12:28 BAUBRANCHE

Zürich: Jelmoli-Warenhaus an der Bahnhofstrasse schliesst nach 125 Jahren

Teaserbild-Quelle: Baugeschichtliches Archiv, Meiner Johannes, CC BY SA 4.0

Das Luxuswarenhaus Jelmoli an der Zürcher Bahnhofstrasse wird Ende 2024 geschlossen. Nachdem Swiss Prime Site, sein Besitzer, keinen neuen Betreiber finden konnte, soll es nun umgebaut werden. In den unteren Etagen sind Läden geplant, darüber Büroflächen.

Jelmoli

Quelle: Baugeschichtliches Archiv, Meiner Johannes, CC BY SA 4.0

Das Jelmoli-Haus im Jahr 1903, wenige Jahre nach seiner Fertigstellung.

Wer durch die Zürcher Innenstadt flaniert, kommt kaum an den Bauten des Architekturbüros Stadler & Usteri vorbei. Sei es die verspielte Fassade vom ehemaligen Corso-Theater und heutigen Kino am Bellevue, das Hotel Baur au Lac beim Bürkliplatz oder das 1899 eröffnete Jelmoli-Warenhaus an der Bahnhfostrasse. Die Inspiration für letzteres hatten die Architekten in den Grands Magasins von Paris gefunden aber auch in den Hochhäusern, wie sie damals in Chicago aufgekommen waren. Allerdings ist der elegante Eisenskelettbau mit Glaswänden im Laufe der Zeit immer wieder modernisiert worden. Lediglich die Glasfassade, die das Gebäude wie eine gigantische Vitrine wirken lässt, hat überdauert.

Doch seit Montag sind die Tage des ältesten Warenhauses der Bahnhofstrasse gezählt. Zwar bleibt der Bau bestehen, aber das Geschäft mit den zahllosen Luxusmarken und der riesigen Lebensmittelabteilung im Soussol verschwindet von der Bildfläche. Seine Eigentümerin, die Swiss Prime Site, stellt den Betrieb des Luxuseinkaufsparadieses ein. Der Verwaltungsrat und die Gruppenleitung von Swiss Prime Site habe beschlossen, das Jelmoli-Haus umzubauen und nachhaltig weiterzuentwickeln, teilte der Immobilienkonzern am Montag mit. Die Ladenflächen sollen auf „aktuelle Marktbedürfnisse“ angepasst und das Gebäude mit „neuen Nutzungen“ ergänzt werden.

Umbau des Jelmoli-Hauses startet 2025

Die Umbauarbeiten starten voraussichtlich 2025, die Wiedereröffnung ist für Anfang 2027 vorgesehen. Die insgesamt 24‘000 Quadratmeter Verkaufsflächen werden auf 10‘000 Quadratmeter reduziert. Läden wird es nur noch im Untergeschoss und im Parterre geben. Im zweiten und dritten Stockwerk will SPS „erstklassige Büroflächen“ schaffen. Die Pallas-Kliniken und das Fitnesscenter Holmes Place im vierten respektive fünften Geschoss bleiben im Gebäude.  Zusätzlich sind Gastronomieangebote geplant: Dies sei etwa auf dem Dach denkbar, sofern die Stadt solchen Plänen zustimme, erklärte ein Sprecher von SPS auf Nachfrage der Nachrichtenagentur SDA. „Es soll wie eine kleine Stadt in der Stadt werden.“

Als künftige Mieter kommen laut dem Immobilienkonzern sowohl bestehende Mieter in Frage, als auch neue Marken und Formate. Swiss-Prime-Site-CEO René Zahnd über die Pläne: „Mit dem Umbau des Gebäudes passen wir es an die heutigen Marktbedürfnisse an. Dazu gehören neben einem attraktiven Nutzungs- und Flächenmix auch Flexibilität und Mehrparteienfähigkeit.“ Ziel sei es, das Jelmoli-Haus zu einer einzigartigen Destination und einem offenen städtischen Begegnungsort weiterzuentwickeln.

Mit rund 900 Millionen Franken ist das Jelmoli-Haus nach einer Schätzung von Analysten bei Baader Helvea das teuerste Haus im Portfolio von SPS. Die Immobilienfirma hatte das Gebäude zusammen mit dem Detailhandelsgeschäft 2009 gekauft.

Erfolglose Suche nache einem Käufer

Als Grund für den Umbau und die Neupositionierung der Liegenschaft führt SPS den dynamischen Onlinehandel und das sich ändernde Konsumverhalten an, die Läden verstärkt in Bedrängnis brächten. Wie die SDA weiter berichtete, hatte das Warenhaus während der letzten sieben Jahre gemäss einem Sprecher einen Verlust von rund 45 Millionen Franken angehäuft. Zuletzt hatte SPS nach einem Käufer Ausschau gehalten, der das Verkaufsgeschäft – nicht aber das Gebäude – übernehmen wollte.

