Unterwegs: Altes Schlachthaus in Burgdorf

Teaserbild-Quelle: Silva Maier

Der stattliche Bau an der Metzgergasse 15 in der Burgdorfer Altstadt hat eine bewegte Geschichte: Im 13. Jahrhundert errichtet, diente das Gebäude zunächst als Spital, Brüder des Franziskanerordens kümmerten sich hier um Gebrechliche und Kranke.

Luginbühl verwandelte altes Eisen in Kunst.
Quelle: 
Silva Maier

Luginbühl verwandelte altes Eisen in Kunst.

1836 wurde es aufgehoben und mit ihm auch die dazugehörige Katharinenkapelle. Man baute es zum Schlachthaus um, das bis 1985 in Betrieb bleiben sollte. Danach erhielt der Bau wieder eine neue Funktion: Eine Gruppe von Kunstfreunden wollte die Räume Bernhard Luginbühl (1929-2011) als Museum zur Verfügung zu stellen. Dies, weil der weltberühmte Schöpfer verspielter Eisenplastiken aus Schrottmaterial und Verbrennungs-Spektakeln im nahe gelegenen Mötschwil zu Hause war und es dort abgesehen von seinem Skulpturengarten, der heute lediglich auf Anfrage besucht werden kann, keinen Ort gab, an dem man sich mit seinen Werken hätte auseinandersetzen konnte.

Mit ihrer Idee stiessen sie bei Luginbühl auf offene Ohren. Der Bau faszinierte ihn, wegen der hohen Räume und der Kapelle, wegen der rauen Mauern aber auch wegen seiner Geschichte. Zumal Luginbühl selber aus einer Metzgerdynastie stammte. So richtete er hier gemeinsam mit seinen Söhnen Brutus, Jwan und Basil eine Ausstellung ein.

Wer die schwere Holztür öffnet, hat das Gefühl, eher ein Atelier als ein Museum zu betreten. Es scheint, als hätte der Meister den Ort erst vor wenigen Augenblicken verlassen. Eine Wand voller Pferdeschädel, eine riesige Eisenkugel, die sich über die Köpfe der Besucher hinweg bewegt und verschiedene kleinere Werke wirken, als sei ihre Umgebung eigens für sie geschaffen worden. Während die «Berliner Figur» – eine wuchtige Skulptur aus ausgedienten Gussformen – den Chor der Kapelle fast ganz ausfüllt, sind im oberen Stock Modelle, Skizzen und Videos zu sehen.

Somit ist das alte Schlachthaus für Freunde von Luginbühls Kunst dasselbe, was eine Berner Schlachtplatte für Liebhaber deftiger Kulinarik ist: ein Festmahl. Gut möglich, dass wer davon noch nicht versucht hat, hier auf den Geschmack kommt.

Im Juli ist macht das alte Schlachthaus Sommerpause.
Weitere Infos zu Öffnungszeiten und Museum: 
www.luginbuehlbernhard.ch

Auflugstipps der Redaktion: Das «Erbauliche» liegt so nah

Quelle: 
Luca Bravo, Unsplash

Weil das Baublatt bis am 2. August in der Sommerpause ist, verrät die Redaktion ihre Favoriten für «erbauliche» Ausflüge. Seien es historische Mauern wie jene des Klosters Muri oder des alten Schlachthauses von Burgdorf, kühlende Stollen oder chinesische Gartenbaukunst – für jedes Wetter ist etwas dabei. 

Alle Ausflugstipps finden Sie unter der Ausgabe Nr. 29/30 in unserem Archiv.

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