Stromversorger fürchten: Versorgungsprobleme bis 2050
Der Bedarf an Strom bleibt hoch, und zugleich kommen Ausbauprojekte nur langsam voran. Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) rechnet deshalb damit, dass die gesetzlichen Versorgungsziele bis 2050 deutlich verfehlt werden. Zu diesem Schluss kommt der Verband in seinem ersten Stromversorgungsindex.
Quelle: Manuel Pestalozzi
Stromleitung beim AKW Mühleberg: Der Ausstieg aus der Atomenergie erfordert einen stärkeren Ausbau alternativer Stromproduktion.
Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen hat erstmals einen Stromversorgungsindex berechnet. Darin wird abgebildet, inwiefern die Schweiz ihre gesetzlich festgelegten Versorgungsziele bis 2050 erreicht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Von 100 möglichen Punkten erreicht die Schweiz per 2050 nur deren 69, wie der VSE gegenüber den Medien mitteilt. Bis 2035 rechnet er mit einem Index von 82 Punkten. Schuld an der Verschlechterung seien der Anstieg der Stromnachfrage und der Ausstieg aus der Kernenergie.
Der Verband stützt sich bei den Berechnungen dabei auf seine Studie «Energiezukunft 2050», die wiederum auf der Energie- und Klimastrategie sowie dem Stromgesetz basiert. Kurzum soll die Stromproduktion gezielt ausgebaut, das Stromnetz modernisiert und grenzüberschreitend leistungsfähig werden.
Quelle: zvg
Winterstrom-Produktion: Die Stromversorger fordern mehr Winterproduktion aus erneuerbaren Energien,
Mangel an Speichern
Als Grund für den mangelhaften Index nennt der VSE eine unzureichende Winterproduktion aus erneuerbaren Energien, den stockenden Ausbau des Stromnetzes, eingeschränkte Importmöglichkeiten und fehlende gesellschaftlich tragfähige Lösungen. Deshalb fordern die Stromversorger mehr Winterproduktion aus erneuerbaren Energien, einen Netzausbau und ein Stromabkommen.
Mit 52 Punkten per 2050 schnitt der Indikator «Flexibilität» am schlechtesten ab. Grund: Saisonale Speicherprojekte kommen nur nur schleppend voran. Zwar strebt der Bund bis 2040 eine Leistung von zwei Terawattstunden an, was dem Jahresverbrauch von 400000 durchschnittlichen Haushalten entspricht. Realistisch ist gemäss VSE derzeit aber nur die Hälfte.
Quelle: PD
Solarstrom-Anlage am Walensee: Der Ausbau von erneuerbaren Energien kommt besser voran, ist aber trotzdem nicht auf Zielkurs.
Erneuerbare kommen besser voran
Weiter sei der Netzausbau zu langsam (57 Punkte) und der Bedarf an zusätzlicher Stromproduktion hoch (63 Punkte). Mit 83 beziehungsweise 86 Punkten etwas besser steht es laut dem VSE um den Ausbau von erneuerbaren Energien und die Stromnachfrage. Aber: Auch diese Indikatoren sind nicht auf Zielkurs.
Der Index soll fortan jährlich erhoben werden; er versteht sich als Frühwarnsystem für die Versorgungssicherheit. Der VSE misst dabei laut eigenen Angaben aktuelle Entwicklungen wie den Ausbau von Photovoltaik, geplante Grossprojekte, Netzausbau und Elektromobilität. Der Fokus liege auf den Winterhalbjahren. (SDA/bk)