15:04 BAUPROJEKTE

Nakagin Tower: Kapselturm in Tokio wird abgebrochen

Teaserbild-Quelle: Darian Shamkali, Unsplash

Es ist so weit: Seit diesen Tagen läuft der Rückbau des Nakagin Towers in Tokio. Obwohl er als ein prominentees Beispiel für den Metabolismus gilt, konnte er nicht gerettet werden.

Schon lange hat der Zahn der Zeit an den würfelförmigen Kapseln mit eingebautem Bett, Dusche und Taschenrechner des Nakagin-Tower im Stadtteil Ginza in Tokio genagt. Die einzelnen Kapseln waren als Büro mit Schlafmöglichkeit konzipiert und für Geschäftsleute gedacht gewesen. Einige der 140 Einheiten hätten ausgetauscht werden müssen oder zumindest einer Sanierung bedurft. Und obwohl der Turm als eine Architekturikone und als eindrückliches Beispiel für den Metabolimus gilt, konnte ihn weder das Engagement von Architekturinteressierten aus der ganzen Welt noch das seiner Bewohner vor dem Ende bewahren.

Und so wird er nun in seinem fünfzigsten Jahr rückgebaut. Letzte Woche starteten die Arbeiten. Sein Schöpfer, der Architekt Kisho Kurokawa, erlebt das Aus des Gebäudes nicht mehr mit, er ist 2007 verstorben. Allerdings kommt er in der sehenswerten Dokumentation „Kochuu“ über japanische Architektur zu Wort (sie kann bezahlpflichtig auf Vimeo und Amazonprime gestreamt werden). Er spricht darin auch über den Nakagin-Tower, der auch die Kulisse eines Science Fiction-Films liefern könnte.

Büro, Schlafraum oder Teezimmer?

DIe ganze Dokumentation ist auf Vimeo im bezahlpflichtigen Bereich zu sehen; sie wird auch auf Amazonprime gezeigt.

„Der Kapselturm mag auf den ersten Blick sehr nach Hightech aussehen“, sagt Kurokawa im Film. Doch obwohl neuste Technik in den Bau eingeflossen sei, sei der Hintergrund „unsichtbare japanische Tradition“.  Er verweist auf die Grundfläche der einzelnen Kapseln von 2.5x4 Metern. „Das sind exakt die Masse eines traditionellen japanischen Teezimmers“.  Er sah seinen Turm als Ausdruck des modernen, japanischen Alltags: „Verpasst man den Zug für die Heimfahrt, weil man Überzeit machen muss, kann man hier übernachten. Man hat hier sein eigenes Schlafzimmer, ausserhalb des Zuhauses.“

Kapsel K als Sommerhaus

Allerdings ist der Turm nicht das einzige Kapselhaus Kurokawas. Er hatte für sich mit dem „Kapselhaus K“ eine kleine Version davon „als Experiment“ und als Sommerhaus gebaut. Es befindet sich in Kitasaku-Gun, in der Präfektur Nagano. (Pläne und Bilder auf http://hiddenarchitecture.net) Und im Gegensatz zu seinem grossen Bruder soll es vor dem Zerfall bewahrt und saniert werden. Medienberichten letzten Jahres zufolge ist geplant, es  dereinst als Übernachtungsmöglichkeit anzubieten. (mai)

Mehr zu Geschichte und Bauweise des Kapselturms im Artikel Nakagin Tower: Das Ende naht für den Kapselturm in Tokio vom 9. Juli 2021

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© James Sullivan, unsplash

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