Geothermie: Nach St. Gallen kommt Etzwilen TG
Obwohl die Testergebnisse des St. Galler Geothermie-Projekt ernüchternd waren, setzt die Geo-Energie Suisse AG weiterhin auf Geothermie: Die Abklärungen für das Pilotprojekt thurgauischen Etzwilen laufen nach Plan, während sich Anwohner gegen das Geothermie-Kraftwerk wehren.
Auf einem brach liegenden Eisenbahn-Areal in Etzwilen TG soll ab 2020 ein Erdwärmekraftwerk Strom produzieren. Anders als beim geplanten Geothermie- Kraftwerk in St. Gallen wird in Etzwilen nicht mit Heisswasser in der Tiefe gerechnet. Vielmehr soll nach dem sogenannten Multi-Riss-Verfahren Wasser durch Bohrlöcher in das Gestein gepresst und danach als Heisswasser wieder an die Erdoberfläche geleitet werden.
Wichtige Abklärungen und Untersuchungen zu Grundwasser, Erdbebenrisiko und Lärmemission seien gemacht worden, hiess es dazu an der heutigen Medienkonferenz zum Etzwiler Projekt, welche die Geo Energie Suisse und die Standortgemeinde veranstaltet hatten. Das Konzessionsgesuch und die Umweltverträglichkeitsprüfung sollen frühestens diesen Sommer eingereicht werden. Zudem wird das Projekt laut Standortgemeinde und Geo-Energie Suisse von einer Gruppe aus Anwohnern, Vertretern von Umweltverbänden sowie der involvierten Gemeinden und Kantone begleitet. Daneben werde die Bevölkerung regelmässig über den Planungsstand informiert.
Gegen das Pilotprojekt in Etzwilen hat eine Gruppe von Anwohnern eine Petition lanciert und sammelt Unterschriften. Sie fordern, dass alle Projekte gestoppt werden, bis das Gesetz zur Nutzung des Untergrundes im Kanton Thurgau in Kraft getreten ist. Zudem verlangen sie eine strenge Kausalhaftung zu Lasten des Untergrundnutzers: Er soll für alle durch die Arbeiten im Untergrund entstandenen Schäden im privaten und im öffentlichen Bereich haften. Das Multi-Riss-Verfahren ist laut den Gegnern des Projekts nicht erprobt. Seit den Bohrungen in Basel und St. Gallen wisse man, dass unkontrollierbare Risiken bestehen könnten.
Geo-Energie Suisse AG ist eine Gesellschaft mehrerer Schweizer Energieversorgungsunternehmen, die der Tiefengeothermie für die Strom- und Wärmeproduktion in der Schweiz zum Durchbruch verhelfen wollen. Haute-Sorne JU, Avenches VD, Triengen LU und Pfaffnau LU sind neben Etzwilen weitere geplante Standorte für Pilotprojekte der Geo-Energie Suisse. So ist in Haute-Sorne Ende Januar ein Baugesuch eingereicht worden. (mai/sda)

Quelle: Martin Barth, wikimedia, CC
Solfataren, wie der abgebildete bei Krafla in Island, sind 100 bis zu 250°C heisse postvulkanische Exhalationen von Gasen.