«Vom Jugendstil zum Bauhaus»: Design-Geschichten

Teaserbild-Quelle: Historisches und Völkerkundemuseum

Das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen lädt mit der aktuellen Sonderausstellung «Vom Jugendstil zum Bauhaus» zur kleinen Zeitreise durch die Designgeschichte ein.

Armlehnsessel von Mies van der Rohe um 1927.
Quelle: 
Historisches und Völkerkundemuseum

Armlehnsessel von Mies van der Rohe um 1927.

Mit der Industrialisierung veränderten sich Wirtschaft, Gesellschaft und Lebenswelt grundlegend. Zusehends ersetzten Maschinen die Handarbeit: Das Einzelstück wurde von der Massenware verdrängt. In England, wo die Industrialisierung rund eine Generation früher als im übrigen Europa einsetzte, formierte sich mit dem «Arts and Crafts Movement» eine Gegenkultur. Sie fand später auf dem Festland ihr Pendant im Jugendstil. Neben den harten Arbeitsbedingungen in den Fabriken und der Umweltverschmutzung kritisierten diese Bewegungen vor allem die Massenproduktion und die mangelnde Qualität billig hergestellter Waren. Dem setzten sie Handwerkstraditionen und die Schönheit des Materials entgegen. Sie versuchten die Gestaltung industrieller Produkte aufzuwerten und so bezahlbare, qualitätsvolle Produkten zu schaffen.

Holz und Aluminium

Ein Beispiel hierfür ist das 1819 gegründete, deutsche Familienunternehmen Thonet: Schreinermeister Michael Thonet experimentierte mit in Leim gekochten Stäben, die er beliebig formen konnte. 1830 hatte er mit seiner Technik erste Erfolge und 1859 präsentierte er den Wiener Kaffeehausstuhl. Es gilt heute als das meist produzierte Sitzmöbel der Welt. 1930 waren bereits 50 Millionen Exemplare verkauft. Der Stuhl verkörpert alle Vorteile der neuen Bugholz-Technik: Eleganz, Funktionalität, geringer Materialverbrauch, Erschwinglichkeit und lange Haltdauer. Was mit den Thonet-Möbeln anfing, setzte sich ab 1920 in den Experimenten mit verchromten Stahlrohrmöbeln von Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe und anderen Designern der Moderne fort. Aber auch im Landi-Stuhl von Hans Coray, der Schalenstuhl aus Aluminium ist längst ein Schweizer Designklassiker.

Schätze aus der Sammlung

Das Museum erzählt aber nicht nur Designgeschichten, sondern präsentiert mit der Sonderausstellung auch erstmals Schätze seiner ansehnlichen Sammlung von Möbeln und Alltagsgegenständen aus der Zeit zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges. Ergänzt werden sie von Leihgaben aus Schweizer Sammlungen, etwa von Textilien von William Morris und Sonja Delaunay, Grafiken von Le Corbusier sowie von Werken von Sophie Taeuber-Arp und Maria Geroe-Tobler.

Informationen

Datum: bis 31. Mai
Ort: Historisches und Völkerkundemuseum, Museumstrasse 50, 9000 St. Gallen
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr
Weitere Infos: https://hvmsg.ch

Autoren

Chefredaktorin Baublatt

Ihre Spezialgebiete sind Architekturprojekte, Kultur- und Wissenschaftsthemen sowie alles Schräge, was im weitesten Sinn mit Bauen zu tun hat.

Tel. +41 44 724 77 21