitplan noch realistisch? «Es ist äusserst schwierig und wahrscheinlich nicht realistisch, die Arbeiten innerhalb von fünf Jahren abzuschliessen», sagte Cavigelli weiter.
Solide finanzielle Lage
Neben dem aktuellen Projektstand besprachen die Mitglieder der Flughafenkonferenz - je eine Vertretung der elf Oberengadiner Gemeinden - das Budget 2027. Laut Claudio Dietrich, Vorsitzender der Flughafenkonferenz, befinde sich das Unternehmen in einer sehr soliden finanziellen Situation und sei bereit, in das Flughafenprojekt zu investieren. Gemäss Budget sind für 2027 Investitionen in Höhe von 7,6 Millionen Franken vorgesehen.
Trotz Nachfragen von Gemeindevertretern zu angeblichen
Schulden der Infra stimmten die Politiker dem Budget 2027 zu. Einzig die
Gemeinde Samedan - der Standort des Flugplatzes - stimmte dagegen.
«In der Jahresrechnung 2025 weist die Bilanz eine
buchmässige Überschuldung aus, aber es handelt sich dabei nicht um tatsächliche
Schulden. Die Infra ist bei niemandem verschuldet», erklärte Dietrich gegenüber
den Medien. (sda/cpo)