Zürich schafft Platz für Gewerbe

Zürich: Änderung der Bau- und Zonenordnung für Ansiedlung von Betrieben

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Teaserbild-Quelle: zvg
Mehr Platz für Gewerbe

Flächen für die Industrie- und produzierende Gewerbebetriebe sind in der Stadt Zürich im Verlauf der letzten Jahrzehnte massiv geschrumpft. Der Stadtrat will deshalb in einem Strategieschwerpunkt Zürich als Werkplatz der Zukunft neu positionieren. Die Baubewilligungsbehörde hat daher die Praxis für die Ansiedlung von Industrie und produzierendem Gewerbe in den entsprechenden Zonen angepasst.

Hoher Anteil an Produktionsflächen erforderlich

Mit der Teilrevision der Bau- und Zonenordnung (BZO 2016) sollen verbleibende Flächen für produzierende Betriebe erhalten werden. Der Grund für die Anpassung ist, dass im Zuge des technischen Wandels neben klassischen Produktionsbetrieben neue Branchen und Betriebsformen entstanden sind, etwa im Bereich von High- und Cleantech. Solche moderne Gewerbe- und Industrieunternehmen benötigen zwar weniger Fläche für die eigentliche Produktion, hingegen mehr Platz für Forschung und Entwicklung und das oft direkt angegliederte Marketing. Bis anhin liess die Baubewilligungsbehörde der Stadt Zürich in den Industrie- und Gewerbezonen nur Unternehmen als Produktionsbetriebe zu, die mindestens auf 55 Prozent der belegten Fläche tatsächlich auch im engeren Sinn produziert haben, wie das Hochbaudepartement der Stadt in einer Mitteilung schreibt.

Neue Bewilligungspraxis eröffnet Möglichkeiten

Gemäss neuer Bewilligungspraxis der Bausektion des Stadtrats muss nur noch auf einem Drittel der Betriebsfläche eines Produktionsunternehmens tatsächlich produziert werden, zwei Drittel stehen für andere Funktionen zur Verfügung wie Forschung und Entwicklung oder Marketing. Für Baubewilligungen wird die neue Regelung laut Einschätzung des Amts eine positive Beurteilung vieler Baugesuche ermöglichen, die bis anhin abgelehnt wurden. Ziel der neuen Bewilligungspraxis sei es, innovative Betriebe anzusiedeln und attraktive Arbeitsplätze zu schaffen.

Trend zu Dienstleistungen und IT-Betrieben

Die bisherige Praxis war nicht mehr zeitgemäss und erschwerte die Ansiedelung moderner Produktionsbetriebe in den Industrie- und Gewerbezonen, was letztlich zu einer Schwächung des Werkplatzes führte, wie das Hochbaudepartement schreibt. Zu diesem Schluss kommt eine von der Stadt in Auftrag gegebene Infras-Studie, welche die Entwicklung der Produktion, neue Trends und Betriebsformen beleuchtet. Verglichen wurde in der Studie zudem die Bewilligungspraxis verschiedener Städte. Die Studienautoren stellen eindeutig eine Verschiebung hin zu dienstleistungsorientierten und digitalen Betrieben fest. Diese Entwicklung führte zu einer Abnahme von Flächen, die effektiv für Herstellungsprozesse genutzt werden. Eine im Rahmen der Studie durchgeführte Felduntersuchung bei 30 Zürcher Unternehmungen bestätigt diesen Befund. Die Studie verweist einschränkend auch auf den Umstand, dass eine präzise Definition dessen, was als Industrieunternehmen und was als produzierender Gewerbebetrieb gilt, letztlich aber mit Schwierigkeiten verbunden ist. (pd/sts)