15:12 BAUBRANCHE

Bunte Riesenkristalle für Atomendlager

Eine surreale, leicht unheimliche Landschaft soll künftige Generationen vor dem hochgiftigen Grund eines Atomendlagers warnen. Dies ist die Idee eines New Yorker Architektenbüros, die damit einen Ideenwettbewerb gewonnen haben.

Die Chiuahuan-Wüste im Südosten New Mexikos birgt ein besonderes Bauwerk. Allerdings nicht auf dem Boden, sondern in 650 Meter Tiefe: die Waste Isolation Pilot Plant (WIPP), ein Endlager für mittelradioaktive Abfälle mit einer Kapazität von rund 180‘000 Kubikmetern. Sie befindet sich in einer Salzformation, einem Überrest aus der Zeit vor rund 250 Millionen Jahren, als die Wüste unter komplett von Meer bedeckt war. Die Bauarbeiten starteten 1980, 1999 ging die Stätte in Betrieb. Seither sind hier 12‘000 Ladungen hochgiftigen Mülls deponiert worden.

Allerdings platzte 2014 ein Behälter. In der Folge gelangte radioaktives Plutonium an die Erdoberfläche und kontaminierte auch 21 Arbeiter. Schuld war menschliches Versagen: Ein Behälter war nicht korrekt befüllt worden. In der Folge legte man die WIPP still, vergangenen Januar ist sie wieder eröffnet worden. Der Zwischenfall zeigt das Problem solcher Anlagen: Sie müssen absolut sicher sein. Und zwar über Zehntausende von Jahren hinweg. Selbst wenn sie nicht mehr in Betrieb sind, müssen nachfolgende Generationen vor ihrer Gefährlichkeit gewarnt werden.

Wie dies geschehen soll, wollte die offene Wettbewerbsplattform und Architekturforschungsinitiative „arch out loud“ wissen und hat dazu einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Gesucht war ein Vorschlag, wie das Gebiet markiert werden kann, damit auch in 10‘000 Jahren noch klar ersichtlich ist, dass im Grund nicht gegraben werden darf, da er hochgiftig ist. Eine bunte, beinahe surreal anmutende Landschaft aus riesigen Salzkristallen haben die Architekten des New Yorker Büros „Agency-Agency entworfen. Was auf den ersten Blick märchenhaft erscheint, wirkt auf den zweiten umheimlich. „Unser Projekt warnt nicht mit einem Monument, sondern manipuliert die die Geologie des Ortes“, erklären die Architekten ihr Projekt. Die Landschaft soll sich sozusagen selber bilden, über die Kohlendioxidausscheidung. (mai)

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© Silva Maier

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