Dies allerdings ohne Erfolg. „Die intensiven Gespräche mit zahlreichen möglichen Partnern führten bis heute nicht zum erwünschten Erfolg", schreibt das Unternehmen. Wie der von der SDA befragte Sprecher erklärte, war ein Grund dafür unter anderem die sehr grosse Verkaufsfläche, die viele Interessenten als nicht zeitgemäss empfunden hätten. Heutzutage bevorzugten die Kunden kleinere Läden. (mai/mgt/sda)

Lesetipps
PDF vom Sonderheft der Schweizerischen Bauzeitung vom 6. April 1940 zum Erweiterungsbau von 1935 von Pfleghard &  Haefeli  

Artikel Tages-Anzeiger vom 16. September 1899

Quelle: Baugeschichtliches Archiv der ETH, Creative Commons by SA 4.0

In der Ausgabe vom 16. September 1899 berichtete der Tages-Anzeiger von der Eröffnung des Jelmoli-Warenhauses: "Man spricht oft davon, Zürich sei im Begriffe eine wirkliche Grossstadt zu werden, dass man sich in der That nicht wunder kann, von Zeit zu Zeit von Neuschöpfungen in unserer Stadt zu hören, die wirklich grossstädtischen Charakter haben. An der Ecke Seidengasse-Sihlstrasse ist dieser Tage ein Bau vollendet und ein Geschäft eröffnet worden, für welche sich ein begründeter Anspruch auf den Titel eines grossstädtischen erheben lässt."

Jelmoli-Haus um 1903

Quelle: Johannes Meiner, Baugeschichtliches Archiv der ETH, Creative Commons by SA 4.0

Das Jelmoli-Haus um 1903, vermutlich werden hier die Fenster geputzt.

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Quelle: Baugeschichtliches Archiv der ETH, Creative Commons by SA 4.0

Baustelle des Jelmoli-Hauses um 1898, rund ein Jahr vor seiner Eröffnung.

Teppich-Abteilung im Jelmoli-Warenhaus.

Quelle: Johannes Meiner, Baugeschichtliches Archiv der ETH, Creative Commons by SA 4.0

Teppiche und verschiedenste Bodenbeläge wurden ebenfalls im Jelmoli-Warenhaus angeboten.

Möbelabteilung im Jelmpoli-Warenhaus.

Quelle: Johannes Meiner, Baugeschichtliches Archiv der ETH, Creative Commons by SA 4.0

Möbelabteilung im Jelmoli-Warenhaus.

Kosmetikabteilung im Jelmoli-Warenhaus um 1903.

Quelle: Johannes Meiner, Baugeschichtliches Archiv der ETH, Creative Commons by SA 4.0

Stand in der Kosmetikabteilung um 1903.

Lieferwagen

Quelle: Baugeschichtliches Archiv, Johannes Meiner, CC BY SA 4.0

Das Warenhaus bot alles unter einem Dach, von Kosmetik und Mode über Kaffee bis hin zu allem, was es für die Wohnungseinrichtung braucht, zum Beispiel Linoleum. (Aufnahme um 1903).

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Quelle: Baugeschichtliches Archiv der ETH, Creative Commons by SA 4.0

Ausverkauf im Jelmoli-Warenhaus.

Erweiterungsbau Jelmoli

Quelle: Tiefbauamt Zürich, Baugeschichtliches Archiv der ETH, CC BY SA 4.0

Der Erweiterungsbau von Pfleghard & Haefeli um 1938. Der Turmbau stammt von Otto Pfleghard und Jean-Paul Mongeaud.

Baustelle, Erweiterung des Jelmoli-Hauses

Quelle: Baugeschichtliches Archiv, Gottfried Gloor, CC BY SA 4.0

Die Baustelle des Erweiterungsbaus um 1935.

Hauptbereich des Erweiterungsbaus

Quelle: Bender'sErben, Baugeschichtliches Archiv der ETH, Creative Commons by SA 4.0

Hauptbereich des Erweiterungsbaus, der 1938 eröffnet worden ist.

Auslage im Parterre des Jelmoli-Hauses.

Quelle: Gottfried Gloor, Baugeschichtliches Archiv der ETH, Creative Commons by SA 4.0

Auslage im Parterre des Jelmoli-Hauses.

Schaufenster von Jelmoli um 1938.

Quelle: Gottfried Gloor, Baugeschichtliches Archiv der ETH, Creative Commons by SA 4.0

Schaufenster von Jelmoli um 1938.

Jelmoli-Haus während der Landi von 1939

Quelle: Gottfried Gloor, Baugeschichtliches Archiv der ETH, Creative Commons by SA 4.0

Das Jelmoli-Haus während der Landi von 1939.

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Quelle: Wolgensinger Michael, Baugeschichtliches Archiv der ETH, CC BY SA 4.0

Das Jelmoli-Haus kurz nach seiner Erweiterung um 1961, es war zwischen 1958 und 1961 abermals ausgebaut worden. Das Projekt dazu stammt von Roland Rohn. Zwischen 1992 und 2004 übernahm Tilla Theus die Sanierung des Jelmoli-Hauses und baute einen Hof ein, wo heute eine Zara-Filiale untergebracht ist.

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