Test für Sauganlage zur Reinigung der Meere

Test für Sauganlage zur Reinigung der Meere

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Teaserbild-Quelle: Alle Fotos: Erwin Zwart/The Ocean Cleanup

Mit einer enormen technischen Anlage wollen Umweltschützer die Meere säubern. Die Unmengen von Plastikmüll, die an der Meeresoberfläche treiben, sollen über eine einfache Saugvorrichtung eingefangen werden. Eine Testanlage geht jetzt vor der holländischen Küste in Betrieb.

Ein nur 21-jähriger Holländer steckt hinter dem Projekt „The Ocean Clean-up“: Boyan Slat, Student für Luft- und Raumfahrttechnik, kam auf die Idee, als er in Griechenland beim Tauchen mehr Müll als Fische vorfand. Im Oktober 2014 konnte das Startkapital von zwei Millionen Dollar mittels Crowdfunding durch 400'000 Unterstützer aufgetrieben werden, und damit konnte auch die Umsetzung starten. Das an der Universität Delft entwickelte Konzept umfasst ein zweimal 50 Kilometer langes, V-förmig angeordnetes Schlauchsystem. Die Schläuche schwimmen an der Wasseroberfläche und werden durch Gewichte am Meeresboden fixiert. In ihnen könnten 90 Prozent des schwimmenden Plastikmülls ab einer Grösse von einem Millimeter eingesammelt werden, so Boyan Slat. Denn ein Grossteil der Plastikabfälle treibe auf oder knapp unterhalb der Meeresoberfläche und könne somit einfach eingefangen werden.

An der Machbarkeitsstudie arbeiteten über 100 zumeist freiwillige Forscher und Helfer. Laut Slat sollte es möglich sein, innerhalb von zehn Jahren die Hälfte des Mülls aus dem nordpazifischen Meeresstrudel zu entfernen. Bis zu drei Millionen Tonnen Plastik müssten aus dem Ozean gefischt werden. Der Müll sammelt sich im offenen Meer in riesigen Strudeln. Werden die Schlauch-Barrieren unmittelbar dort angebracht, liesse sich der Müll so automatisch mit der Strömung herausholen.

Experten haben allerdings Bedenken an der Umsetzung des Vorhabens. Die amerikanischen Meeresforscherinnen Miriam Goldstein und Kim Martini haben die Machbarkeitsstudie auf technische, biologische und rechtliche Fragen untersucht: Die Anlage sei in dieser Ausführung zum Scheitern verurteilt. Bei der ersten kleinen Versuchsanlage vor den Azoren seien weder die Strömungsverhältnisse realistisch gewesen, noch sei der Beifang an Tieren und Pflanzen überprüft wurden. Andere Kritiker bezweifeln die Stabilität und Langlebigkeit der geplanten Anlage unter den extremen Bedingungen auf hoher See.

Dennoch geht das Projekt jetzt in die zweite Testphase. Die Anlage wurde vor Kurzem in der Nordsee 23 Kilometer vor der niederländischen Küste installiert und wird dort nun auf „Herz und Nieren“ geprüft. Der Prototyp besteht aus Kautschuk, Polyester und Stoff und kann ein Gewicht von bis zu 80 Tonnen halten. Lauft alles plangemäss, soll der „Ocean Clean-up“ 2020 professionell zum Einsatz kommen.(cb)