Neuer Geschiebesammler schützt Vitznau LU vor Murgängen
Das Dorf Vitznau ist aufgrund seiner Lage am am Fuss des Rigi stark den Naturgefahren ausgesetzt. Zuletzt kam es 2024 zu einer grösseren Rutschung. Nun beginnen die Bauarbeiten an einem neuen, grossen Geschiebesammler.
Quelle: Visualisierung: Kanton Luzern
Visualisierung des oberen (neuen) und des unteren (erweiterten) Geschiebesammlers am Altendorfbach.
Die regnerische Periode von Dezember 2023 bis Mai 2024 hatte für das Dorf Vitznau ernste Folgen: Die Wassermassen führten am 1. Juni 2024 zu einer Reaktivierung der Rutschung Gassrübi im Bereich Hinterbergen. Die Grossrutschung liegt im Einzugsgebiet des Altdorfbachs und hat die Gefahrensituation für das Dorf Vitznau massiv verschärft. Weitere Murgänge sind möglich und bedrohen zentrale Teile des Dorfes und seine Einwohnerinnen und Einwohner.
Deshalb realisieren der Kanton Luzern mit hoher Priorität und mit Unterstützung der Gemeinde ein umfassendes Schutzkonzept, um Vitznau und seine Bevölkerung besser zu schützen. Denn die Gefahr einer Naturkatastrophe ist in Vitznau weiterhin gross: Murgänge aus dem Einzugsgebiet des Altdorfbachs bedrohen auch zentrale Teile des Dorfes.
Deshalb reagiert der Kanton mit dringlichen Schutzmassnahmen: Mit einem neuen, grossen Geschiebesammler oberhalb des bestehenden Rückhaltebauwerks, dessen Bauarbeiten am 12. Januar 2026 beginnen, können künftig grosse Geschiebemengen zurückgehalten werden. So ist das Dorf künftig besser vor Hochwasser und Murgängen geschützt (Siehe Box «Schutzmassnahmen an den Bächen»). Die Hauptarbeiten starten am 12. Januar 2026 und dauern voraussichtlich bis Mitte 2028.
Umfassender Hochwasserschutz
Die bestehenden Schutzbauten am Altdorfbach, insbesondere der im Jahr 2007 erstellte Geschiebesammler, reichen nicht aus, um die aktuellen Risiken zu bewältigen. Deshalb realisiert der Kanton als Sofortmassnahme einen neuen, grossen Geschiebesammler oberhalb des bereits bestehenden Sammlers. Der neue Geschiebesammler wird rund 65000 Kubikmeter Geröll und Geschiebe zurückhalten können und umfasst ein Bremsbauwerk sowie einen erweiterten Rückhalteraum.
Durch den zusätzlichen Rückhalteraum kann bereits während der Bauphase ein besserer Schutz erreicht werden, was in der aktuellen Gefährdungslage zentral ist. Die Kosten für den Bau des Geschiebesammlers betragen rund 20 Mio. Franken, woran sich der Bund voraussichtlich mit 42 Prozent beteiligt. Aufgrund des grossen Risikos und der hohen Dringlichkeit handelt es sich dabei um gebundene, vom Regierungsrat bewilligte Ausgaben und die Umsetzung erfolgt als Sofortmassnahme. Verschiedene Vorarbeiten wurden bereits zwischen Juli und Dezember 2025 ausgeführt.
Quelle: Kanton Luzern
Projektübersicht der Hochwasserschutzmassnahmen am Altendorfbach in Vitznau am Vierwaldstättersee.
Zweites Projekt in Planung
In einem zweiten Projekt wird der bestehende Geschiebesammler erhöht und der Altdorfbach ab diesem Geschiebesammler bis zur Mündung in den See ausgebaut, so dass Hochwasserspitzen in den See geleitet werden können. Die Planungen dafür sind ebenfalls bereits weit fortgeschritten.
Vitznau liegt eingebettet zwischen dem Südhang der Rigi und dem Vierwaldstättersee – damit in einer herausfordernden geografischen Lage. Kanton und Gemeinde setzen ein umfassendes Schutzkonzept um, damit Vitznau und seine Bevölkerung besser geschützt sind. Im Zentrum des Hochwasserschutzes in Vitznau steht der Umgang mit möglichen Murgängen. Diese entstehen meist durch Erdrutsche, die bei starkem Regen aus den steilen Hängen in die Bäche gelangen. (SDA/bk)
Schutzmassnahmen an den Bächen
Den besten Schutz bietet eine Kombination unterschiedlicher Massnahmen. Je nach Bach sind unterschiedliche Schutzkonzepte vorgesehen:
● Beim Chalibach werden die Hochwasser dank dem durchgängigen Ausbau der bestehenden Schutzdämme in den See geleitet.
● Beim Altdorfbach und beim Mülibach liegt der Schwerpunkt bei Sammlern, welche die Geschiebemassen zurückhalten. Die Hochwasserspitzen werden durch den Ausbau der Gerinne in den See geleitet.
● Beim Plattenbach und beim Widibach werden die potenziellen Rutschgebiete stabilisiert, so dass weniger Material in die Bäche gelangt. Zudem werden Sammler erstellt, die kleinere bis mittelgrosse Mengen an Geschiebe zurückhalten. Die Hochwasserspitzen werden durch den Ausbau der Gerinne in den See geleitet.