Umweltschonender Sprengstoff für den Bau des Sisikoner Tunnels
Weil mit dem beim Bau des neuen Sisikonertunnels anfallenden Ausbruchmaterial im Urnersee bei Flüelen Flachwasserzonen neu gestaltet werden sollen, setzt der Kanton Schwyz auf einen nitratfreien Emulsionssprengstoff. Wie das Schwyzer Tiefbauamt mitteilt, wird dieser Sprengstoff in der Schweiz erstmals für einen grossen Strassentunnel verwendet.
Quelle: Angel Sanchez / zvg Tiefbauamt Schwyz
Im Sisikoner Tunnel wird am 29.10.2026 eine Sprengladung angebracht
Der in Schweden entwickelte Sprengstoff Hypex Bio wird eingesetzt, wenn ausgebrochenes Material wiederverwendet und dabei ökologischen Anforderungen genügen muss. Während herkömmliche Emulsionssprengstoffe Nitrat als Sauerstofflieferant für die Reaktion enthalten, sieht es bei Hypex Bio anders aus: Der Stoff enthält laut Tiefbauamt anstelle von Nitrat Wasserstoffperoxid. Dies sei insbesondere dort von Bedeutung, wo das gesprengte Gestein anschliessend in sensiblen Bereichen eingesetzt oder weiterverwendet werde.
Hergestellt wird Hypex Bio in der Schweiz von der Société Suisse des Explosifs SA (SSE Group). Sie hat die entsprechenden Herstellungsrechte erhalten und stellt so die Verfügbarkeit des Produkts für den Schweizer Tunnel- und Baubereich sicher.
Die Umstellung auf den umweltschonenden Sprengstoff hat Mehrkosten zur Folge: Laut Communiqué umfassen sie rund ein Prozent der Vertragssumme für den Bau des Sisikoner Tunnels. «Wir sind uns bewusst, dass der Einsatz von Hypex Bio mit zusätzlichen Kosten verbunden ist», wird Peter Vorwerk, stellvertretender Gesamtleiter des Projekts A4 Neue Axenstrasse, im Communiqué zitiert. Trotzdem sei man überzeugt, dass dieser Schritt richtig sei. «Dass wir mit dieser umweltschonenden Gewinnung gleichzeitig eine Vorreiterrolle im Schweizer Strassenbau einnehmen, freut uns besonders.»
Morschacher Tunnel: Anderer Materialkreislauf, andere Lösung
Überall kommt Hypex Bio jedoch nicht zum Einsatz. Das gilt für den Morschacher Tunnel, wo das ausgebrochene Gestein für die Herstellung von Betonzuschlagstoffen genutzt wird. Damit wird das Ausbruchmaterial direkt in den Baustoffkreislauf zurückgeführt, wie das Tiefbauamt mitteilt. Die beiden Tunnel hätten somit unterschiedliche Materialkreisläufe und unterschiedliche Rahmenbedingungen. (mai/mgt)
Quelle: Angel Sanchez / zvg Tiefbauamt Schwyz
Mit zwei Nauen wird das Ausbruchmaterial nach Flüelen transportiert.