Saint-Ursanne ist eine Grossbaustelle

Teaserbild-Quelle: Claudia Bertoldi
Saint-Ursanne ist eine Grossbaustelle

Die kleine Stadt Saint-Ursanne ist ein Touristenmagnet. Das Stadtbild wird von mittelalterlichen Bauten, Bürgerhäusern aus dem 14. bis 16. Jahrhundert sowie der eindrücklichen Stiftskirche geprägt. Sehr idyllisch ist es dort zurzeit aber nicht: Baumaschinen beherrschen das Strassenbild.

In einem Grossteil der Gassen von Saint-Ursanne wird momentan gebaut.
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Claudia Bertoldi

In einem Grossteil der Gassen von Saint-Ursanne wird momentan gebaut.

Tiefe Gräben durchziehen die engen Gassen der Altstadt von Saint-Ursanne. Bereits am Stadttor an der im Jahr 2016 renovierten Brücke Saint-Jean Népomucène weist ein grosses Schild auf die momentan durchgeführten Arbeiten hin.

Vorplatz der Stiftskirche wird saniert

Zur zweiten Phase der Sanierung der Altstadt gehören neben der kompletten Erneuerung der unterirdisch verlegten Versorgungsnetze die Integration eines Fernwärmenetzes, die Sanierung des Vorplatzes der Stiftskirche Saint-Ursanne sowie die Sanierung der vier alten Brunnen der Stadt, die als geschütztes Erbe von Saint-Ursanne aufgeführt sind.

Die Altstadt von St-Ursanne enthält ein reiches historisches Erbe von nationaler Bedeutung. In diesem Zusammenhang soll der öffentliche Raum nach der Fertigstellung der Arbeiten an den Versorgungsnetzen aufgewertet werden. Dazu gehört ein neues Verkehrs- und Parkkonzept, das auf Basis des kommunalen Verkehrsmasterplans angelegt wird. Zudem wird das Strassenmobiliar erneuert.

Spenden für Altstadtsanierung

Die Gesamtprojektkosten belaufen sich auf 7,84 Millionen Franken, die zum Teil aus Spenden gedeckt werden. Die 60 Quadratkilometer umfassende, aber nur 1300 Einwohner zählende Gemeinde Clos du Doubs, zu der Saint-Ursanne gehört, kann die Baukosten der Altstadtsanierung nicht allein stemmen. Deshalb wurde ein Spendenaufruf gestartet. So kann ein potenzieller Gönner eine Parzelle der alten Pflästerung «kaufen». Seinen Namen wird er eingraviert auf einem der Pflasterstein wiederfinden.

Aber auch für die Sanierung der Brunnen kann zweckgebunden gespendet werden. Die «Fontaine de la Laiterie» hat bereits einen privaten Spender gefunden, der die Gesamtkosten von 41‘500 Franken trägt. Der bereits restaurierte Brunnen „Fontaine du Mai» ist durch Beträge von Privaten und der Stiftung Hauenstein zum Teil finanziert. Auf Gönner und ihre Restaurierung warten noch die beiden Brunnen «Fontaine de la Rue Basse» und «Fontane de la Ruelle».

Archäologische Funde

Die Planung und Überwachung des Projekts unterliegt dem Ingenieurbüro Buchs & Plumey SA aus Porrentruy. Ihre Aufgabe ist nicht einfach, denn immer wieder stossen die Arbeiter während ihrer Arbeiten auf archäologische Funde, unter anderem historische Mauerreste, Holzteile, Strassenbefestigungen oder Kanalisierungsstrukturen, die gesichert werden müssen. Die Arbeiten der beiden Teilprojekte dauern seit zwei Jahren an und sollen innerhalb diesen Jahres fertiggestellt sein.

Für die Restaurierung der Altstadt werden weiterhin Spenden gesammelt.
Quelle: 
Claudia Bertoldi

Für die Restaurierung der Altstadt werden weiterhin Spenden gesammelt.

Die Geschichte von Saint-Ursanne

Über die vierbogige Brücke mit der Statue des Saint-Jean Népomucène gelangt man in die Altstadt.

Der Legende nach geht die Gründung der kleinen Stadt am Doubs auf den irischen Mönch Ursicinus, einen Gefährte des heiligen Kolumban, zurück. Er liess sich vermutlich in der Zeit von 612 bis 619 an diesem abgeschiedenen Fleckchen Erde als Einsiedler nieder. Die Einsiedelei des heiligen Ursicinus in einer Grotte kann man auch heute noch über die steile Treppe mit 190 Stufen erreichen.

Über dem Grab des Ursicinus wurde ein Kloster gegründet, das 849 erstmals urkundlich erwähnt wird. Im 11. Jahrhundert wurde eine neue Abtei errichtet. Die alte Klosterkirche wurde zur Pfarrkirche umgewandelt. 1139 wird der Ort als Sancti Ursicini erwähnt. Im 12. Jahrhundert erfolgte die Umwandlung der Abtei in ein Chorherrenstift. Ab 1210 unterstand es wie das gesamte Gebiet des Clos du Doubs dem Fürstbistum Basel.  Das um das Kloster entstandene mittelalterliche Städtchen erhielt 1338 Marktrechte. Von 1793 bis 1815 gehörte Saint-Ursanne zu Frankreich. Das Kloster wurde 1803 säkularisiert und die ehemalige Klosterkirche ist seither Pfarrkirche. Mit der Eröffnung der Bahnlinie Glovelier – Porrentruy trat Saint-Ursanne 1877 erstmals aus seiner Isolation. Das mittelalterliche Städtchen blieb in seiner Kompaktheit erhalten. Neue Gebäude wurden ausserhalb der Stadtmauern errichtet.

Saint-Ursanne liegt auf 440 Meter über Meer, gut acht Kilometer südöstlich von Porrentruy. Malerisch am rechten Flussufer des Doubs gelegen, wird es von den Jurahöhen des Lomont im Norden und des Clos du Doubs im Süden eingeschlossen. Noch heute ist die Anziehungskraft des Ortes ungebrochen. Nur über die 1728 erbaute vierbogige Brücke Saint-Jean Népomucène oder die drei Stadttore erhält man Zugang zur Altstadt. Anziehungspunkte sind vor allem die zahlreichen mittelalterlichen Gebäude und die Stiftskirche mit dem Kreuzgang aus dem 12. beziehungsweise 13. Jahrhundert.