Watt d'Or 2019: Elektrisierende Projekte

Watt d'Or 2019: Elektrisierende Projekte

Teaserbild-Quelle: Stefan Breitenmoser

Heute wird zum 12. Mal der Schweizer Energiepreis Watt d’Or vom Bundesamt für Energie (BFE) vergeben. Zu den Gewinnern zählen unter anderem das Quartier Erlenmatt Ost in Basel, die schwebenden Solarkraftwerke der dhp technology AG in Chur und eine Nest-Unit in Dübendorf.

Aussergewöhnliche Leistungen im Energiebereich bekannt machen – das ist das Ziel des vom BFE ins Leben gerufenen Watt d’Or. Auch dieses Jahr wurden wieder innovative Schweizer Unternehmen und Hochschulen in vier Kategorien ausgezeichnet: Energietechnologien, Erneuerbare Energien, Energieeffiziente Mobilität sowie Gebäude und Raum. Auch ein Spezialpreis wurde vergeben.

In der Kategorie «Energietechnologien» wurde die von «DEPsys SA» aus Puidoux VD entwickelte Smartgrid-Plattform «GridEye» ausgezeichnet. Sie unterstützt Netzbetreiber bei der Integration von immer grösseren Mengen an erneuerbaren, dezentralen und fluktuierenden Energien in das Stromnetz. Letzteres wird dabei von «GridEye» überwacht, stabilisiert und optimiert. Die intelligente Software kann in die bestehende Infrastruktur eingebaut werden und lernt durch Messungen, wie sich das Stromnetz verhält.

Das neue Stadtquartier Erlenmatt Ost in Basel ging in der Kategorie «Gebäude und Raum» als Sieger hervor. Seit 2010 ist die Stiftung Habitat mit der Entwicklung des Quartiers beschäftigt. Das erste Gebäude wurde 2017 bezogen, bis Ende Jahr soll die erste Bauphase abgeschlossen sein. Künftig werden im Quartier rund 500 Menschen in über 200 Wohnungen leben. Dabei darf aber eine Person nicht mehr als 45 Quadratmeter Energiebezugsfläche beanspruchen und mindestens zehn Prozent der Wohnfläche müssen einem sozialen Zweck dienen. Das Quartier wird im Endausbau zu über 70 Prozent mit Strom und Wärme versorgt, die direkt vor Ort produziert werden. Dies unter anderem durch die ADEV Energiegenossenschaft, die hier eine der grössten Solarstrom-Eigenverbrauchsgemeinschaften der Schweiz realisiert hat. Der Strom und die Wärme werden dabei direkt von der ADEV an die Bewohnenden verkauft.

«Horizon» ist der Name eines schwebenden Solarkraftwerks, das in der Kategorie «Erneuerbare Energien» ausgezeichnet wurde. Die bewegliche Leichtbau-Solaranlage wurde vom Start-up dhp technology ag aus Zizers GR zur Marktreife entwickelt. Dank einer Seilbahntechnologie schwebt die Anlage fünf Meter über der Infrastrukturfläche und lässt sich wie eine Handorgel zusammenfalten. Ein Algorithmus fährt die glas- und damit spiegelfreien Solarmodule je nach Wetterverhältnissen automatisch ein oder aus. Für «Horizon» werden 50 Prozent weniger Materialien gebraucht, als für herkömmliche Solarmodule. Zudem kann es bei Bedarf problemlos wieder abgebaut werden. Die erste grosse «Horizon»-Anlage wurde im Auftrag der IBC Energie Wasser Chur bei der ARA Chur realisiert und kostete insgesamt 1,65 Millionen Franken. Sie produziert jährlich rund 540‘000 Kilowattstunden Strom.  

Um Energie einzusparen, muss zunächst der Verbrauch gemessen werden. Der Physiker Prof. Dr. Peter Oelhafen hatte die Idee, eine solche Messkampagne an Schienenfahrzeugen durchzuführen. Bei der BLS AG stiess er auf offene Ohren: Die Kampagne führte zu einem umfassenden Modernisierungsprogramm der 36 NINA S-Bahn-Züge, dass 2019 abgeschlossen wird. Die BLS spart damit und durch weitere Massnahmen jährlich 13 Millionen Kilowattstunden Strom, was dem Jahresverbrauch von über 3‘000 Haushalten entspricht. Damit ging das Modernisierungsprogramm in der Kategorie «Energieeffiziente Mobilität» als Sieger hervor.

Aufnahme von Februar 2018: Oben rechts die im Sommer 2017 in Betrieb gegangene Nest-Unit «Solar Fitness & Wellness».
Quelle: 
Zooey Braun

Aufnahme von Februar 2018: Oben rechts die im Sommer 2017 in Betrieb gegangene Nest-Unit «Solar Fitness & Wellness».

Mit dem Sonderpreis «Transition» ehrte die Jury die Nest-Unit «Solar Fitness & Wellness», die im Sommer 2017 auf dem Forschungsgebäude in Betrieb gegangen ist. Sie demonstriert, dass der Betrieb einer Wellnessanlage auch ohne den Verbrauch von fossilen Energien möglich ist. So sind sowohl das Dach als auch die Fassade der Unit für die Energiegewinnung optimiert. Als innovative Technik wurde zudem eine Hochtemperatur-CO2-Wärmepumpe integriert, die die Wärme für Sauna und Dampfbad rund dreimal effizienter bereitstellen kann als herkömmliche Systeme. Geplant wurde die vollständig solarbetriebene Unit von den dransfeldarchitekten ag aus Ermatingen. (pb/mgt)