Photovoltaik: Der letzte Handelstag von Meyer Burger
Nun ist er da, der letzte Handelstag von Meyer Burger. Mit der heutigen Schlussglocke endet das Kapitel des einstigen Stars der Solarbranche an der Schweizer Börse SIX. Es hatte vielversprechend angefangen, doch dann setzten billige Solarmodule aus China dem Unternehmen zu.
Seit gut vier Monaten ist klar, dass bei Meyer Burger die Lichter endgültig ausgehen. Bereits seit vergangenem Sommer fristet die Aktie ein Schattendasein als "Penny-Stock" und war über einige
Monate vom Handel ausgesetzt. Dass die Titel vor drei Jahren noch fast 200 Franken und auf dem
Höhepunkt 2011 sogar wahnwitzige 1667 Franken gekostet haben, kann man sich mittlerweile kaum noch vorstellen. Der Börsenwert betrug damals über 2 Milliarden Franken.
Unter Druck von billigen Solarmodulen aus China
Meyer Burger hatte grosse Pläne. Insbesondere die Expansion in die USA sollte einen Schub bringen. Allerdings kam es anders. Denn Meyer Burger war wegen des Preisdrucks durch billigere Solarmodule
aus China nicht mehr wettbewerbsfähig. Und auch von der Politik kam nicht die erhoffte Hilfe über Förderungen deutscher Produktionsstandorte. Vor allem aber kam der geplante Neuanfang in den USA, wo bereits eine neue Fertigung im Bau war, zu spät. So hatte sich auch ein anderes Projekt zur Zellfertigung zerschlagen. Im November 2024 kam es dann zum Knall: Der grösste Kunde, das US-Unternehmen Desri, sprang ab und kündigte den Vertrag per sofort.
Die liquiden Mittel flossen schnell ab und die Fertigung konnte nicht mehr rechtzeitig hochgefahren werden. Nicht zuletzt entzog die neue US-Regierung, die die Solarenergie weit weniger oder gar nicht mehr fördern wollte, dem Geschäftsmodell von Meyer Burger den Boden.
Seither ging es stetig bergab. Es folgten Insolvenzanträge in den USA und für die Produktionsstandorte in Deutschland. Zwar sollten die Werke ihren Betrieb zunächst fortsetzen, die Suche nach potenziellen Investoren verlief aber ebenfalls ergebnislos. Der Geschäftsbericht für 2024 wurde immer weiter verschoben. Zudem bereitete der Schweizer Anlegerschutzverein (SASV) im Juli letzten Jahres eine Klage gegen Meyer Burger vor. Die Öffentlichkeit und die Aktionäre seien wiederholt falsch informiert worden.
Ab Anfang September war dann klar, dass die Lichter bei dem Traditionskonzern ausgehen werden und damit eine über 70-jährige Firmengeschichte endet. Die Suche nach Investoren wurde abgebrochen, der Betrieb in den Werken eingestellt, Hunderte verloren ihre Jobs. Auch im Schweizer Firmensitz wurden alle Mitarbeitenden bis auf ein Abwicklungsteam entlassen. Gegen die Dekotierung von der SIX wurde kein Einspruch erhoben.
Meyer Burger - vom Höhenflug auf den Scherbenhaufen
Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1953 von Hans Meyer und Willy Burger in Hünibach am Thunersee. Der Schwerpunkt lag auf Uhrenstein-Herstellungsmaschinen. Mit Schneidemaschinen zunächst für Siliziumwafer der Halbleiterindustrie, später für die Solarindustrie, machte sich Meyer Burger einen Namen und schaffte 2006 den Sprung an die Börse. Nach vielen Erfolgen endet nun die
Unternehmensgeschichte in einem Scherbenhaufen. ( sda / Dagmar Morawitz, AWP)