Phosphor aus Klärschlamm: Zürich plant Grossanlage in Solothurn

Phosphor aus Klärschlamm: Zürich plant Grossanlage in Solothurn

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Derzeit wird Phosphor importiert. Ein vom Kanton Zürich gefördertes Verfahren soll das ändern: Der wertvolle Rohstoff kann aus Abwasser gewonnen werden. Dabei wird Asche aus Klärschlamm in reine Phosphorsäure umgewandelt. Eine erste Grossanlage zur Produktion ist nun in Planung.

Zusammen mit dem Ersatzneubau der Kehrichtverwertungsanlage in Zuchwil (SO) soll auch eine Anlage zur überregionalen Rückgewinnung von Phosphorsäure aus Klärschlamm-Asche entstehen.
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Zusammen mit dem Ersatzneubau der Kehrichtverwertungsanlage in Zuchwil (SO) soll auch eine Anlage zur überregionalen Rückgewinnung von Phosphorsäure aus Klärschlamm-Asche entstehen.

Bereits seit 13 Jahren darf Klärschlamm aus Abwasserreinigungsanlagen aufgrund zu vieler Schadstoffe nicht mehr als Dünger auf Feldern ausgebracht werden. Dadurch gelangt aber auch der darin enthaltene Phosphor nicht mehr zurück in den natürlichen Stoffkreislauf. Aus diesem Grund werde der unerlässliche Rohstoff derzeit in Minen in Übersee abgebaut und in die Schweiz importiert, wie die Baudirektion des Kantons Zürich mitteilt.

Mit dem neuen Klärschlamm-Entsorgungsplan soll die Beseitigung des Schlamms in der Schweiz so gestaltet werden, dass die spätere Rückgewinnung von Phosphor möglich ist. Durch die Klärschlammverbrennungsanlage im Werdhölzli in Zürich konnten zwar bereits die Kosten zur Behandlung des Abwasser-Abfalls reduziert und die energetische Nutzung optimiert werden. Jedoch fehlt es gemäss Mitteilung zurzeit noch an praxisreifen Anwendungen, um den Phosphor in der Klärschlamm-Asche zu rezyklieren.

Weniger Kosten und umweltfreundlicher

Gemäss Baudirektion ist es nun gelungen, die Machbarkeit eines Verfahrens unter industriellen Bedingungen nachzuweisen, mit dem der Rohstoff als hochwertige Phosphorsäure wieder in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden kann. Die Ausbeute beträgt über 95 Prozent. Der Rohstoff könnte in der Düngerproduktion und der Nahrungs- und Futtermittelindustrie Anwendung finden.

Im Vergleich zu heute konventionell hergestellten Phosphorsäuren aus Rohphosphat sei die Umweltbelastung durch das neue Verfahren mittels Klärschlamm-Asche deutlich geringer. Auch die Kosten gegenüber denjenigen, die bei der Entsorgung des Schlamms anfallen, sind insgesamt tiefer.

Vorprojekt startet an KVA in Solothurn

Für eine rationelle Produktion der Phosphorsäure mache es Sinn, dass sich mehrere Partner zusammenschliessen, schreibt die Baudirektion weiter. Im solothurnischen Zuchwil habe man einen geeigneten Standort für eine überregionale Produktionsanlage gefunden. Letztere liesse sich ins Areal der Kehrichtverwertungsanlage KEBAG und der Abwasserreinigungsanlage ZASE im Emmenspitz integrieren.

Interessierte Betreiber von Abwasserreinigungs- und Klärschlammverbrennungsanlagen beauftragten die Stiftung Zentrum für nachhaltige Abfall- und Ressourcenwirtschaft ZAR, mit der Erarbeitung eines Vorprojekts für eine Anlage in Zuchwil. Bis Ende 2020 soll dieses abgeschlossen sein. Gemäss Mitteilung könnte die industrielle Produktion der Säure neben der projektierten neuen Kehrichtverwertungsanlage KEBAG Enova etwa 2026 beginnen. (mgt/pb)