St. Gallen: keine härteren Auflagen für Ölheizungen
Im Kanton St. Gallen ist der Wechsel zu Heizungen mit Wärmepumpen ins Stocken geraten. Die St. Galler Regierung lehnt aber Zwangsmassnahmen weiterhin ab und will verhaltensökonomische Ansätze intensivieren.
Quelle: PD
Der Kanton St. Gallen will Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer in der Wahl ihrer Heizung nicht beschränken.
2020 wurden im St. Galler Kantonsrat die Massnahmen des Energiegesetzes beraten. Damals entschieden die Regierung und eine bürgerliche Mehrheit, die Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer in der Wahl ihrer Heizung möglichst nicht zu beschränken: Man beschloss kein Verbot neuer Öl- oder Gasfeuerungen, sondern lediglich einige Auflagen.
Auch heute ist das Erreichen der Energieziele «stark vom Verhalten und von individuellen Entscheidungen der Einzelnen abhängig», so die Regierung in ihrer Antwort auf einen aktuellen Vorstoss. Sie setzt deshalb auch auf «Instrumente aus der Verhaltensökonomie»: Konkret will sie die Bevölkerung mit einem Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit beeinflussen, etwa mit einem Blog auf der Plattform «energie2030.ch», der die Leserinnen und Leser ermutige, einen eigenen Beitrag zur Erreichung der Ziele zu leisten.
Quelle: zvg
Die Zahl der neu installierten Wärmepumpen war im Kanton zuletzt rückläufig.
Ziele werden nicht erreicht
Der Ansatz funktioniert bislang allerdings kaum, wie die Zahlen zeigen: 2021 wurden im Kanton St. Gallen 954 neue Wärmepumpen gezählt. 2023 stieg die Zahl auf 1964, 2024 sank sie allerdings wieder auf 1306. Die Regierung bilanziert: «Der Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme ist noch kein Selbstläufer».
Deshalb kam es zu einem Vorstoss aus dem Lager der Grünen, die die Frage stellten: «Plant die Regierung, künftig stärker auf verbindliche oder strukturverändernde Massnahmen zu setzen?» In ihrer Stellungnahme verneint dies die Regierung. Sie will den eingeschlagenen Weg «intensivieren und konsequent weiterverfolgen». Gleichzeitig räumte sie ein, dass verhaltensökonomische Ansätze nicht «gegen starke oder insgesamt diffuse Preissignale» gewinnen könnten.
Die Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer mit alten Öl- oder Gasheizungen will die Regierung mit neuen Ansätzen innerhalb der bisherigen Strategie zum Umstieg bewegen. Zum Beispiel durch das Projekt «100in100», das in Uzwil und ab Februar in Diepoldsau umgesetzt wird.
Quelle: Gemeinde Uzwil, Fotograph Peter Dotzauer (2018)
In Uzwil wurden durch das Projekt «100in100» viermal so viel Wärmepumpen eingebaut.
Eine Wette für 100 neue Heizungen
Das Konzept funktioniert wie eine Wette: Gelingt es innerhalb von 100 Tagen, 100 Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer zum Ersatz ihrer Öl- und Gasheizungen zu bewegen? Hinter Idee und Durchführung steht die gemeinnützige Genossenschaft 42hacks.ch mit Sitz in Trogen AR.
Das Projekt startet mit der Information der Eigentümerinnen und Eigentümer. Das zentrale Angebot ist aber die Übernahme der ganzen Bürokratie, die beim Ersatz einer Heizung anfallen. Hierfür arbeitet die Genossenschaft eng mit dem lokalen Gewerbe zusammen und koordiniert die Arbeiten, was für zu 20 Prozent tiefere Preise sorgen soll.
In Uzwil ging die Wette auf: Die Zahl der neuen Wärmepumpen hat sich hier vervierfacht, während sie schweizweit gesunken sei, so Arnold. Der nächste Kunde ist die Stadt St. Gallen. Im ganzen Kanton will 42hacks 2026 drei bis fünf neue Projekte starten. (SDA/bk)