Neugierige Nachbarn: Der "Spion" von nebenan

Teaserbild-Quelle: adriagarcia (CC BY-SA 2.0)

Jeder fünfte Schweizer hat seinem Nachbarn schon mal im Internet nachspioniert. Google, Facebook und Xing sind beliebte – und ergiebige – Informationsquellen, wenn man weiss, wonach man sucht.

Türspion mit Blick ins Treppenhaus
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adriagarcia (CC BY-SA 2.0)

Durch den Türspion den Nachbarn beim Weggehen beobachten war gestern. Heute erfährt man auf Social Media mehr darüber, was er nach dem Verlassen des Hauses so treibt.

Wo macht die Familie von nebenan gerade Urlaub? Ist das Paar über mir verheiratet? Und wo arbeitet die Frau aus dem ersten Stock? Das Privatleben der Nachbarn ist für viele äusserst spannend. Doch persönliche Kontakte, etwa in Wohnblöcken, werden seltener. Da kommt das Internet wie gerufen.

Suchmaschinen und Social Media

Jeder fünfte Schweizer ist so neugierig, dass er das World Wide Web nach Informationen zu den Nachbarn durchforstet. Das zeigt eine Studie des Immobilienportals immowelt.ch. Zum Vergleich: In Österreich beispielsweise sind es nur 15 Prozent.

Besonders gerne werden bei der Recherche klassische Suchmaschinen genutzt. Die meisten der gwundrigen Schweizer (83 Prozent) gaben an, über Google, Bing oder Yahoo nach dem Nachbarn zu suchen.

Daneben werden vor allem soziale Netzwerke genutzt. Auf Facebook (56 Prozent) und Instagram (16 Prozent) finden Neugierige private Daten wie Geburtsdatum, Beziehungsstatus oder Urlaubsfotos – vorausgesetzt, das Profil des Nachbarn ist öffentlich.

Auf Dating-Plattformen verzichtet

In beruflichen Netzwerken wie LinkedIn oder Xing (29 Prozent) stossen Suchende auf Informationen zum Werdegang oder zum aktuellen Job. Lediglich Dating-Apps wie Tinder nutzen die Schweizer gar nicht zum Nachforschen. Diese bieten wenig Recherchemöglichkeiten – und so weit scheint das Interesse am Nachbarn dann doch nicht zu gehen.

Die meisten respektieren die Privatsphäre

Die Mehrheit der Schweizer hält allerdings nichts vom Nachspionieren in der Nachbarschaft. 60 Prozent sind der Ansicht, dass sie das Leben der Nachbarn nichts angeht und verzichten deshalb auf Internetsuchen. Weitere 20 Prozent sind einfach nicht am Leben des Nebenmanns interessiert.

Eigentümer sind neugieriger

Grosse Unterschiede gibt es beim Vergleich zwischen denjenigen, die eine eigene Immobilie besitzen, und denen, die zur Miete leben. Eigentümer sind interessierter am Leben der Nachbarn als Mieter. Während 24 Prozent der Immobilieneigentümer nach Informationen über ihre Nebenleute suchen, sind es bei den zur Miete lebenden Befragten hingegen nur 17 Prozent.

Da Wohnungskäufer oftmals eine Immobilie fürs Leben oder zumindest mit langfristigen Plänen suchen, hat die Nachbarschaft für sie eine grössere Bedeutung. Wohingegen viele Mieter nur einen kurzen Lebensabschnitt in ein und derselben Wohnung verbringen und öfter umziehen.

Sind Reiche grössere "Gwundernasen"?

Auch die eigenen finanziellen Verhältnisse scheinen einen Einfluss auf die Neugierde zu haben. Denn neben den Eigentümern wollen vor allem Besserverdiener wissen, wer der Nachbar wirklich ist. 25 Prozent der Befragten mit hohem Einkommen haben schon mal nach Informationen über andere Bewohner gesucht. Bei den Geringverdienern waren es nur 13 Prozent. Auch hier dürfte es eine Rolle spielen, dass Besserverdiener eher im Eigentum leben und wissen wollen, auf welche Nachbarn sie sich eingelassen haben. (sda/nsi)

Anworten im Überblick

Haben Sie im Internet schon mal nach Informationen über Ihren Nachbarn gesucht?

  • Nein, das Leben meiner Nachbarn geht mich nichts an: 60 Prozent
  • Nein, meine Nachbarn interessieren mich nicht: 20 Prozent
  • Ja, ich will wissen, mit wem ich Tür an Tür wohne: 20 Prozent

Welche Seiten/Plattformen haben Sie dafür genutzt? (Teilmenge: nur die, die schon nach Informationen über Ihre Nachbarn gesucht haben; Mehrfachantworten möglich)

  • Suchmaschine (z. B. Google, Bing, Yahoo): 83 Prozent
  • Facebook: 56 Prozent
  • Berufliches Netzwerk (z. B. LinkedIn, Xing): 29 Prozent
  • Instagram: 16 Prozent
  • Spezielle Personensuchmaschine: 16 Prozent
  • Dating-Apps (z. B. Tinder): 0 Prozent

(mgt)