Dritte Verladestelle für Urner Seeschüttung geht in Betrieb
Das Ausbruchmaterial des Sisikonertunnels kann neu direkt auf Schiffe verladen werden. Für die Seeschüttung Urnersee ist mit der Verladestelle Dorni in Sisikon UR die dritte und letzte Verladestelle in Betrieb genommen worden.
Quelle: zvg
Die neue Verladestelle Dorni in Sisikon ermöglicht den direkten Transport des Ausbruchmaterials aus dem neuen Sisikonertunnel auf die Klappschiffe.
Im Kanton Uri gibt es mit der zweiten Röhre des Gotthard-Strassentunnels und dem Sisikonertunnel der Axenstrasse aktuell gleich zwei grosse Tunnelbaustellen. Der dabei anfallende Ausbruch wird im Rahmen einer Seeschüttung zur Renaturierung des Urnersees verwendet.
Mit der Inbetriebnahme der Verladestelle Dorni Anfang Oktober könne Ausbruchmaterial des Sisikonertunnels nun erstmals ohne Zwischenumschlag direkt vom Tunnel auf die Klappschiffe verladen werden, teilte das Projekt Seeschüttung am Freitag mit. Das Gestein wird dabei mit einem Förderband vom Tunnel zu den Schiffen transportiert.
Ein Teil des Materials des Sisikonertunnels wird weiterhin vom Gebiet Gumpisch per Lastwagen zum Rudenzhafen transportiert und dort aufs Schiff verladen. Das Ausbruchmaterial aus der zweiten Gotthardröhre wird weiterhin per Güterzug zum Industriehafen in Flüelen befördert. Erstmals werden die Materialien beider Baustellen nun gleichzeitig über alle drei Verladestellen transportiert, gemäss Mitteilung gut 12'000 Tonnen Gestein pro Tag.
Silos und Schiffe
Das Ausbruchmaterial gelangt über Förderbänder in eine Siloanlage mit sechs Silos und von dort direkt auf die Klappschiffe. Dank der zweistrassigen Anlage können gemäss Mitteilung zwei Schiffe gleichzeitig mit unterschiedlichen Gesteinsarten wie Mergel und Kalk beladen werden. Voraussichtlich bis in die erste Hälfte 2030 sollen über die Verladestelle Dorni rund 1,1 Millionen Tonnen Gestein verladen werden, maximal rund 3'500 Tonnen pro Tag.
Im Einsatz sind unter anderem die neuen Klappschiffe «Axen» und «Rophaien» mit je rund 500 Tonnen Ladung. Täglich sind sechs bis sieben Fahrten vorgesehen. Bei Windgeschwindigkeiten über 80 km/h sind keine Schüttfahrten möglich. Damit der Tunnelvortrieb trotzdem weiterläuft, kann die Siloanlage rund drei Vortriebstage zwischenlagern.
Arsen und Zündschläuche
Bei den Vortrieben von Gumpisch und Buggi fällt unter anderem auch Betliskalk an, der stellenweise natürlich vorkommendes, geogenes Arsen enthält. Umfangreiche Untersuchungen hätten gezeigt, dass er unter festgelegten Schutzmassnahmen sicher geschüttet werden könne, heisst es. Der Betliskalk wird innerhalb der Pontonanlage uferfern geschüttet und danach mit geogen nicht vorbelastetem Material überdeckt. Regelmässige Material- und Wasseranalysen stellen sicher, dass die Umweltvorgaben eingehalten werden.
Der neue Sisikonertunnel wird ausschliesslich im Sprengvortrieb ausgebrochen. Im Ausbruchmaterial sind deshalb auch Zündschläuche enthalten. «Weil die Zündschläuche leichter als Wasser sind, schwimmen sie auf und werden durch Wind und Wellengang an die Ufer des Urnersees verfrachtet», so Roland Senn, Projektleiter der Seeschüttung Urnersee, in der Mitteilung. Da sich die Zündschläuche nicht vollständig aussortieren lassen, werden das Reussdelta und die Uferbereiche mehrmals pro Woche kontrolliert und das angeschwemmte Material eingesammelt. (sda/mgt/pb)