Venedig stoppt Forschungsprojekt mit ETH Lausanne

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Das Staatsarchiv Venedig will das Forschungsprojekt «Venice Time Machine» mit der ETH Lausanne auf Eis legen. Dabei wurden bereits Hunderttausende von historischen Dokumenten digitalisiert.

Die Stadtentwicklung und soziale Entwicklung von Venedig nachzeichnen, das ist das ehrgeizige Ziel von «Venice Time Machine». 2013 wurde das Projekt von der Universität Cà Foscari, der ETH Lausanne (EPFL) und dem Staatsarchiv Venedig lanciert. Forschende wollen dafür historische Dokumente aus dem 16. bis 19. Jahrhundert in grossem Massstab digitalisieren und analysieren (baublatt berichtete).

Nun hat aber das Staatsarchiv Venedig die Zusammenarbeit aufgekündigt, wie es kürzlich auf seiner Website bekannt gab. Zwar habe es 2014 eine Kooperationsvereinbarung gegeben, diesem hätten aber weitere Vereinbarungen über die genauen Instrumente und Methoden des Projekts, sowie über das Teilen der Ergebnisse folgen sollen, wie das Staatsarchiv schrieb. Diese Detailvereinbarungen fehlen jedoch bis heute, obwohl bereits Hunderttausende Dokumente digitalisiert wurden.

Archiv fordert klare Vereinbarungen

Für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit fordert das Staatsarchiv Venedig eine Gleichgewichtung der beteiligten Institutionen, die Teilhabe des technischen und wissenschaftlichen Personals des Archivs, sowie die Identifizierung und Ausarbeitung einer Arbeitsmethodik.

Es brauche Klarheit und Einigung über die Ziele und die zu erwartenden Ergebnisse, insbesondere da es nicht ausreiche, Dokumente mit komplexen Tools und Algorithmen zu digitalisieren und zu analysieren, um die Geschichte Venedigs zu verstehen. Ausserdem müsse besonderes Augenmerk darauf liegen, dass die Regelung der Weitergabe von Daten, Informationen und Dokumenten mit der italienischen Gesetzgebung konform sein müssen. 

Die EPFL zeigte sich am Montag in einer Mitteilung überrascht über den Schritt des Staatsarchivs, die Zusammenarbeit auf Eis zu legen. Die institutionelle Diskussion über die Ausarbeitung von Detailvereinbarungen über Nutzungsrechte an den digitalen Bildern sei im Gange gewesen. Seit der Kooperationsvereinbarung 2014 habe es eine sehr positive Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv gegeben – unter Leitung des ehemaligen Staatsarchiv-Direktors Raffaele Santoro, wie die EPFL betont.

Projektstop unter neuem Direktor

Der derzeitige Direktor Penzo Doria habe nun die Zusammenarbeit ohne Rücksprache suspendiert. Dies gefährde mehrere Forschungsprojekte, die im Gange seien. Die EPFL betont weiterhin, das Staatsarchiv habe von dem Projekt durchaus profitiert, sei es durch technisches Equipment, Personal oder geteiltes Know-How.

Bis zum Wechsel in der Direktion im Jahr 2018 habe ein gegenseitiges Einvernehmen über Methodik und Ziele bestanden. 2017 präsentierten das Staatsarchiv, die Universität Cà Foscari und die EPFL erste konkrete Resultate. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 190'000 Dokumente digitalisiert und Suchprogramm-Prototypen entwickelt, um die Datenbank anhand von Schlüsselwörtern zu durchsuchen.

Die EPFL hoffe auf eine baldige Einigung, um die Zusammenarbeit fortzusetzen, hiess es in der Mitteilung. (sda/pb)