11:06 BAUPROJEKTE

Erneuerung Ka-We-De in Bern: Freizeit-Kontinuität

Teaserbild-Quelle: Nightnurse Images GmbH

Wie weiter mit der Ka-We-De? Der Komplex «Kunsteisbahn und Wellenbad Dählhölzli» erfreut sich bei Generationen von Stadtbernerinnen und -bernern grosser Beliebtheit. Und die Denkmalpflege wirft ein scharfes Auge auf diesen wichtigen Zeitzeugen des Neuen Bauens. Ein Studienauftrag zeigt, wie die Zukunft der Sportanlage aussehen könnte.

Kunsteis und künstliche Wellen in Bern? Das muss damals, anfangs der 1930er-Jahre, für manche fantastisch geklungen haben, zumal die Schweiz 1932 ihren Tiefpunkt in der grossen Weltwirtschaftskrise erreichte. Trotzdem gelang es, die neue Sportanlage im Kirchenfeld, am eher gediegenen Südostrand der Stadt, gegen Ende 1933 fertigzustellen. Seither ist die Ka-We-De beim Dählhölzli mit seinem Tierpark am rechten Ufer der Aare eine von Berns Attraktionen. Ein einleitender geschichtlicher Rückblick lohnt sich denn auch sehr.

«Macher-Projekt»

Die Architekten der Anlage «Kunsteisbahn und Wellenbad Dählhölzli», die sofort unter der Abkürzung «Ka-We-De» bekannt wurde, waren Rudolf von Sinner (1890 – 1960), ein bedeutender Bernburger aus angesehenem Geschlecht, und Hans Beyeler (1894 – 1968), der sich auch als Fussballer beim FCB und den Young Boys sowie als Leichtathlet einen Namen machte. Rudolf von Sinner präsentierte das Projekt 1934 in der Schweizerischen Bauzeitung (SBZ). Vorbild waren nicht die Volksbäder, die zur selben Zeit entstanden, sondern die Sportanlage des Grand Hotel Dolder in Zürich, das kurz zuvor eine Kunsteisbahn eröffnet hatte und wenig später neben dieser ein Schwimmbassin mit einer Wellenmaschine anlegte. Die Dolder-Eisbahngesellschaft habe als Pionier ihre Erfahrungen «in uneigennütziger Weise uns Bernern überlassen», schrieb von Sinner in der SBZ. In der Folge sei die Ka-We-De-Gesellschaft gegründet worden.

Im Vordergrund standen das Eisfeld und Eissportarten: «Die Initianten stellten sich von Anfang darauf ein, dieses volkstümliche Unternehmen ohne Inanspruchnahme von Behörden und Subventionen auf gesunder kaufmännischer Grundlage zu errichten », steht im Bericht von Sinners. Schnell folgte allerdings die Erkenntnis, dass es erstens ohne staatliche Unterstützung nicht ging und zweitens für eine erfolgreiche Bewirtschaftung auch ein Sommerbetrieb eingeplant werden musste.

Visualisierung Ka-We-De in Bern

Quelle: Nightnurse Images GmbH

Der ehemalige Garderobentrakt entlang des Eisfelds, das im Sommer zum Bassin wird, erhält eine geschützte Liege- und Sitzpritsche.

Deshalb ergänzte man das Projekt um ein Bassin mit Wellenmaschine. Ausserdem umgab man das Eisfeld mit einer Brüstung, sodass es sich im Sommer fluten und als ausgedehntes Planschbecken verwenden liess. Diese Doppelnutzung war damals die grosse technische Herausforderung. Das Vorhaben führte auch zu rechtlichen Auseinandersetzungen, «sodass schlussendlich das Bundesgericht nach dreiwöchiger Baueinstellung das Bauvorhaben schützen musste», wie sich im Bericht des Architekten nachlesen lässt. Die Ka-We-De eroberte die Herzen der Bernerinnen und Berner anschliessend im Sturm und wird seither rege genutzt.

Von Sinner und Beyeler planten auf dem sich nach Südwesten, zur Aare hin sanft absenkenden Terrain einen ausgedehnten Komplex, der von Norden her erschlossen wird. In diese Richtung schirmen mehrere Bauteile die Anlage ab, die nach Süden bis zum Waldrand des Dählhölzlis reicht: Zwischen dem niedrigen Garderobentrakt des tiefer gelegten, im Westen des Areals angeordneten Wellenbad-Bassin und der Eisfeldtribüne wurde das dreigeschossige Hauptgebäude angeordnet. Von diesem abgehend, schiebt sich der mit einer grosszügigen Dachterrasse versehene Restaurant- Trakt zwischen die beiden Sportbereiche.

Das Bassin wurde auch nach Süden und Westen von Garderobenbauten, einer kleinen Tribüne, Liegestufen und Sonnendecks eingefasst. Es befindet sich im Gegensatz zum grossen Eisfeld in einem geschützten, hofartigen Raum – eigentlich wie der Pool eines grossen Kreuzfahrtschiffs, was gut zu den übrigen formalen Anleihen aus der Hochseefahrt passt.

Die in einer nüchtern-sachlichen Architektursprache ausgebildete Anlage fungiert heute als «schützenswertes Baudenkmal» im Bauinventar der Stadt Bern. «Als Zeitzeuge der Moderne» hat die Ka-We-De den Status eines A-Objekts auf Bundesebene inne (KGS-Inventar). Fein austarierte und präzise geschnittene kubische Hochbauten, Schwimmbecken und Grünanlagen bilden hier eine komplexe und spannungsvolle Gesamtdisposition, die sich bestens in die Geländetopografie des südwestlichen Dählhölzlis einfügt, lautet das Urteil der Fachkräfte.

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