07:19 BAUPRAXIS

Urban Farming: Europas Städte könnten 190 Millionen Menschen mit Gemüse versorgen

Teaserbild-Quelle: Rawpixel

Wer in der Stadt wohnt, könnte sich von Gemüse ernähren, das vor der Haustüre gedeiht: Europäische Städte bieten 4500 bis 7500 Quadratkilometer, auf denen sich jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Gemüse ziehen liessen. Zu diesem Schluss kommt ein deutsch-niederländisches Forschungsteam in einer Studie, für die 840 europäische Städte in 30 Ländern unter die Lupe genommen worden sind.  

Tomaten und Gurke.

Quelle: Rawpixel

Gemüse vom Dachgarten oder von anderen freien Flächen in den Städten könnte den Bedarf von 190 Millionen Menschen in Europa decken.

«Mithilfe eines GIS-basierten Analyseansatzes haben wir untersucht, wie ungenutzte Flächen wie Dächer, Hausgärten, Grünflächen und unbebaute städtische Grundstücke in produktive Gemüseanbauflächen umgewandelt werden könnten», erklärt Erstautor Stepan Svintsov vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung die Vorgehensweise. So wäre es möglich, 28 Prozent des Gemüsebedarfs von 190 Millionen Europäern zu decken. Nicht berücksichtigt haben die Wissenschaftler Hightech-Systeme wie Hydrokultur oder vertikale Landwirtschaft. 

«Die urbane Landwirtschaft könnte lokale Ernährungssysteme erheblich stärken, die Widerstandsfähigkeit von Städten verbessern und die mit dem Fernverkehr von Lebensmitteln verbundenen Umweltauswirkungen verringern», ist Mitautor Prajal Pradhan von der niederländischen Universität Groningen überzeugt. Er räumt aber ein, dass die urbane Landwirtschaft als ergänzender Bestandteil bestehender Ernährungssysteme betrachtet werden sollte und nicht als vollständiger Ersatz für traditionelle Landwirtschaft. Laut den Autoren variiert das Potenzial einer urbanen Landwirtschaft stark, weil es von Faktoren wie Dichte, Klima, Wasserverfügbarkeit aber auch städtebaulichen Richtlinien abhängt. 

Mit ihrer Studie wollen Pradhan, Svintsov und ihre Kollegen politischen Entscheidungsträgern und Verfechtern der Nachhaltigkeit, die darüber nachdenken, die Produktion von Nahrungsmitteln ins Stadtgebiet zu integrieren, Erkenntnisse für die Stadtplanung liefern. (mai)

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