Bern: Kritik an Wasserkraft-Kompromiss
Vor wenigen Wochen einigten sich der Kanton Bern, die Kraftwerke Oberhasli und Umweltverbände auf einen Kompromiss zum Ausbau dreier Speicherkraftwerke. Doch nun hagelt es Kritik.
Quelle: Bild: KWO AG
Der getroffene Kompromiss zwischen Kanton, dem Energieerzeuger und den Umweltverbänden kommt bei den betroffenen Gemeinden schlecht an.
Der Kanton Bern, die Kraftwerke Oberhasli und mehrere Umweltverbände haben lange um einen Kompromiss gerungen: Es ging um drei geplante Speicherkraftwerke, die der Energielieferant ausbauen will. Letzten Dezember wurde nun ein Wasserkraft-Kompromiss gefunden: Zahlreiche Umweltverbände haben darin zugesagt, keine Beschwerden gegen die drei Projekte einzulegen, und dafür im Gegenzug Umweltverbände ökologische Ausgleichsmassnahmen zu erhalten. So wird unter anderen im Kanton Bern auf die Nutzung von 53 Gewässerabschnitten zur Stromgewinnung verzichtet.
Sorge um Kraftwerke
Diese ökologischen Ausgleichsmassnahmen stossen aber in manchen betroffenen Gemeinden auf Kritik: Dort sorgt man sich um bestehende Kraftwerke, die zurückgebaut werden sollen oder um neue Projekte, die nun nicht mehr realisiert werden könnten.
Zum Beispiel in Brienz: Hier sorgt sich die Gemeinde um das bestehende Wasserkraftwerk am Giessbach und moniert mangelnde Mitsprache. Der Gemeinderat zeigt sich in einer Mitteilung enttäuscht, dass der Kompromiss für die Ausbauprojekte der KWO an Trift und Grimsel zulasten anderer Gemeinden und Projekte gehe.
Auskunft vom Regierungsrat verlangt
Der Gemeinderat nennt es gar «inakzeptabel», dass bestehende Infrastruktur zurückgebaut werden soll. Für Brienz sei unklar, was der Kompromiss für das bestehende Kraftwerk und ein weiteres Projekt am Giessbach bedeute. Die Gemeinde hat vom Regierungsrat Auskunft verlangt, denn sie hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren «»viel Arbeit und Geld«» in das bestehende Kraftwerk investiert.
Ähnliches ist auch aus dem Oberhasli und dem Simmental zu hören. Im Dezember kritisierte Innertkirchen die ökologischen Ausgleichsmassnahmen und den mangelnden Einbezug der betroffenen Gemeinden. Vergangene Woche sistierten mehrere Gemeinden und Wasserbauträger im Simmental ihre Mitarbeit am Gewässerrichtplan Simme. Auslöser ist der im Rahmen des Kompromisses geplante Rückbau des Simmewehrs in Wimmis. (SDA/bk)